Stichwortsuche

Gloria Walter hat als Schülerin der Theodor-Heuss-Realschule das Pullman Hotel im Rahmen von KURS kennengelernt, jetzt ist sie dort Auszubildende zur Köchin. Foto: Matthias Oberheu
Leben

Fördern statt Jammern

Die IHK Köln unterstützt mit KURS und TuWaS! zwei Initiativen an der Schnittstelle zwischen Schule und Wirtschaft. Ziel ist, Unterricht praxisnah und lebendig zu gestalten, um so Interesse auch an weniger beliebten Fächern zu wecken.

Text: Werner Grosch

„Der Mangel an Fachkräften bedroht den Innovationsstandort Deutschland. Vor allem in den sogenannten MINT-Disziplinen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik ist es um Nachwuchs schlecht bestellt.“ Düster er als hier in einer Studie der Akademie der Technikwissenschaften von 2017 kann eine Diagnose wohl kaum ausfallen. Andere Untersuchungen zeichnen selten ein besseres Bild. „Nur in Indonesien und Dänemark wollen noch weniger Jugendliche eine naturwissenschaftliche Karriere einschlagen als in Deutschland“, heißt es in der jüngsten PISA-Studie zu diesem Schwerpunkt. Aber Jammern hilft nicht. ,Tu was!’ wäre ein gutes Motto. Ist ein gutes Motto – und nicht von ungefähr auch der Titel der Initiative Technik und Naturwissenschaften an Schulen, die mit Unterstützung von Unternehmen lebendigen, praxisnahen naturwissenschaftlichen Unterricht in die Schulen bringt.

Zugleich ist TuWaS! eine der beiden großen Kampagnen an der Schnittstelle zwischen Schule und Wirtschaft, die die IHK Köln aktiv unterstützt.

Gemeinsam mit der IHK Bonn/Rhein-Sieg hat die IHK Köln TuWaS! ins Rheinland geholt. Inzwischen fördern engagierte Unternehmen das Experimentiermaterial und die dazugehörigen Lehrerfortbildungen für 130 Schulen in der Region. „TuWaS! ist eine absolute Erfolgsgeschichte. Wenn man sieht, wie begeistert die Kinder mit dem Material arbeiten und wie zufrieden die Lehrerinnen und Lehrer damit sind, so praxis- und lebensnah unterrichten zu können, ist das eindrucksvoll“, sagt Christopher Meier, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der IHK Köln.

Träger von TuWaS! im Rheinland ist die Gesellschaft für berufliche Förderung in der Wirtschaft e.V., die wiederum bei der IHK Köln angesiedelt ist. Hier kümmert sich Iris Wirths um die Kooperationen zwischen Unternehmen und Schulen. Als Erfolgsrezept sieht sie das ausgereifte Konzept: „Erprobtes Lehrmaterial wird genutzt und in den Lehrplan eingebunden. Die Lehrkräfte werden im Umgang damit intensiv geschult, die Bezirksregierung als Schulbehörde ist eingebunden, und die Wirkung wird evaluiert.“

Mehr als 60 Unternehmen dabei

Kein Wunder also, dass aktuell mehr als 60 Unternehmen und Institutionen zu den Förderern gehören, die den Einsatz der Experimentiereinheiten ermöglichen – ob nun „Chemische Tests“, „Bewegung und Konstruktion“ oder eine der anderen neun Einheiten, die derzeit im Rheinland zur Verfügung stehen. Die Unternehmen setzen darauf, frühzeitig das Interesse an Naturwissenschaften zu wecken und damit den dringend benötigten Nachwuchs zu gewinnen. Die größten Unterstützer sind derzeit die INEOS Köln GmbH, die allein 34 Schulen im Rahmen von TuWaS! fördert, und die Bildungs-Stiftung der Kreissparkasse Köln mit 23 Schulen.

TuWaS! richtet sich an die Klassen 1 bis 6. Für ältere Schüler gedacht ist die Bildungsinitiative KURS – Kooperation Unternehmen der Region und Schulen, die von den IHKs der Region gemeinsam mit der Handwerkskammer zu Köln und der Bezirksregierung Köln getragen wird. Hier geht es ebenso um die praktische Bereicherung des Unterrichts, und mehr als das: Jugendliche erhalten die Chance, hinter die Kulissen von Unternehmen zu schauen und sich mit Praktikern über Inhalte auszutauschen, die sie in der Schule weitgehend theoretisch lernen.

Ein anschauliches Beispiel dafür bietet die Lernpartnerschaft der Kampf Schneid- und Wickeltechnik GmbH & Co. KG in Wiehl mit dem Gymnasium Nümbrecht. Ein Projektkurs der Jahrgangsstufe 11 erhielt dort im vergangenen Jahr die Aufgabe, mithilfe von Baukästen Alu-Schneidemaschinen selbst zu konstruieren. Abschließend wurden die Arbeiten der vier Teams von Experten des Unternehmens bewertet. Und dabei flossen nicht nur technische Fragen ein, sondern auch betriebswirtschaftliche Aspekte – eine Gelegenheit also, unternehmerisches Denken und Handeln hautnah kennenzulernen.

Und für einige sicher ein Anstoß, sich für einen Beruf in diesem Bereich und vielleicht sogar im Partnerunternehmen der Schule zu interessieren. So geschehen beim Pullman Hotel Köln, das durch die Partnerschaft mit der Theodor-Heuss-Realschule schon zwei Auszubildende gewinnen konnte. Das Hotel bietet unter anderem ein Knigge-Training für Schulabgänger mit Zertifikat für die Bewerbung an, und die Hauswirtschafts-Gruppen der Schule besichtigen regelmäßig das Hotel mit dem Schwerpunkt Küche und stellen dort Sorbet und anderes her.

Allein im Kammerbezirk der IHK Köln sind derzeit rund 70 Prozent der 203 weiterführenden Schulen bei KURS aktiv. Insgesamt erreichen die Programme KURS und TuWaS! in der Region also viele tausend Schüler. Wenn das weiter Schule macht, könnten die düsteren Diagnosen bei PISA und Co. vielleicht bald etwas freundlicher ausfallen.

Zu den größten Förderern von TuWaS! gehört die Bildungs-Stiftung der Kreissparkasse Köln. Hier der Vorstandsvorsitzende Alexander Wüerst (2.v.l.) mit Schülern der Bergisch-Gladbacher Schule „An der Strunde“ und IHK-Präsident Dr. Werner Görg (2.v.r.).
Foto: Aliki Monika Panousi

WEITERE THEMEN