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"Nahezu die gesamte Region befindet sich in Ausbau- und Förderprojekten", sagt Dieter Schiefer, Leiter Informations- und Kommunikationstechnik bei der IHK. Foto: Nadine Preiß
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Gigabitausbau in der IHK-Region: „Wir bleiben dran!“

Die Corona-Pandemie befeuert die Digitalisierung. Schnelles Internet wird für Unternehmen immer wichtiger. Die IHK Köln engagiert sich deswegen für einen zügigen Breitbandausbau – auch auf dem Land.

Text: Patrick Schröder

Bei einem Kölner Softwarehersteller steht ein Teammeeting auf dem Programm. Pünktlich um 15 Uhr sind alle Teilnehmer*Innen anwesend. Allerdings nicht wie sonst im Büro, sondern in einem virtuellen Konferenzraum. Kein Einzelfall. 95 Prozent der Unternehmen sagen, die Digitalisierung habe im Zuge der Pandemie deutlich an Bedeutung gewonnen. Dies zeigt eine Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom. „Die digitale Transformation wird neben der Frage der Wettbewerbsfähigkeit an vielen Stellen auch zu einer hochwirksamen Krisenvorsorge“, bestätigt Dieter Schiefer, Leiter Informations- und Kommunikationstechnik bei der IHK Köln. Doch nicht überall läuft es rund. Viele Mitarbeiter*Innen im Homeoffice auf dem Land ächzen unter einer schlechten Internetverbindung. „Die Pandemie und das explosiv steigende Datenvolumen verstärken daher den Druck, den Breitbandausbau in der Fläche zu beschleunigen.“

Doch was bedeutet schnelles Internet? Maßeinheit sind Megabits pro Sekunde (Mbit/s). Als schlechte Versorgung gilt eine Übertragungsrate von unter 30 Mbit/s. Acht Bit entsprechen dabei einem Byte. Mit 30 Mbit/s lassen sich also pro Sekunde 3,75 Megabyte (MB) an Daten übertragen. In Zeiten von Streaming und Co. für Privathaushalte zu wenig, für zunehmend datengesteuerte Industrieunternehmen ein Grund, sich gegen einen Standort zu entscheiden. Wo nun die Grenze zum schnellen Internet liegt, ist nicht einheitlich definiert. Fest steht aber: Dank des Breitbandausbaus mit Glasfaseranschlüssen sind mittlerweile Übertragungen mit 1 Gbit/s kein Problem mehr. Mit dieser Gigabitversorgung, von der deutschlandweit laut Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur rund 59 Prozent der Haushalte profitieren, lassen sich pro Sekunde 125 MB übertragen.

Gigabitversorgung: Köln auf Platz eins der deutschen Städte

Köln zählt in Deutschland zu den Vorreitern in Sachen Gigabitversorgung. Laut IT Branchenverband BITKOM hat die Stadt die mit Abstand beste IT- und Kommunikationsinfrastruktur der 81 Großstädte. 88,4% der Haushalte haben Zugang zum Gigabit-Internet, so das Kompetenzzentrum Gigabit.NRW. Bis 2025 sollen es 100% sein. Zwar benötigen heutzutage die wenigsten Nutzer tatsächlich Bandbreiten von 1.000 MBit/s an aufwärts. „Doch es ist wichtig, rechtzeitig die Weichen für die Zukunft zu stellen, in der das Datenvolumen rasant ansteigen wird – in der Industrie unter anderem getrieben durch Cloud-Technologien, Homeoffice sowie Bewegtbildinhalte“, betont Thomas Rossbach, Breitbandkoordinator der Stadt Köln. Die Ziellinie für ein flächendeckendes Gigabitnetz, realisiert durch eine Kombination von Glasfaser und 5G, sei bereits in Sicht. „Durch Nutzung eines Bundesförderprogramms erhalten 1.324 Adressen nun Glasfaseranschlüsse, darunter sechs Schulen, 195 Unternehmen und vier kleine Gewerbegebiete. Für die restlichen 15.000 Adressen, die noch nicht ans Gigabitnetz angeschlossen sind, hoffen wir auf einen baldigen Start der angekündigten Förderung des Bundes.“

