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Nils Sonnenfroh, Sebastian Garcia Dennemark und Tom Bockhorn (v.l.n.r.) automatisieren Büroarbeiten. Finanziert wurde die Gründung von Audoora über die Beteiligung eines Business Angels. Foto: Peter Boettcher
Leben

Geld gesucht

Eine Idee mag noch so gut sein: Fehlt Kapital, kann ein Start-up schnell scheitern. Doch der Markt ist unübersichtlich. Ein neuer Investoren- Guide von IHK Köln und KoelnBusiness soll mehr Transparenz schaffen.

Text: Eli Hamacher

Hybrid Core, Kubernetes, IaaS und PaaS der nächsten Generation – wer Website und Pressemitteilungen des Cloud-Computing-Spezialisten gridscale GmbH liest, merkt schnell: Was das Kölner Tech-Start-up anbietet, ist erklärungsbedürftig. „Je komplizierter das Geschäftsmodell ist, desto schwieriger ist es auch, Kapitalgeber zu finden“, sagt Geschäftsführer Henrik Hasenkamp. Dennoch hat das 2014 gegründete Unternehmen erfolgreich zwei millionenschwere Finanzierungsrunden abgeschlossen. Nach dem High-Tech Gründerfonds und dem Bergisch Land – Südwestfalen Seed- und Wachstumsfonds (blsw) beteiligten sich in der „Series A“ genannten Finanzierungsphase des Roll-out auch die EnBW New Ventures und die Endeit Capital mit insgesamt sieben Millionen Euro. „Mit dem Geld wollen wir die Technologie weiterentwickeln und neue Märkte erschließen“, sagt CEO Hasenkamp. Bei der Suche nach Finanzgebenden hat der Gründer vor allem eins gelernt: „Die Investierenden müssen zum Unternehmen passen. Wer das meiste Geld geben würde, muss nicht der Beste sein.“ gridscale habe auch schon potenzielle Geldgeber*innen ausgeschlagen.

Digitaler Wegweiser

Wie aber finden Start-ups und Investierende zueinander in einem Markt, an dem sich Business Angels, Venture-Capital-Fonds und immer mehr Banken, Konzerne und Unternehmen aus dem Mittelstand tummeln, die sich an jungen Unternehmen beteiligen wollen? Die KölnBusiness Wirtschaftsförderung, die IHK Köln und der Kölner Hochschulverbund „Fit for Invest“ wollen deshalb einen digitalen Wegweiser – Arbeitstitel: Cologne Investors Guide – herausgeben. Gründende finden darin detaillierte Informationen über Kapitalgebende: Welche Phasen der Gründung finanzieren sie: Pre-Seed, Seed, Series A, Series B? Wo liegt ihr Branchenfokus? Welche Unternehmen haben sie bereits im Portfolio?
„Wir haben festgestellt, dass vielen Start-ups der Marktüberblick fehlt“, sagt Oscar Escalante von der KölnBusiness Start-up Unit. Das treffe ganz besonders auch auf internationale Start-ups zu, die in Köln Fuß fassen wollen. „So schaffen wir Transparenz.“ Für Mathias Härchen, Leiter der Unternehmensförderung der IHK Köln, steht fest: „Mit dem Überblick erleichtern wir den Zugang zum Risikokapital. Das ist ein wichtiger strategischer Vorteil für Start-ups, die dadurch zielgerichteter auf passende Investitionswillige zugehen können.“

Henrik Hasenkamp von gridscale hat aus seinen Finanzierungsrunden auch mitgenommen: „Man sollte nur so viel Kapital einsammeln, wie man wirklich braucht. Schließlich werden die Anteile der Bestandsgesellschafter verwässert, was nicht jedem gefällt.“ Wichtig sei es zudem, potenzielle Fondspartner kennenzulernen und dafür auch in seinem Netzwerk zu recherchieren, wie andere Start-ups den Fonds bewerten. „Das ist wie eine Ehe auf Zeit.“ Für die zweite Finanzierungsrunde schaltete Hasenkamp eine auf Technologie- und Wachstumsunternehmen spezialisierte Investmentbank ein. Sie habe den zeitaufwändigen Prozess strukturiert und die Kommunikation übernommen. „Damit haben wir uns im operativen Geschäft extrem viel Luft verschafft.“

Henrik Hasenkamp (links), CEO der gridscale GmbH, hat bereits erfolgreich zwei millionenschwere Finanzierungsrunden abgeschlossen. Kapital kam dabei auch von Holger Wagner, Senior Investment Manager bei EnBW New Ventures.
Foto: Peter Boettcher

Dass es manchmal ganz anders kommt als geplant, musste Sebastian Garcia Dennemark feststellen. Im Herbst gründete er in Köln die Audoora GmbH, die Büroarbeiten für Handwerksbetriebe mit Industrie-4.0-Technologien automatisiert. Beim Accelerator-Programm des Köln-Düsseldorfer Start-up-Inkubators STARTPLATZ hatte er sich für die Investorensuche fit gemacht, Unterlagen zusammengestellt und mit Coaches das Procedere einstudiert. Ihre Präsentation verschickten die Kölner an Mitglieder des Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND) und an Venture-Capital-Fonds, die sich auf die Frühphasenfinanzierung (Pre-Seed) konzentrieren. Zudem nutzte Dennemark die Plattform AddedVal.io, die kostenlos Start-ups und Business Angels zusammenbringt. 15 qualifizierte Kontakte habe man so gesammelt, sagt der Gründer. Und dann kam alles anders: Ein Business Angel hatte im Netz nach Start-ups recherchiert, war auf Audoora gestoßen und meldete sich von sich aus. Zügig stand der Vertrag. Drei Voraussetzungen sollten erfüllt sein, findet Dennemark. „Ganz wichtig ist, dass die Chemie stimmt.“ Außerdem müsse das Netzwerk des Investierenden für die eigene Branche einen Mehrwert bringen und die Finanzkraft müsse da sein. Wie bei Audooras erstem Investor. Mit dem sechsstelligen Betrag haben die Gründer jetzt genug Kapital, um ihre Technologie weiterentwickeln zu können und den Markteintritt voranzutreiben.

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