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Sein Licht strahlt in TV-Studios, Theatern, Museen, Einkaufspassagen, Kaufhäusern oder auch Firmenzentralen: Erhard Lehmann, Gründer und Geschäftsführer der Schnick-Schnack-Systems GmbH. Foto: Aliki Monika Panousi
Porträt

Herr Lehmanns Gespür für gutes Licht

Wenn beim European Song Contest, in der VIP-Lounge der Leverkusener BayArena oder im Luxuskaufhaus Breuninger die Lichter angehen und mit originellen Effekten gespielt wird, dann ist die Kölner Firma Schnick-Schnack-Systems GmbH mit von der Partie. Der Experte für LED-Effektlicht und Steuerungstechnik profitiert vom Trend zu immer aufwändigeren Inszenierungen von Shows, Events und Fashion.

Text: Eli Hamacher

Wenn gute Laune ansteckend wäre, dann würde man das Büro von Erhard Lehmann lachend verlassen. Schon der Name seiner Firma, der Schnick-Schnack-Systems GmbH, spricht für einen guten Humor. Und für eine gewisse Chuzpe. Schließlich steht Schnickschnack für „wertloses oder überflüssiges Zeug“. Offen gibt der Chef zu, dass er mit einem leicht mulmigen Gefühl zur Notarin gegangen sei. „Darf man sich das wirklich trauen?“, fragte er sich bei der Firmengründung vor 13 Jahren. Ja, fand die Juristin, und gab grünes Licht. Von seinem Geistesblitz ist Lehmann immer noch überzeugt. „Wir sind Experten für LED-Effektlicht und Steuerungstechnik. Das braucht kein Kunde wirklich, aber man hat es gern. Genauso wie Schnickschnack“, sagt der 42-Jährige. Viel wichtiger ist jedoch, dass sein Kalkül aufging: „Wenn Architekten auf einer Fachmesse unsere Lichtsysteme sehen, sollen sie sich natürlich an uns erinnern. Der Name bleibt im Kopf.“

Mit Lichteffekten für gute Einschaltquoten sorgen

Lehmanns Licht strahlt in TV-Studios, Theatern, Museen, Einkaufspassagen, Kaufhäusern oder auch Firmenzentralen. Seine Auftraggeber sind Dienstleister, die die von Licht-Designern entworfenen LED-Systeme beim Kunden einbauen. „Am Samstagabend kommen Sie um uns nicht herum“, sagt der Kölner. Beim „Eurovision Song Contest“, bei „Heute“, dem „Aktuellen Sportstudio“ oder bei der bis 2015 ausgestrahlten Spielshow „Schlag den Raab“, aber auch unter der Woche, etwa bei „Deutschland sucht den Superstar“, setzt die Kölner Schnick-Schnack-Systems GmbH die Sendungen ins rechte Licht. „Bei den besten Sendeplätzen herrscht ein harter Wettbewerb. Der Zuschauer muss hängenbleiben. Lichteffekte spielen da eine große Rolle“, erklärt der Diplom-Ingenieur, der schon während der Schulzeit einen Licht- und Tontechnikverleih gründete, nicht unbedingt zur Freude seiner Eltern, einem Lehrer-Ehepaar.

Doch der Sohn hatte ein gutes Gespür für einen Wachstumsmarkt. Laut Germany Trade & Invest, der Außenwirtschaftsagentur der Bundesrepublik Deutschland, gewinnt moderne LED-Beleuchtungstechnik weltweit rasch an Bedeutung. Das Marktvolumen steige jährlich mit zweistelligen Raten. Der weltweite Umsatz mit LED-Leuchten wird sich laut Statistik-Portal Statista im Vergleich zu 2014 (19,7 Milliarden Dollar) bis 2022 mehr als verdoppeln. Lag der Marktanteil von LED-Beleuchtung 2016 weltweit erst bei 36 Prozent, wird er laut Marktforscher Frost&Sullivan im Jahr 2020 bereits 85 Prozent erreichen. Insgesamt ist der Umsatz der deutschen Beleuchtungsindustrie in den vergangenen sechs Jahren kontinuierlich gestiegen, zuletzt von 6,7 (2015) auf knapp 7,0 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.


