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Thomas Weil, Baustellenmanagement der Stadt Köln, aufgenommen vor der Baustelle Marzellenstraße in der Kölner Innenstadt Foto: Thilo Schmülgen
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Erst reden, dann bauen

Eigentlich sind Baustellen ein gutes Zeichen. Investiert und gebaut wird, wenn die Konjunktur brummt. Zum Problem werden sie, wenn sie nicht abgestimmt sind und dadurch den Verkehr stärker beeinträchtigen, als es erforderlich wäre. Wie eine neue IHK-Studie zeigt, ist das Baustellenmanagement in der Region aber besser geworden.

Text: Lothar Schmitz

Martin van Nooy beobachtet intensiv die tägliche Verkehrssituation. Sein besonderes Interesse gilt den Staus und Behinderungen im Rheinland.

Van Nooy ist allerdings weder „Staupilot“ eines Radiosenders noch Referent eines Automobilclubs. Sondern Leiter der Standortlogistik der Currenta GmbH & Co. OHG. Seine Sorge gilt der Sicherung der Zufahrten für die zahlreichen Transporte und anfahrenden Mitarbeiter der drei CHEMPARK-Standorte in Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen. Currenta ist ein wichtiger Akteur in Europas größter Chemieregion. Das Unternehmen ist Manager und Betreiber des CHEMPARK. Dazu zählen unter anderem die Stoff- und Energieversorgung und die Entsorgungslogistik für die über 70 ansässigen Chemiebetriebe.

„Unsere eigene Logistik sowie die vielfältigen Transporte unserer Kunden sind auf eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur angewiesen“, unterstreicht van Nooy, „deshalb haben wir ein hohes Interesse daran, dass sie umfassend ertüchtigt und den Anforderungen der Gegenwart und Zukunft angepasst wird, aber auch, dass sich die Baustellensituation in der Region verbessert.“

Eigentlich sind Baustellen ein gutes Zeichen: „Investiert und gebaut wird, wenn die Konjunktur brummt“, betont Dr. Ulrich Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, „das Ergebnis ist in der Regel eine Verbesserung, die Region profitiert also von Baustellen.“ Andererseits sorgt in einer Region, die von immer dichteren Verkehrsströmen und einer an ihre Grenzen gekommenen Infrastruktur geprägt ist, jede weitere Baustelle für mehr Verzögerungen und Stillstand, für lange Umwege und zusätzliche Kosten.

Die negativen Auswirkungen lassen sich jedoch reduzieren. Nämlich dann, wenn alle Verantwortlichen miteinander sprechen und ihre jeweiligen Aktivitäten koordinieren. Das entscheidende Stichwort: Baustellenmanagement.

Ein zentraler Ansprechpartner für Köln

Thomas Weil ist der Baustellenmanager der Stadt Köln. Die Stadt hat die Position geschaffen, damit es sowohl innerhalb der Verwaltung als auch für sämtliche externen Baulastträger in der Stadt einen zentralen Ansprechpartner gibt. Dessen anspruchsvolle Aufgabe: alle Baustellen auf städtischem Grund aufeinander abzustimmen und so weit wie möglich die Mobilität zu erhalten.

Damit das überhaupt geht, ist Weil auch derjenige, der die Genehmigungen erteilt. Das wurde ebenfalls in seiner Abteilung zusammengefasst. Ein weiteres Instrument: der Baustellenkontrolldienst. Geprüft wird, ob auch wirklich gebaut wird, es also vorangeht. „Darum beneiden uns andere Städte“, sagt Weil.

Der Weg dahin war allerdings nicht einfach, bei vielen Akteuren war ein Umdenken erforderlich. „Früher lautete der Grundsatz, Bauen zu ermöglichen“, erinnert Weil, „heute steht im Mittelpunkt, Mobilität zu gewährleisten.“ Das erfordert bei allen Baulastträgern den ständigen Blick über den Tellerrand der eigenen Maßnahmen, mehr Sensibilität also für die Zusammenhänge und Auswirkungen. Und mehr Kommunikation.

