Stichwortsuche

Leben

Feuer, Flammen, Farben

21,7 Millionen Gäste mit 48,7 Millionen Übernachtungen: Diese stolze Zahl kann der nordrhein-westfälische Tourismus für 2015 präsentieren. Über die Hälfte der Übernachtungsgäste sucht dabei das „ländliche NRW“ auf, um Natur, Wander- und Radwege zu genießen. Möglich ist das unter anderem in zwölf Naturparks, die in Nordrhein-Westfalen entscheidend zur Förderung des Tourismus, zur regionalen Entwicklung mit Erhalt von Arbeitsplätzen und zur Vermarktung lokaler Produkte beitragen. Zwei aus zwölf: Der Naturpark Rheinland und der Naturpark Bergisches Land.

Text: Bärbel Kramer

Natur in allen Facetten: Naturpark Rheinland

"Ganz toll finde ich den Aussichtsturm am Dächelsberg. Das ist ein vor 25 Millionen Jahren erloschener Vulkan. Vom Turm aus schaut man runter in die aufgeschnittene Kuppe, die bis vor 50 Jahren noch als ein Steinbruch diente. Jetzt ist da ein See“, schwärmt Diplom-Geograph Frank Scheer. Der stellvertretende Geschäftsführer des Zweckverbands Naturpark Rheinland in Bergheim weiß, was die Natur im Rhein-Erft-Kreis zu bieten hat:. „Mich beeindrucken die fünf- und sechseckigen Basaltsäulen an der Abbruchwand des Vulkans und das Naturschutzgebiet rund um den Berg mit seltenen Tieren wie dem Steinkauz und der Schlingnatter.“

Bodenschätze auf der Feuerroute

Der Dächelsberg ist eine von sechs Stationen der „Feuerroute“. Sie zieht sich durch die Vulkanlandschaft im Süden des Naturparks Rheinland, südwestlich von Bonn zwischen Rhein und Eifel. Das Orientierungszeichen ist die rote Flamme. „2015 haben wir die Feuerroute eröffnet, nachdem wir sie fast zwei Jahre mit vielen Kooperationspartnern sorgfältig vorbereitet haben. Es gibt eine Beschreibung mit Videos auf unserer Homepage. Unterwegs helfen Infoflyer, eine neue Wanderkarte, eine App und an den Stationen ausführliche Infotafeln weiter“, erläutert Frank Scheer. „Und wir haben an jeder Station Spender mit der jeweils für den Ort typischen Gesteinsart aufgestellt: Tuff, Basalt, Trachyt, Keramik, Eisenerz und Quarz-Stücke können in hölzernen Sammelkästen mit nach Hause genommen werden.“

Kirchen, Klöster, Wälder, Flüsse, Obstwiesen und Industriedenkmäler

Sechs Stationen, 33 Kilometer, in der Umgebung Sehenswertes: Kirchen und Klöster, Wäldchen und Flüsse, Obstwiesen, Industriedenkmäler. Los geht die Feuerroute in der Glasstadt Rheinbach. Mit Feuer kann man Glas formen und das Glasmuseum im Himmeroder Hof, in dem sich auch ein Naturparkzentrum befindet, zeigt die alten Techniken und moderne Glaskunst. Die Route führt weiter zum Tomberg und auf seine Burgruine mit Rundblick in das Drachenfelser Ländchen, zum Kottenforst und zum Siebengebirge auf der anderen Rheinseite.

Feuer und Flamme

Das kleine Örtchen Adendorf brennt - im wahrsten Wortsinne - regelmäßig für Besucher aus nah und fern: Auf dem Dorfplatz steht dann ein traditioneller Brennofen für Waren aus Ton. In die kleinen Öffnungen des Ofens wird zum Schluss des Brennvorgangs Salz gekippt. Aus den Salzlöchern schlagen Flammen, während im Ofen Krüge, Töpfe und vieles mehr ihre typische seidenmatte Glasur erhalten.