Zu Schnick Schnacks Wachstum trägt nicht nur das Fernsehen bei. Auch bei Firmen geht Lehmanns Lichtshow an. In der BayArena, dem Heimspielstadion von Bayer 04 Leverkusen, statteten die Beleuchtungs-Experten in einem multifunktionalen Businessraum die Decke mit 550 LED-Kacheln und den Konferenztisch mit LED-Streifen aus. Beim Edelkaufhaus Breuninger in Stuttgart leuchtet eine LED-Wolke aus 4.000 Leuchtkörpern an unterschiedlich langen Aluminiumstäben die luxuriöse Schuhabteilung aus.

Neben den TV-Sendern setzen vor allem Unternehmen, die die Ausstrahlung ihrer Marke fördern wollen, auf die Technik aus Köln. Etwa der Filterhersteller Mann + Hummel, der in seinem Ludwigsburger Firmenmuseum auf einer medialen Pixelwand mit 5.670 hinterleuchteten Filterelementen Zahlen und Fakten über das Unternehmen laufen lässt.

Brummt die Konjunktur, hat auch Lehmann besonders gute Laune: „Wenn die Geschäfte rund laufen, steigen die Marketingbudgets der Unternehmen.“ Folglich könnten die TV-Sender ihre Werbezeiten gut verkaufen und entsprechend ihre Shows ausstatten. Großzügig zeigten sich dann auch die Firmen beim Design ihrer Messeauftritte oder Unternehmensmuseen. 

Mit einem satten Umsatzplus von rund 25 Prozent rechnet der Schnick-Schnack-Chef im laufenden Jahr. Absolute Zahlen hält er unter Verschluss, nur so viel: Der Umsatz bewege sich im mittleren siebenstelligen Bereich. Und man schreibe schwarze Zahlen.

Bis zum Jahresende wird die in Köln-Ossendorf beheimatete Firma 18 Mitarbeiter beschäftigen, zurzeit sind es 16, darunter Elektroniker, Medien- und Veranstaltungstechniker sowie Diplom-Kaufleute. Im kommenden Jahr soll ein Azubi das Team verstärken und zum/zur Elektroniker/-in für Geräte und Systeme (IHK) ausgebildet werden.

In der BayArena haben die Beleuchtungs-Experten in einem multifunktionalen Businessraum die Decke mit 550 LED-Kacheln und den Konferenztisch mit LED-Streifen ausgestattet.
Foto: facts and fiction

Für den Auftragszuwachs sind die Kölner gut gerüstet. Ließen sie bis zum Jahr 2010 noch fast ausschließlich bei Dritten die Leiterplatten und das Zubehör produzieren, holten sie zu diesem Zeitpunkt die gesamte Fertigung in ein neues Werk nach Köln-Ossendorf und können seitdem steckerfertige Systeme liefern. „Die Variantenvielfalt hat sich dadurch drastisch erhöht, während wir die Lieferzeit deutlich verkürzen konnten“, nennt Lehmann als entscheidende Vorteile. Heute könne man binnen zwei Wochen liefern, vor 2010 habe der Auftraggeber zwischen sechs und acht Wochen warten müssen.

Für die Produktentwicklung und den Ausbau des internationalen Vertriebs installierte Lehmann, der bis vor einem Jahr allein die Geschäfte führte, eine Doppelspitze: Im Februar 2016 rückte Solveig Busler, Spezialistin für Veranstaltungstechnik, als zweites Mitglied in die Geschäftsführung. Gemeinsam will das Duo das Wachstum der Schnick-Schnack-Systems weiter vorantreiben. 

Selbst die Filmindustrie im fernen Bollywood an Indiens Westküste und die US-Ausgabe der Tanzshow „Let’s Dance“ finden Schnick-Schnacks Lichtideen gut. „Schnelligkeit und Qualität sind für uns die wichtigsten Erfolgskriterien“, sagt der Firmengründer. Als deutscher Hersteller profitiere man klar vom guten Klang des „Made in Germany“. „Das garantiert uns einen Vorsprung und ist Ansporn zugleich“, erklärt Erhard Lehmann, der sich schon, wie ganz offenbar auch seine Kundschaft, auf den nächsten "Schnickschnack" freut.

Strahlkraft: Unternehmen, die die Ausstrahlung ihrer Marke fördern wollen, setzen auf die Technik aus Köln. Der Filterhersteller Mann + Hummel zum Beispiel lässt in seinem Ludwigsburger Firmenmuseum Zahlen und Fakten über das Unternehmen auf einer medialen Pixelwand mit 5.670 hinterleuchteten Filterelementen laufen.
Foto: Firmenfoto

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