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Schon Auszubildende nehmen bei Bayer regelmäßig an Infotagen und Workshops zu Gesundheitsthemen teil. Foto: Bayer AG
Leben

Gesundheit! Danke!

Ein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) zahlt sich aus – nicht nur beim Krankenstand, sondern auch bei der Mitarbeiterfindung und -bindung. Auch kleine Unternehmen können einiges tun. Und wer ganz strategisch vorgeht, der setzt schon beim Nachwuchs an.

Text: Werner Grosch

Mitarbeiter nehmen an mehrwöchigen Ernährungs- und Bewegungskursen teil. Sie besuchen Seminare für Stressmanagement und zur Raucherentwöhnung. In einem Schrittzählerwettbewerb laufen sie eine Strecke, die zusammengerechnet vom Bergischen Land bis nach Rom reicht. Na klar, so etwas können größere Unternehmen organisieren. Für das „Betriebliche Gesundheitsmanagement“ gibt es da meist eigene Beauftragte, manchmal ganze Abteilungen. Und in Zeiten des Fachkräftemangels ist das auch noch ein Pfund, mit dem sie wuchern können im Wettkampf um Arbeitskräfte.

Aber auch kleinere Unternehmen können viel für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun. Vor allem, wenn sie sich zusammenschließen. All die eingangs genannten Maßnahmen hat beispielsweise der Gewerbe- und Industrieverein Waldbröl (GIV) auf die Beine gestellt. Den Verein haben Unternehmen vor zwölf Jahren gegründet, um das Städtchen im Bergischen attraktiver zu machen – für die Einwohner, für Touristen und nicht zuletzt für die dringend benötigten Fachkräfte. Vor vier Jahren schließlich bildeten 15 Unternehmen aus dem GIV eine Betriebsnachbarschaft und nahmen damit an dem Projekt „Gesunder Mittelstand Deutschland“ (GeMit) teil, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Rahmen der Initiative „Neue Qualität der Arbeit“ gefördert wurde.

Vier- bis sechs-mal im Jahr treffen sich seither Vertreter der beteiligten Unternehmen, um gemeinsame Maßnahmen zu organisieren – vom Anti-Stress-Kurs bis zum Schrittzählerwettbewerb. Rund 400 Beschäftigte profitieren davon. Zwei Jahre nach dem Start der Zusammenarbeit erhielt die GIV den Gesundheitspreis, den die AOK Rheinland/Hamburg und ihr Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) regelmäßig verleihen. Für Institutsleiter Andreas Schmidt ist die Auszeichnung wohlverdient: „Dass die Betriebsnachbarschaft Waldbröl ein voller Erfolg ist, erkennt man nicht zuletzt daran, dass sich mittlerweile schon fünf weitere Gewerbegebiete als Betriebsnachbarschaft für die Gesundheit der Mitarbeiter engagieren“, sagte er bei der Preisverleihung.

Studien belegen: Angebote des betrieblichen Gesundheitsmanagements zahlen Mitarbeiter mit Leistung und Motivation zurück. „Außerdem ist ein gutes BGM-Angebot längst auch ein wichtiges Merkmal eines attraktiven Arbeitgebers“, sagt Alexander Hoeckle, Geschäftsführer International und Unternehmensförderung der IHK Köln. Timo Knauthe, der das Thema bei der IHK Köln betreut, weist darauf hin, dass es auch einige Fördermöglichkeiten und Steuervorteile für Unternehmen gibt, die gezielte BGM-Maßnahmen ergreifen (siehe Kasten).

Oft setzen solche Maßnahmen da an, wo schon über längere Zeit erhebliche Belastungen bestanden. Die Bayer AG geht da noch andere Wege: „Uns ist es wichtig, schon bei jungen Menschen ein Bewusstsein für eine gesunde Lebensführung zu schaffen, denn dies hilft, gesundheitlichen Problemen im weiteren Verlauf des Berufslebens vorzubeugen“, sagt Dr. Dirk Pfenning, der im Bereich Human Resources Deutschland der Bayer AG zuständig für das BGM ist.

