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Das Start-up Loloco präsentierte sich auf dem IHK-Gründertag. Foto: Daniel A. Opoku
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Gut gegründet ist halb gewonnen

Ideen ohne Existenzsorgen bis zur Marktreife entwickeln: Das Gründerstipendium.NRW hat dieses Ziel. Die IHK Köln steht dabei beratend zur Seite.

Text: Patrick Schroeder

Eine Geschäftsidee im Kopf, aber keine Zeit zur Umsetzung, weil die Jobs erledigt werden müssen, die Miete und Brötchen zahlen? Muss nicht sein, sagt das Wirtschaftsministerium NRW und hat deswegen 2018 das Gründerstipendium.NRW ins Leben gerufen. Wer als Start­up gründen möchte, kann sich um ein solches Stipendium bewerben. Wird er – oder sie – angenommen, dann gibt es ein Jahr ang Unterstützung von Coaches. Auch von Spezialistinnen und Spezialisten der IHK Köln. „Dabei geht es oftmals stark ans Eingemachte. Wir schärfen das Geschäfts­modell, nehmen Technologien unter die Lupe, klären Finanzierungsfragen und unterstützen die Personalentwicklung“, erklärt Mathias Härchen, Leiter Unter­nehmensförderung bei der IHK Köln.

Das frühe Eingreifen lohnt sich. „Wir helfen den Gründenden, ein solides Fundament zu bauen und frühzeitig Stolperfallen zu erkennen und zu um­gehen.“ Damit die Bezahlung von Miete und Brötchen während der Gründungsphase nicht zu Existenzsorgen führt, erhalten bis zu drei Gründer pro Start­up über das Stipendium einen monat­lichen Zuschuss von 1.000 Euro.

„Wir lieben den Laden um die Ecke“

Zu den Stipendiaten zählt Loloco. Dem Kölner Start­-up ist es ein Dorn im Auge, dass vor allem große Konzerne und Online­händler von digitalen Kundenbindungssystemen wie Payback und modernen Big­-Data­-Analysemethoden profitieren, Kioske und Frisöre von den Vorteilen der Digitalisierung hingegen oft weniger haben. „Der kleine Handel hat meistens weder Zeit noch Geld, um sich zu digitalisieren. Um dieses Ungleichgewicht zu beseitigen, haben wir eine neue Software entwickelt“, erklärt Malte Hendricks, Mitbegründer von Loloco. Händlerinnen und Händler stellen ein Tablet neben der Kasse auf. Die Kunden halten ihr Smartphone vor die Kamera. Das Tablet scannt den Loloco­-QR­-Code der Kunden und schreibt Treuepunkte gut, die gegen Prämien eingetauscht werden können. Gleichzeitig hilft die Software, das Angebot besser auf Kundenbedürfnisse abzustimmen. Möglich macht das der Zugang zu Statistiken, Auswertungen und Handlungsempfehlungen. „Wir lieben das Leben im Veedel und den Laden um die Ecke. Und wir möchten, dass diese Kultur auch in Zukunft erhalten bleibt“, so Hendricks.

Derzeit läuft eine Pilotphase mit rund 20 Geschäften in Köln­-Longerich. Ende des Jahres ist bestenfalls die Marktreife erreicht. „Dank des Stipendiums können wir uns zu 100 Prozent auf dieses Ziel konzentrieren. Niemand ist durch einen Nebenjob abgelenkt, niemand hat Existenzsorgen“, sagt Hendricks. „Und die IHK­-Coaches sind die passenden Sparringspartner, die uns regelmäßig neue Sichtweisen eröffnen.“

High-Performance-Teams entwickeln

Ein weiterer Stipendiat ist Nevrland. Das Start­-up aus Köln weiß: Die Arbeitswelt bringt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterschiedlichster Disziplinen in Pro­jekten zusammen. Oftmals nur für kurze Zeit. „Projektinitiierungsphasen bedeuten für Unternehmen oft teure Zeitverluste. Denn es dauert immer eine Weile, bis man sich vertraut, bis jeder seinen Platz gefunden hat, bis die Gruppe ihr volles Potenzial entfalten kann“, erklärt Geschäftsführer Fritz Bunse. „Wir haben deshalb ein Format geschaffen, das die Initiierungsphase deutlich abkürzt.“


Mit Gründerstipendium und IHK-Coaching auf Erfolgskurs: das Kölner Start-up Nevrland mit Oliver Stypa (l.) und Fritz Bunse.
Foto: Daniel A. Opoku

Der Ansatz: Team­Mitglieder reisen an einen inspirie­renden Ort – etwa nach Lissabon oder in die Alpen. Dort leben sie eine Woche zusammen und arbeiten fokussiert an einer Ziel­setzung. Businessexperten aus dem Nevrland­-Netzwerk bieten auf Wunsch inhaltliche Unterstützung. Teambuilding entsteht quasi nebenbei. Nevrland übernimmt als Full­-Service­-Anbieter die gesamte Organisation und begleitet die Umsetzung.

Bunse und sein Kollege Oliver Stypa sind ebenfalls Stipendiaten. „Ohne die Unterstützung hätte ich eine Halbtagsstelle antreten müssen. Nun kann ich meine ganze Zeit und Energie in das Start­up legen“, sagt Bunse. Hilfreich sei auch das Coaching bei der IHK. „Wir haben uns beispielsweise mit Rechtsexperten vernetzt, die uns bei der Ausarbeitung der AGBs unterstützen. So können wir uns stärker um die Weiterentwicklung des Konzepts kümmern.“

Mehr als 1.000 Bewerbungen

Für das Gründerstipendium.NRW sind seit dem Startschuss im Juli 2018 über tausend Bewerbungen eingegangen. Im April hat Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart den 500. positiven Bescheid übergeben: an den Kölner Louis Rose und den Düssel­dorfer Sakander Zirai, Geschäftsführer des Start­ups Senseblock.

INFOS UND KONTAKT

Die Vergabe des Gründerstipendiums mit Auswahl und Beratung läuft über insgesamt 36 Netzwerke mit 98 Anlaufstellen. Eine Liste der regionalen Ansprechpartner, zu denen auch die IHK Köln gehört, steht auf www.gruenderstipendium.de.


Wirtschaftsminister Pinkwart (links) überreichte das 500. Gründerstipendium an Louis Rose (rechts) und Sakander Zirai (2. v. r.) vom Start-up Senseblock.
Foto: Olaf-Wull Nickel

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