Köln zählt in Deutschland zu den Vorreitern in Sachen Gigabitversorgung.
Foto: Nadine Preiß

Besserer Infrastrukturausbau auch in ländlichen Regionen

Noch nicht überall in der Region der IHK Köln ist die Versorgungsqualität so hoch wie in der Domstadt. In einigen Regionen ist die Anbindung an ein Hochleistungsnetz basierend auf Glasfasern erst im Gange. „Jede Fläche ist von den Anforderungen hochindividuell und in unterschiedlicher Projektphase – vom Spatentisch bis zur Vermarktung. Mittlerweile befindet sich aber nahezu die gesamte IHK-Region in Ausbau- und Förderprojekten“, so Dieter Schiefer.

Gigabitkoordinator für den Oberbergischen Kreis ist Stefan Syrek bei der Wirtschaftsförderung Oberberg. „Der Oberbergische Kreis beschäftigt sich seit 2008 mit dem Breitbandausbau. Ab 2014 haben wir unsere Bemühungen weiter intensiviert und uns auf zentrale Lagen in den einzelnen Kommunen konzentriert. Jetzt gehen wir weiter in die Fläche, um auch weniger besiedelte Gebiete jenseits der zentralen Lagen mit Gigabit-Internet zu versorgen.“ Das sei eine Herausforderung. „Breitband im Oberbergischen zu verlegen ist schwer. Große Strecken sind zurückzulegen und die Bodenverhältnisse mit teilweise felsiger Beschaffenheit verlangen dem Tiefbau viel ab. Was natürlich auch die Kosten enorm in die Höhe treibt. Der Aufwand für die, im Vergleich etwa zu großen Städten, wenigen Anschlüsse ist groß.“ Die ITK-Unternehmen, die den Ausbau der Kommunikationsnetze verantworten, konzentrierten die wenigen Tiefbaukapazitäten am Markt daher vorrangig auf dicht besiedelte Gebiete. Hier stehen Aufwand und Ertrag in einem anderen Verhältnis.

Die Hoffnung, den flächendeckenden Glasfaserausbau auch in ländlichen Regionen zu beschleunigen, bietet das Förderprogramm „Graue Flecken“. Im Laufe des Jahres 2021 wollen der Bund und das Land NRW die Kommunen und Kreise bei der Anbindung von Regionen mit einer Versorgungsqualität von unter 100 Mbit/s unterstützen. Ab 2023 dann sogar ohne diese Aufgreifschwelle zur flächendeckenden Versorgung ausschließlich mit Glasfaser. In der Vergangenheit profitierten lediglich Unternehmen und Haushalte mit einer Versorgung von unter 30 Mbit/s von Förderungen – im Rahmen des Programms „Weiße Flecken“. „Somit ist ein weiterer Schub im Infrastrukturausbau zu erwarten“, sagt Syrek. „Wir bleiben dran!“

Kommunikationsnetze für die Zukunft in Köln

Montag, 14.06.21, 16:00-18:00 Uhr

Die Kölner Wissenschaftsrunde lädt gemeinsam mit der IHK Köln zu den Kölner Themenwochen und der Veranstaltung „Kommunikationsnetze für die Zukunft in Köln“ ein. Gigabit.NRW zeigt die Relevanz eines Hochleistungsnetzes für Standorte. Daneben gibt es Infos über den „Gigabit Masterplan Cologne 2025“ sowie einen Einblick in den ländlichen Infrastrukturausbau am Beispiel des Oberbergischen Kreises.

Mehr dazu unter www.ihk-koeln.de/252101.

Infos zur Internetversorgung auf www.ihk-koeln.de/75263.

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