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Linlin Jung, ausgebildet in China im Bereich Internationale Buchführung, arbeitet nach einer IT-Zusatzqualifizierung als Kauffrau für Büromanagement bei der CRB Antriebstechnik. Foto: Peter Boettcher
Porträt

Gelernt ist gelernt

Wer im Ausland eine Berufsqualifikation erworben hat, kann diesen Abschluss anerkennen lassen. Der Abschluss wird dabei auf Gleichwertigkeit mit deutschen Abschlüssen überprüft. Das entsprechende Gesetz ist vor fünf Jahren in Kraft getreten. Für Unternehmen, die Personal suchen, verbessern Anerkennungsbescheide die Transparenz und erleichtern ihnen die Einschätzung der Bewerberqualifikation.

Text: Katharina Hamacher

Technische Unterstützung im Medienbereich, IT-Systeme konfigurieren, Software installieren, Nutzerkonten und Zugriffsrechte verwalten sowie automatische Backups einrichten: Im Medienzentrum der Fakultät für Angewandte Sozial­wissenschaften der TH Köln hat Mohsen Heidarian jede Menge zu tun. Seit März 2013 unterstützt der 47-Jährige das Team des Medienzentrums bei allen anfallenden IT-Aufgaben. Erfahrung in diesem Bereich hat er reichlich. Bereits vor dem Abschluss seiner Ausbildung zum Hardware- und Netzwerktechniker im Iran hat Heidarian 15 Jahre lang als Netzwerkadministrator und PC-Techniker im öffentlichen Dienst gearbeitet.

Nachqualifizierungen gleichen Defizite aus

Nach seiner Ankunft in Deutschland vor acht Jahren war er in den IT-Abteilungen bei Ford und dem TÜV Rheinland tätig, bevor er an der TH Köln anfing. Sein Vertrag als Arbeitsassistent wurde aufgrund der sehr guten Einarbeitung und der hohen Leistungsbereitschaft nach zwei Jahren entfristet. Aber dass Mohsen Heidarian nun auch noch höhergruppiert in seinem gelernten Beruf als Fachinformatiker Fachrichtung Systemintegration dort arbeitet, liegt nicht etwa an einer Fort- oder Weiterbildung, sondern an der offiziellen Anerkennung seiner beruflichen Qualifikation durch die IHK FOSA. Mohsen Heidarian gehört zu rund 1.300 Menschen, die in den vergangenen fünf Jahren in der IHK Köln persönlich beraten worden sind.

Mohsen Heidarian, ausgebildet im Iran als Hardware- und Netzwerktechniker, ist als Fachinformatiker der Fachrichtung Systemtechnik bei der TH Köln beschäftigt.
Foto: Peter Boettcher

Rechtsanspruch auf Berufsanerkennung

Am 1. April 2012 ist das „Gesetz für die Verbes­serung der Bewertung und Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen“ in Kraft getreten. Wer im Ausland eine Berufsqualifikation erworben hat, hat seitdem einen Rechtsanspruch darauf, dass dieser Abschluss auf Gleichwertigkeit mit einem deutschen Abschluss überprüft wird. Wenn keine wesentlichen Unterschiede festgestellt werden, erhält der Antragsteller eine volle Gleichwertigkeit. An­sonsten können die fehlenden Qualifikationen durch eine Nach- oder Anpassungsqualifizierung ausgeglichen werden.

„Für viele Menschen bedeutet die formale Anerkennung eine Wertschätzung ihrer im Heimatland erworbenen Qualifikation“, sagt Danuta Fuchs, Anerkennungsberaterin bei der IHK Köln. Zugleich eröffnet der Anerkennungsbescheid einen Zugang zum Arbeitsmarkt. Potenzielle Arbeitgeber können die fachliche Qualifikation besser einschätzen, und auch bei der Bezahlung  – wie im Fall von Mohsen Heidarian – kann der Anerkennungsbescheid eine große Rolle spielen. So können aus Hilfskräften Facharbeiter werden.

