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Daniel Wolter mit seinen Mitarbeiterinnen Eveline Fahl (l.) und Ulrike Wittig Foto: Astrid Piethan
Service

Geld fürs Qualifizieren

Mit dem Bildungsförderprogramm „WeGebAU“ unterstützt die Bundesagentur für Arbeit Unternehmen bei der Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die gute Nachricht: Der Fördertopf ist voll, Arbeitsagentur und IHK ermuntern Firmen ausdrücklich, Mittel zu beantragen.

Text: Lothar Schmitz

Zahlreiche Kleinbetriebe und Institutionen stehen vor derselben Herausforderung: Sie möchten und müssen ihre wenigen Beschäftigten qualifizieren, weil neue Aufgaben auf sie zukommen, die Anforderungen steigen oder sich Geschäftsprozesse etwa im Zuge der zunehmenden Digitalisierung stark verändern. Aber: „Längere Weiterbildungsmaßnahmen lassen sich meist nur schwer mit dem Arbeitsalltag vereinbaren“, sagt Daniel Wolter stellvertretend für viele.

Wolter ist Geschäftsführer des DBH e.V. – Fachverband für Soziale Arbeit, Strafrecht und Kriminalpolitik in Köln. Der DBH vertritt die Interessen von Angehörigen der sozialen Dienste der Justiz und der nichtstaatlichen Straffälligenhilfe, fördert deren Kooperation und agiert selbst als Weiterbildungsanbieter. Mit der Vielzahl an Aufgaben sind Wolter und die anderen acht Beschäftigten voll ausgelastet – so wie es auch in den vielen zehntausend Kleinunternehmen, die Mitglieder der IHK Köln sind, der Fall ist.

„Dennoch können wir auf Weiterbildung nicht verzichten“, betont Wolter. Mal geht es darum, in kurzen Seminaren und Workshops fachspezifisches Wissen aufzufrischen und zu erweitern, mal lassen sich auch längere Qualifizierungsmaßnahmen nicht vermeiden. Wie im Fall von Ulrike Wittig und Evi Fahl. Weil der DBH sich europaweit neue Zielgruppen, Formate und Einnahmequellen erschließen möchte, vereinbarte Wolter mit den beiden Angestellten eine Weiterbildung zu „EU-Fundraisern“. Sie entschieden sich für den Berliner Anbieter emcra. Dauer der Maßnahme: vier Monate, davon mehrere Präsenzphasen in Berlin. Kosten: fast 6.000 Euro pro Person.

„WeGebAU“: Volle Fördertöpfe für kleine, mittlere und große Betriebe

Das konnte der Fachverband nicht aus eigenen Mitteln stemmen. Was tun? Wolter stürzte sich nun seinerseits ins Fundraising – und stieß auf das Programm „WeGebAU“ der Bundesagentur für Arbeit. Dessen Name ist etwas umständlich – Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer/innen in Unternehmen –, doch es lohnt sich, sich näher damit zu befassen. „Wir empfehlen allen Unternehmen, die ihre Beschäftigte zusätzlich qualifizieren wollen, die Kriterien von ‚WeGebAU‘ zu prüfen und sich an ihre örtliche Agentur für Arbeit zu wenden“, betont Christopher Meier, Geschäftsführer der IHK Köln für Aus- und Weiterbildung. „Qualifizierung ist der Schlüssel zum Erfolg in Zeiten von Digitalisierung und Fachkräftemangel, und der Fördertopf ist voll!“

Das bestätigt Stefanie Pörschke von der Agentur für Arbeit Köln. „Wir ermuntern die Firmen ausdrücklich, sich zu melden“, sagt die Qualifizierungsberaterin im Arbeitgeber-Service, „die Mittel sind vorhanden.“

Kleinstunternehmen erhalten bis zu 100 Prozent der Weiterbildungskosten

„Mit Weiterbildung investieren die Betriebe in ihre Zukunft“, unterstreicht Pörschkes Kollege Christoph Pogge, „und vor allem kleinere Betriebe benötigen dabei Unterstützung.“ Deshalb bilden Firmen mit weniger als 250 Beschäftigten auch die Hauptzielgruppe von „WeGebAU“. Die Agentur für Arbeit fördert hier mit bis zu 75 Prozent alle berufsbezogenen technischen, gewerblichen und kaufmännischen Qualifizierungen, die mindestens 160 Unterrichtsstunden umfassen und von zertifizierten Bildungsanbietern durchgeführt werden.

