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Foto: Tillmann Franzen
Porträt

Gründerinnen brauchen Vorbilder

Unternehmensgründerinnen und Frauen im Topmanagement von Unternehmen stehen vor den gleichen Herausforderungen – spätestens bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Damit topmotivierte weibliche Nachwuchskräfte und junge Unternehmerinnen nachhaltig erfolgreich sind, müssen Rahmenbedingungen und Netzwerke stimmen.

Rund 40 Prozent aller Gründungen sind weiblich. Eine Quote, die auf den ersten Blick gut aussieht. Allerdings gründen Frauen überproportional im Segment „kleiner Nebenerwerb“. Von Frauen gegründete Unternehmen wachsen zögerlicher, und unter den Start-up-Gründungen sind Frauen nur mit 14 Prozent vertreten. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Aus vielversprechenden Karrieren werden häufig in der Familienphase Halbtagskräfte, dann vielleicht auch mit einer Nebenerwerbsgründung. Beispiele von erfolgreichen Unternehmerinnen und weiblichen Karrieren sowie die Gelegenheit, Netzwerke zu bilden, sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass Frauen in ihren Zukunftsvisionen „größer“ denken.

Über Gründerinnen und weibliche Berufskarrieren sprach „IHKplus“ mit Dr. Sandra von Möller, Geschäftsführerin der BÄRO GmbH & Co. KG und IHK-Vizepräsidentin.

Warum gründen Frauen zögerlicher als Männer?

Es gibt viele erfolgreiche Frauen in der Wirtschaft – ob sie gegründet haben oder in Unternehmen tätig sind. Ihnen folgen viele junge, gut qualifizierte und ambitionierte Frauen, die eine Karriere verwirklichen wollen. Entscheidend sind dabei die Rahmenbedingungen, die nach wie vor nicht gegeben sind: Eine schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf, fehlende Betreuungsplätze und Hindernisse bei der Finanzierung tragen dazu bei, dass Frauen überproportional im Segment „kleiner Nebenerwerb“ gründen. Dies muss sich ändern.

Frauen haben genauso gute Existenzgründungsideen wie Männer. Allerdings haben Frauen bei der Finanzierung von mutigen Unternehmensprojekten immer noch schlechtere Chancen bei den Kreditpartnern und die überaus schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf wegen fehlender Betreuungsplätze lässt große Träume dann schnell schrumpfen.

Haben die Frauen es gerade bei Gründungen nicht selber in der Hand, nach eigenem Gusto zu gestalten?

Fest steht, dass Frauen bislang anders gründen als Männer. In anderen Branchen, mit wenig oder gar keinen Beschäftigten, oft im Nebenerwerb von zu Hause aus. Hierbei hilft es, sich die Karrierewege von Frauen im Topmanagement oder an der Spitze von Unternehmen anzuschauen: Der Mut, auch mal in unbekannte Bereiche vorzudringen, die vielleicht auf den ersten Blick zu ‚technisch‘ oder zu männerdominiert wirken, wird häufig belohnt. Eine
große Chance bieten Netzwerke und der rege Austausch der Frauen untereinander.

Was können Frauen konkret tun?

Wichtig ist, dass Frauen ihren eigenen Weg und ihre persönlichen Ziele verfolgen, dass sie ausdauernd und mutig sind. Dabei sollten sie für ihre Rechte einstehen – wie für das Recht auf ausreichende Kita-Plätze und Betreuungsangebote. Wir brauchen zudem gezieltere Förderprogramme für Frauen und ein Umdenken bei den Finanzierungspartnern. Meine persönliche Empfehlung: Netzwerke nutzen, sich austauschen.

Frauen.Macht.Karriere

Es gibt sie: Frauen, die ein Unternehmen gegründet und dieses groß gemacht haben. Die Fachtagung „Frauen.Macht.Karriere“ am 20. September in der IHK Köln bietet diesen Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen aus IHK-Mitgliedsunternehmen Vorträge und Diskussionen rund um das Thema „Frau und Wirtschaft“. Infos dazu liefert auch der Blog ihk-business-women.de.

Gründerreport

Im vergangenen Jahr hatten die nordrheinwestfälischen Industrie- und Handelskammern über 35.000 Kontakte zu Existenzgründerinnen und Existenzgründern, die von Erstberatung bis hin zu Seminaren die kostenfreien Angebote der IHKs nutzten. Diese und zahlreiche weitere Infos, Grafiken und Statistiken liefert der gerade erschienene „Gründerreport 2017“ der IHKs in NRW, für den rund 550 Gründerinnen und Gründer Input lieferten. Auf der Website der IHK Köln ist der Report unter der Dok.-Nr. 156280 zu finden.

Infos rund um Existenzgründung gibt es bei den Gründungsberaterinnen und -beratern
der IHK und unter www.ihk-koeln.de/Existenzgruendung.

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