An der dritten Station „Wachtberg“ wandert man über drei Vulkane, darunter auch den Hohenberg mit dem berühmten Steinbruch, aus dem im 19. Jahrhundert „Trachytquader“ für den Weiterbau des Kölner Doms gebrochen wurden.
Die vierte Station ist dann der Dächelsberg. Der Rodderberg-Rundweg führt entlang eines Kraterrandes und beschließt die Route.

Kinderfreundliche Teilstrecken

Man kann sich die Feuerroute auch in einzelne Rundwege einteilen und sie nach und nach erkunden. Die sechs Rundwanderwege sind eine Ergänzung zur Hauptrunde. Sie starten jeweils an den genannten Stationen und sind zwischen drei und 12 km lang. „Außerdem befinden sich an den Hümerich-und Dächelsberg-Runden Infotafeln zu Kultur- und Landschaftsthemen entlang des Weges, die auch „kleinere“ Wanderer ansprechen. Das ist familienfreundlich“, ergänzt Frank Scheer augenzwinkernd.

Naturpark Rheinland im Profil

  • Gründung: 1959 wurde der Naturpark Kottenforst gegründet, 1965 der Erholungspark Ville. Sie schlossen sich 1978 zusammen und änderten 2005 ihren Namen in Naturpark Rheinland.
  • Verwaltung: Der Naturpark wird von einem öffentlich-rechtlichen Zweckverband verwaltet und betreut. Mitglieder sind die Stadt Köln, die Stadt Bonn, der Rhein-Erft-Kreis, der Rhein-Sieg-Kreis, der Kreis Euskirchen und die RWE Power AG.
  • Naturparkzentren als Informations- und Umweltbildungseinrichtungen: Der Naturpark Rheinland betreibt das oben beschriebene Naturparkzentrum „Himmeroder Hof“ in Rheinbach und das Naturparkzentrum Gymnicher Mühle in Erftstadt. Außerdem kooperiert der Naturpark mit dem Naturparkzentrum Friesheimer Busch in Erftstadt und dem Haus der Natur an der Bonner Waldau.
  • Freizeit- und Bildungsmöglichkeiten im Naturpark Rheinland: Von Artenvielfalt und Schloss Augustusburg bis hin zu Wassersport. Schlösser, Gärten, Parkanlagen, Landschaften, historische Ortsansichten, Wassermühlen, Industrie- und Sozialgeschichte, Rad- und Wanderwege, Wassersport, regionale Küche, Hofläden, Grillhütten … 

Bunte Kirchen im Bergischen: Naturpark Bergisches Land

Außen schlicht weiß und innen farbenfroh gestaltet sind die Dorfkirchen der fünf oberbergischen Gemeinden Lieberhausen, Marienberghausen, Marienhagen, Müllenbach und Wiedenest. „Diese 'bonten Kerken' sind ein lebendiges Bildnis unserer Vorfahren. Sie verdeutlichen die christlichen Werte unserer Kulturlandschaft und der hier angesiedelten Menschen“, sagt Theo Boxberg, Geschäftsführer des Zweckverbandes Naturpark Bergisches Land.

Ganz besonders hat es ihm die romanische Kirche in Gummersbach-Lieberhausen angetan. Die Kirche stammt aus dem 11. Jahrhundert. Wände, Rundbögen und Decken des Innenraums sind mit farbigen Darstellungen aus dem alten und neuen Testament bemalt. Pflanzen- und Blütenornamente ranken in Nischen und Winkeln bis in die Kreuzgewölbe. Hier kommen die Botschaften der Bibel in plakativen Bildern rüber. Bauernfamilien, die damals weder lesen noch schreiben konnten, begriffen Geschichten wie die von Adam, der aus einem Stück Lehm geformt wird, und von Johannes dem Täufer. Auch die Wahl der Farben und der Ranken steckt voller Symbolik. Einige Pflanzen weisen auf Heilkräuter hin.