Kleine Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten profitieren dabei besonders von „WeGebAU“: Für sie werden die Lehrgangskosten zu 100 Prozent übernommen. Überdies muss die betreffende Maßnahme nicht innerhalb der Arbeitszeit absolviert werden, auch Abend-, Wochenend- und Onlinekurse werden gefördert.

Unternehmen, die ungelernten Beschäftigten eine Bleibeperspektive bieten und somit Fachkräfte sichern wollen, können zudem „WeGebAU“-Förderung für den Erwerb von Berufsabschlüssen beantragen. „Wir fördern Maßnahmen, die zu einem anerkannten Berufsabschluss führen, etwa Umschulungen, berufsanschlussfähige Teilqualifikationen oder Vorbereitungslehrgänge zur sogenannten Externenprüfung“, erläutert Pogge. Dies gilt für kleine, mittlere und große Unternehmen.

Ulrike Wittig und Evi Fahl sind seit Februar 2018 geprüfte „EU-Fundraiserinnen“. Der Verband profitiert schon jetzt davon, denn in Abstimmung mit ihrem Chef planen sie derzeit ein neues europäisches Bildungsprojekt. „Sie werden das eigenständig entwickeln und durchführen“, betont Wolter, „inklusive der Gewinnung von Fördermitteln!“

Förderprogramm WeGebAU – Informationen und Beantragung

Bei der Agentur für Arbeit – Tel. 0800 4555520, www.arbeitsagentur.de – erfahren Firmen, welche Kriterien für die Förderung erfüllt sein müssen und wie sie die Mittel beantragen können. Der Anruf bei der bundesweit einheitlichen Nummer wird automatisch zum jeweiligen Arbeitgeber-Service am Unternehmensstandort weitergeleitet. Auf der Website gelangt man durch Eingabe der eigenen Postleitzahl zur zuständigen Arbeitsagentur.

Kölner Unternehmen: Agentur für Arbeit Köln
Firmen im Rhein-Erft-Kreis: Agentur für Arbeit Brühl
Firmen in Leverkusen sowie im Rheinisch-Bergischen und Oberbergischen Kreis: Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach

Qualifizierung von Beschäftigten – Informationen der IHK Köln zu weiteren Fördermöglichkeiten

  • Der Bildungsscheck NRW unterstützt seit 2006 das Weiterbildungsengagement und die Weiterbildungsnachfrage von Beschäftigten und kleinen sowie mittleren Betrieben. Ab 1. Mai wird der Förderrahmen erweitert.

  • Mit der Bildungsprämie beteiligt sich der Staat an den Kosten für die Weiterbildung von Angestellten und Selbstständigen mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von maximal 20.000 Euro.

  • Das Aufstiegs-BAföG ist eine alters- und einkommensunabhängige finanzielle Förderung für alle, die ihre Chance auf eine höhere Berufsbildung nutzen wollen. Es beteiligt sich teils als Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss, teils als zinsgünstiges Darlehen an den Kosten für Prüfungsvorbereitung und Prüfung.

  • Das bundesweite Programm unternehmensWert:Mensch unterstützt kleine Unternehmen dabei, eine zukunftsfähige und mitarbeiterorientierte Personalpolitik zu entwickeln. Hierzu werden Beratungen in vier Handlungsfeldern gefördert, darunter: Wissen und Kompetenz.

  • Fit in Ausbildung; Perspektive 4.0!“ ist eine neue Initiative zur Unterstützung von kleinen und mittleren Betrieben, Nachwuchsfachkräften, Ausbilderinnen und Ausbildern im Wandel der Arbeitswelt und insbesondere der Ausbildung im Zeitalter von Industrie 4.0 im IHK-Bezirk Köln. Unter anderem beraten die Projektmitarbeiter zu Strategien für die Digitalisierung in der Ausbildung. Außerdem gibt es Qualifizierungen für Ausbilderinnen und Ausbilder.

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