Für sein Konzept der Gesundheitstage unter dem Titel „Azu-Be Fit“ hat Bayer vom BKK Dachverband e.V. im vergangenen Jahr einen Sonderpreis als besonders innovative Leistung erhalten. Das Programm für alle rund 1.200 Bayer-Azubis in ganz Deutschland startet im ersten Ausbildungsjahr mit dem Thema „Bewegung und Ernährung“, im zweiten liegt der Schwerpunkt auf „Prüfungsvorbereitung und Stress“ und im letzten Jahr besonders auf neuen Suchtformen wie Körperkult und digitale Medien. Alle Thementage beinhalten Fachvorträge, Gruppen- und Einzelarbeiten, Rollenspiele und Praxisübungen.

Wer ein derart systematisches BGM in seinem Unternehmen einrichten möchte, der kann auf externe Beratung zurückgreifen oder auch die Expertise ins eigene Haus holen. Dazu bietet die IHK Köln den Zertifikatslehrgang zum Betrieblichen Gesundheitsmanager an (siehe Kasten).

Gesundheitsmanager mit IHK-Zertifikat

Im Zertifikatslehrgang zum/zur Betriebliche/-n Gesundheitsmanager/-in
lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, mit welchen Werkzeugen sie
die Situation in Unternehmen richtig analysieren können, wie sie daraus
gezielte Maßnahmen ableiten, wie sie die Entscheidungsträger einbinden
und die Mitarbeiter davon überzeugen können. Eine Evaluation im Sinne
einer fundierten Kosten/Nutzenanalyse sichert dabei die Nachhaltigkeit der
BGM-Projekte. Der nächste Lehrgang findet vom 4. Dezember 2018 bis
29. Januar 2019 statt und kostet 990 Euro.

www.ihk-koeln.de/136646

Förderung und Steuervorteile durch BGM

Bis zu 500 Euro pro Jahr und Mitarbeiter kann ein Unternehmen lohnsteuerfrei in Gesundheitsmaßnahmen investieren. Sie müssen bestimmten gesetzlichen Anforderungen genügen, können aber eine Reihe von Themen abdecken. Dazu gehören unter anderem Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung oder auch Suchtprävention.

Kleinere und mittlere Unternehmen können darüber hinaus Fördermittel aus zwei Programmen in Anspruch nehmen, die Zuschüsse zu Beratungsleistungen bieten. Wenn sie mehr als zehn und weniger als 250 Beschäftigte haben, bietet sich die „Potenzialberatung“ an, die neben Themen wie Arbeitsorganisation und Digitalisierung auch für Gesundheits-Projekte gedacht ist. Noch kleinere Unternehmen können das Programm „unternehmensWert:Mensch“ nutzen.

Weitere Infos: www.ihk-koeln.de/1262

Medizintechnik-Atlas

Zusammen mit dem Gesundheitsregion KölnBonn e.V., der HRCB Projekt GmbH und der IHK Bonn/Rhein-Sieg möchte die IHK Köln die Medizintechnikunternehmen Der Region stärker vernetzen und deren Produkte und Dienstleitungen präsentieren. Mit dem Projekt „Kompetenzplattform Medizintechnik in der Gesundheitsregion Köln/Bonn“ wird dazu unterwww.medtech-rhineland.de  eine Online-Plattform aufgebaut.

Darauf basierend wird ein englischsprachiger Medizintechnik-Atlas erstellt, der auf nationalen und internationalen Kongressen und Messen ausgelegt und über die Auslandshandelskammern verteilt wird. Medizintechnikunternehmen Der Region sind eingeladen, sich durch die kostenlose Registrierung auf der oben genannten Website und die Eingabe der Unternehmensdaten bis Ende September an diesem Projekt zu beteiligen.

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