Weltgericht und Seelenwaage

Die Bonner Kunsthistorikerin Dr. Verena Kessel hat über die Bilderwelt in den Bunten Kirchen geschrieben. In „Weltgericht und Seelenwaage. Große Kunst in kleinen Kirchen“ geht die Autorin den Bau- und Restaurierungsgeschichten der fünf Kirchen nach und verbindet das mit der politischen, wirtschaftlichen und konfessionellen Geschichte des Bergischen Landes (Bensberger Edition; 9,50 Euro; kann z.B. über die Thomas-Morus-Akademie bezogen werden, Tel. 02204/408472, akademie@tma-bensberg.de)

Lesen und sehen. Man kann sich auch durch die Kirchen kundig führen lassen (z.B. Ev. Kirche Lieberhausen: Monika Kretschmer, Tel. 02763/7246 und Jürgen Marquardt, Tel. 02261/67380). Jedes Jahr lädt die Thomas-Morus-Akademie Bensberg mit weiteren Kooperationspartnern zu einem Festival in die `Bonten Kerken` ein.

Esskultur

„Lieberhausen ist ein total liebenswertes Örtchen mit Gässchen und schiefergedeckten Fachwerkhäusern. Hier findet jedes Jahr auch ein toller Weihnachtsmarkt statt. Direkt neben der Kirche gibt es Gastronomiebetriebe wie den Landgasthof Reinhold. Dort unbedingt einen Eierkuchen probieren“, empfiehlt Theo Boxberg. Der tortenhohe Kuchen werde aus Eiern der Region hergestellt, und mache deutlich, wie gut die Produkte der heimischen Kulturlandschaft schmecken. Dazu hat der Naturpark Bergisches Land das Projekt „Vielfalt schmeckt“ aufgelegt. Hier erfährt man mehr über die bergische Esskultur, über das Netzwerk aus Landwirtschaft, Naturschutz, Tourismus und Gastronomie; die Regionalmarke „bergisch pur“, und wird mit Restaurant- und Rezept-Tipps versorgt.

Energiegeladen

Schnitzel ganz anderer Art gibt es im Hackschnitzelheizwerk Lieberhausen. Dort sorgt das Verbrennen von Holzresten aus den benachbarten Wäldern für Wärme und Warmwasser. Das Heizwerk ist zugleich eine der Stationen des „Energiewanderweges“ im Naturpark Bergisches Land. Der 11,9 Kilometer lange Weg führt von der Staumauer der Aggertalsperre durch den Wald bis hinauf nach Lieberhausen. „Hier stimmt für den Besucher die Kombination aus Kultur, Natur und Erlebnis“, unterstreicht Theo Boxberg.

Naturpark Bergisches Land im Profil

  • Verwaltung: Zweckverband Naturpark Bergisches Land in Gummersbach. Zugehörige Städte und Kreise: Köln, Remscheid, Solingen, Wuppertal, Oberbergischer Kreis, Rheinisch-Bergischer Kreis, Rhein-Sieg-Kreis.
  • Naturpark Besonderheiten: ältestes Industriegebiet Westeuropas, artenreiche Kulturlandschaft, Rückzugsraum für zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten, viele Fluss- und Bachtäler, 16 Talsperren, darunter 5 Freizeittalsperren, rund 3.500 Kilometer Wanderwege wie dem „Bergischen Panoramasteig“ und dem „Bergischen Weg“, der Straße der Arbeit und 24 Themenwege.
  • Freizeit- und Bildungsmöglichkeiten, Naturerlebnisse und Kulturangebote.
  • Die neueste Attraktion: Naturerlebnispark, Jugendherberge und Tagungszentrum "Panarbora" in Waldbröl.

Die Naturparks in NRW auf einen Blick

Eine erste Übersicht gibt die Broschüre „Die Naturparke Nordrhein-Westfalens – Der Schatz vor deiner Tür“, herausgegeben vom NRW-Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz.

Die Naturparks im Einzelnen:

WEITERE THEMEN