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Melanie Schwartz, Geschäftsführerin der Brauerei zur Malzmühle Schwartz GmbH & Co. KG in Köln Foto: Peter Boettcher
Porträt

Groß, blond, klare Kante

Text: Werner Grosch

Es gibt ja so Fragen, die mag man gar nicht mehr stellen, aber man kann sie auch nicht nicht stellen. Also: Frau Schwartz, wie war das, als Frau mit 27 Jahren quasi frisch von der Uni eine Kölner Traditionsbrauerei zu übernehmen? Groß, blond, eine auffällige Erscheinung inmitten der lauten, männergeprägten, alkoholgesättigten Atmosphäre eines Brauhauses?

Melanie Schwartz hat die Frage in den vergangenen knapp fünf Jahren sicher so oft gehört wie ein Gast in der „Malzmühle“ ein Kölsch umgekippt hat. Sie erträgt es und sagt: „Ich fand es lustig anfangs. Frau, 27, blond, kommt in einen Raum und erklärt den Männern, was Sache ist. Aber wenn die merken, dass ich weiß, wovon ich rede, ist das schnell erledigt.“ Ein zartes „meistens“ schiebt die Geschäftsführerin der Brauerei zur Malzmühle Schwartz GmbH & Co. KG noch nach, begleitet von einem leichten Achselzucken, das sagt: Und wenn nicht, dann eben nicht …

Dass sie weiß, wovon sie redet, bezweifelt indes niemand. Die Brauerei am Kölner Heumarkt, seit jetzt fünf Generationen im Besitz der Familie Schwartz, kennt sie seit Kindertagen. Ihr Vater führte die Malzmühle bis 2011. Gesundheitlich angeschlagen, zog er sich zurück, und Tochter Melanie übernahm das Unternehmen in einer sehr schwierigen Lage. „Wir waren ein Sanierungsfall“, sagt sie. Ohne Umschweife, wie alles andere auch. Bis heute leitet die Betriebswirtin die Brauerei gemeinsam mit dem Unternehmensberater Michael Rosenbaum, der zu Krisenzeiten 2009 als "Interimsgeschäftsführer“ eingestiegen war.

Ein langes Interim, weil es sich bewährt hat. Das vor über 150 Jahren gegründete Unternehmen hat heute nicht nur ein zweites Standbein, sondern noch ein drittes. Und ein viertes und ein fünftes. Aus ehemaliger Lagerfläche und Mitarbeiterwohnungen entstand ein Hotel mit 37 Zimmern. Neben dem altehrwürdigen Brauhaus ist der „Höhnerstall“ als Eventlocation eröffnet worden. Außerdem gibt es eine Cocktaillounge namens „MühlenBar“. Und mit dem alten Rathaus in Pulheim hat die Brauerei ein historisches Gebäude zu einem Anziehungspunkt gemacht, den die Bewohner der Stadt lange vermisst haben.

Eine Menge Projekte also innerhalb weniger Jahre. „Wir haben das ganze Unternehmen auf links gedreht und auch den Großteil der Führung ausgetauscht“, sagt Melanie Schwartz. Und nicht nur das: Die Zahl der Mitarbeiter verdoppelte sich innerhalb kurzer Zeit auf heute 140. Von der Tradition alleine könnte die Malzmühle heute wohl nicht mehr leben. „Man hat sich zu lange darauf ausgeruht“, meint die heutige Chefin. Klare Kante – so hat sich Melanie Schwartz Respekt verschafft, nicht zuletzt in der Kölner Stadtgesellschaft, in der sich etablieren muss, wer eine Kölsch-Brauerei führen will. „Ich kannte anfangs nicht viele, das war das größere Problem als mein Alter oder die Tatsache, dass ich eine Frau bin“, erzählt sie.

Natürlich hatte sich Melanie Schwartz ihre Laufbahn etwas anders vorgestellt. Noch während des Studiums hat sie viel Zeit dem Reiten gewidmet, war „jeden Tag im Stall und auf 20 bis 30 Turnieren im Jahr“. Und nach dem Abschluss, sagt sie, wäre es ja „normal gewesen, erst mal in ein anderes Unternehmen zu gehen und zu lernen, wie da gearbeitet wird“. Vielleicht macht das nun ihre jüngere Schwester so, die demnächst ihr Brauingenieur-Studium abschließen wird.

Womöglich bringt die Schwester ja auch noch ein paar Getränke-Ideen mit. Natürlich bleibt das reine Mühlen Kölsch, das vielen Kölnern als eines der besten auf dem Markt gilt, das Kerngeschäft. Aber auch die Braukunst ist eine Tradition, die von Entwicklung lebt. „Unser Braumeister war einer der ersten Bier-Sommeliers in Köln“, erzählt die Chefin. Und deshalb entstehen heute auch so besondere Spezialitäten wie das „Von Mühlen“, ein Gourmet-Bier auf Champagnerbasis. Ein Nischenprodukt, das es auch bleiben soll: „Davon stellen wir immer zum Jahresende 8.000 Flaschen her. Das ist eine schöne Alternative zum Beispiel zum Begrüßungssekt auf Empfängen.“ Rein mengenmäßig ist das aber nichts gegen den Ausstoß an Kölsch. Davon braut die Malzmühle schließlich jedes Jahr etwa 45.000 Hektoliter. Macht 22,5 Millionen Gläser.

MÜHLEN KÖLSCH

Die Malzmühle ist die zweitälteste heute noch bestehende Brauerei Kölns. Gebraut wird immer noch mitten in der Kölner Altstadt am Heumarkt, wo 1858 das Brauhaus eröffnet wurde. International berühmt wurde die Malzmühle im Jahr 1999, als der damalige US-Präsident Bill Clinton das Brauhaus besuchte – und immerhin zwei Kölsch trank.

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