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Ulrich Linnenberg im Paternoster der IHK Köln Foto: Astrid Piethan
Porträt

Europa: Offenheit und Miteinander

Interview im Paternoster

Ulrich Linnenberg ist Vorsitzender der CologneAlliance, die die 22 Kölner Städtepartnerschaften fördern und auch für Unternehmenskontakte weiterentwickeln will. Er ist mit seinem
Handelsunternehmen international aktiv und sitzt seit 2005 im Außenwirtschaftsausschuss der IHK Köln. Von der Europawahl im Mai erhofft er sich ein Signal für ein starkes, gemeinsames Europa.

Herr Linnenberg, die Europawahl Ende Mai gilt als richtungsweisend für die EU. Wie sehen Sie der Wahl entgegen?

Ich wünsche mir ein Erstarken der redlichen Kräfte, die integrieren und nicht ausgrenzen. Aber ich weiß nicht, ob es uns gelingt, die Wähler/innen dafür zu mobilisieren. Viele Menschen genießen die zahlreichen Vorteile, wollen sich aber nicht für Europa engagieren.

Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Vorteile?

Es ist ja viel mehr als der freie Markt, viel mehr auch als Reisen und Konsum. Uns geht es um Miteinander und um Off enheit, auch für die Eigenarten der anderen. Oft unterschätzt wird auch die Freizügigkeit für Arbeitnehmer/innen. Wer mal in einem anderen Land arbeitet, nimmt dessen Kultur doch ganz anders an als ein Tourist. Manche sagen, wir wollen nicht von Brüssel aus regiert werden. Aber das stimmt ja gar nicht. Nehmen Sie nur die Datenschutzgrundverordnung als Beispiel: Was die EU vorgegeben hat, wäre ja hinsichtlich der administrativen Herausforderung erträglich gewesen, nur hat die Bundesregierung da noch einiges draufgesetzt, was für uns jetzt viel mehr Bürokratie bedeutet – wie so oft.

Welche Rollen können Städtepartnerschaften bei der Einigung spielen?

Sie können eine große Rolle spielen, wie auch eine Studie der Bertelsmann-Stiftung gezeigt hat. Die Grundidee der Städtepartnerschaften war ja, die Wunden des Krieges zu heilen und Freundschaften von Mensch zu Mensch zu schaffen. Heute wollen wir verstärkt Unternehmen in die Partnerschaften einbinden – das ist ja auch ein Ziel der IHK –, etwa durch den Austausch von Auszubildenden. Ansätze dazu gibt es bereits in einigen Partnerschaften, aber das darf und soll noch viel mehr werden.

Was kann auf lokaler Ebene noch für die internationale Verständigung im Sinne der Wirtschaft getan werden?

Von zwei Unternehmen kam der Vorschlag, in Köln ein Büro für Willkommenskultur einzurichten, das vor allem Arbeitskräften aus dem Ausland als Info-Platz über die Stadt und das Umland zur Verfügung steht. Über diesen Wunsch werden wir mit der Stadt und der IHK sprechen.

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