„Aus meiner Sicht bietet das Anerkennungsgesetz die beste Möglichkeit, die im Ausland erworbene Qualifikation hier in Deutschland gleichwertig und auch für den Arbeitgeber gewinnbringend einzubringen“, betont der Fachinformatiker. Leicht war der Weg dorthin jedoch nicht. Die bürokratische Abwicklung, etwa die Erläuterungen der Praxis­inhalte im Rahmen seiner Ausbildung im Iran, habe mitunter eine Herausforderung dargestellt. „Dabei haben mir die Anerkennungsberatung, meine Arbeitskollegen und insbesondere meine Frau, die mich immer wieder seelisch motiviert und aufgebaut haben, sehr geholfen“, sagt Heidarian rückblickend.

Schritt für Schritt zur Anerkennung

Leicht war das bürokratische Prozedere auch für Linlin Jung nicht. Die 44-Jährige hat bei der IHK FOSA, der zuständigen Zentralstelle in Nürnberg, einen Antrag auf Anerkennung ihres 1995 in China erworbenen Berufsabschlusses im Bereich Inter­nationale Buchführung gestellt. Vor einem Jahr erhielt sie den Bescheid über eine teilweise Gleich­wertigkeit mit dem deutschen Referenz­beruf Kauffrau für Büromanagement. „Als wesent­licher Unterschied war die Informationsverarbeitung im Bescheid aufgeführt“, erinnert sich Marketta Rosentreter, die im Rahmen des vom Bund und der EU geförderten IQ-Teilprojektes „Anpassungs- und Nachqualifizierungen in den Berufen des dualen Systems“ für Linlin Jung nach geeigneten Qualifizierungsmaßnahmen bei verschiedenen externen Weiterbildungsanbietern recherchierte.

Nach erfolgreich abgeschlossener Qualifizierung, deren Kosten das Jobcenter übernommen hat, wurde schließlich im Dezember der Folgeantrag auf Anerkennung bewilligt. Kurz darauf fand Linlin Jung eine Anstellung als Sachbearbeiterin bei der CRB Antriebstechnik GmbH in Leverkusen. „Die Beratung bei der IHK Köln hat mir einen Weg gezeigt, wie ich mich beruflich qualifizieren kann“, sagt die 44-Jährige. Dieses Ziel verfolgt sie auch weiterhin – in drei Jahren möchte sie ihre Aufstiegsfortbildungsprüfung erfolgreich abschließen.

Deutsche Sprachkenntnisse spielen für die Anerkennung in der Regel keine Rolle

Im kaufmännischen Bereich werden ausländische Berufsqualifikationen bislang am häufigsten als gleichwertig mit den deutschen Referenzberufen Kauffrau/-mann für Büromanagement sowie Ein­zel­­handelskaufleute anerkannt. Bei den ge­­werblich-technischen Berufen sind die Sparten Metallbau und Elektrotechnik besonders stark vertreten.

Mit Blick auf die Herkunftsländer der Arbeitskräfte, die sich mit Hilfe der IHK Köln um eine Anerkennung bemühen, steht Polen auf Platz eins, gefolgt von der Türkei und Russland. Auf Platz vier folgt seit kurzem Syrien. Die deutsche Sprache ist für die meisten Anerkennung Suchenden die größte Herausforderung, haben die Beraterinnen beobachtet – auch wenn Sprachkenntnisse für die Anerkennung in der Regel keine Rolle spielen. Bei der Bewerbung auf dem Arbeitsmarkt hingegen seien gute Sprachkenntnisse genauso wichtig wie eine fachliche Qualifizierung.

Das hat auch Mohammed Sawan erkannt. Der junge Syrer hat gerade ganz frisch seinen Bescheid über die Anerkennung seines Berufsabschlusses als Koch erhalten. Nachdem der 26-Jährige im September 2015 nach Deutschland gekommen ist, hat er ein Praktikum in einem Hotel absolviert und ist aktuell auf Jobsuche. „Zurzeit lerne ich die deutsche Sprache und wünsche mir, einen Beruf im Rahmen meiner Ausbildung zu finden“, sagt Sawan. „Ich würde gerne bei einem Arbeitgeber arbeiten, der meine Arbeit und Mühe wertschätzt.“

Mohammed Sawan hat in Syrien Koch gelernt. Der Abschluss wurde in Deutschland anerkannt - nun sucht er einen Job.
Foto: Peter Boettcher

Weitere Informationen und Ansprechpartner rund um das Thema „Anerkennung ausländischer Be­­rufsqualifikationen“ sind auf www.ihk-koeln.de, Dok.-Nr. 400 zu finden.

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