Martin van Nooy, Leiter Standortlogistik der Currenta, an der Autobahnbrücke Leverkusen, Nadelöhr für die Transporte der drei CHEMPARK-Standorte.
Foto: Thilo Schmülgen

Konferenzen bei der Bezirksregierung für die gesamte Region

Auch Regierungspräsidentin Gisela Walsken ermöglicht diese Kommunikation, und zwar nicht nur in der Stadt, sondern im gesamten Zuständigkeitsgebiet der Bezirksregierung Köln. Die Regierungspräsidentin veranstaltet regelmäßige Konferenzen, in denen möglichst alle Baulastträger zusammenkommen. „Niemand kann einem Baulastträger diktieren, wann er seine geplante Baumaßnahme durchzuführen hat“, stellt Thorsten Elsiepen, Leiter des Verkehrsdezernates der Bezirksregierung Köln, klar, „aber den Beteiligten ist längst klar, dass es ohne sinnvolle Abstimmung und Festlegung einer Reihenfolge nicht geht.“ Die Konferenzen schaffen den Rahmen dafür.

Auch der Landesbetrieb Straßenbau NRW setzt auf Gespräche. „Wann immer in stärkerem Maße in den Verkehr eingegriffen werden muss“, laden wir die betroffenen Kommunen zu regelmäßigen Besprechungen ein“, sagt Dr. Jan Lohoff, Baustellenmanager in der Verkehrszentrale Leverkusen des Landesbetriebs. Bei Großprojekten wie der Erneuerung der Leverkusener Autobahnbrücke sind die Städte Leverkusen und Köln fest in die Projektabläufe integriert.

Wichtige Baulastträger in der Stadt Köln sind die Betriebe des Stadtwerke-Konzerns. Allein die RheinEnergie AG sorgt für 50 Prozent der Baumaßnahmen auf Kölns Straßen. Deshalb koordinieren die Stadt Köln, die RheinEnergie, KVB, HGK, StEB, GVG, AWB sowie NetCologne bereits seit mehreren Jahren die Planung und Ausführung ihrer Baustellen.

Praktisch sieht das so aus: Alle Projektpartner senden der RheinEnergie im Vorfeld der zweimal im Jahr stattfindenden gemeinsamen Sitzungen Daten zu ihren geplanten Bauvorhaben. „Mit Hilfe eines grafischen Analysetools machen wir dann Überschneidungen sichtbar“, erklärt Hans-Jürgen Ramm, der den Bereich Netzführung bei der RheinEnergie und das Projekt Baustellenkoordination leitet, „und verdeutlichen so, wo Potenzial besteht, sich bei Bauarbeiten zusammenzutun.“

Gemeinsame Software soll Koordination der Stadtwerke-Töchter verbessern

Derzeit ist der manuelle Aufwand noch hoch, weil unterschiedliche Software zum Einsatz kommt. Doch im Rahmen eines einjährigen Pilotprojekts, an dem auch die Stadt beteiligt ist, wird eine neue Software getestet, in die monatlich alle Planungsdaten eingespeist werden sollen und die als „Baustellenatlas“ automatisiert Übereinstimmungen und Kooperationsmöglichkeiten aufzeigen kann.

Nach Ansicht von Currenta-Manager van Nooy ist die Qualität des Baustellenmanagements in der Region gestiegen. Dennoch sieht er Verbesserungsbedarf. So müssten alle Akteure bestrebt sein, die Baustellendauer zu verkürzen. „Außerdem wäre es wichtig“, empfiehlt van Nooy, „die Koordination von Baustellen auf die gesamte Metropolregion Rheinland auszuweiten.“

Baustellen in Köln noch besser koordinieren: 10-Punkte-Plan der IHK Köln

Die IHK Köln hat im April einen 10-Punkte-Plan dazu vorgelegt, wie sich in Köln die Abstimmung von Baustellen, die den Verkehr beeinträchtigen, weiter verbessern lässt. Der Plan ist das Ergebnis einer umfangreichen Studie, die die IHK gemeinsam mit der Technischen Hochschule (TH) Köln erstellt hat.

Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass Köln zwar durchaus eine gewisse Vorreiterrolle beim Baustellenmanagement hat, die durch Maßnahmen in den vergangenen Jahren erreicht wurde. Zugleich zeigt sie weiterhin deutliches Verbesserungspotenzial.

Ein Beispiel: Unter anderem müssten weitere Unternehmen wie die Deutsche Telekom und Unitymedia in die Koordination einbezogen werden, fordert die IHK Köln. Damit könnten statt bisher rund 75 Prozent aller Baustellen auf den Kölner Straßen etwa 90 Prozent aller Maßnahmen erfasst und abgestimmt werden.

Weitere Informationen zu den Ergebnissen und Forderungen sowie die komplette Studie finden Sie unter www.ihk-koeln.de/148884

Baustellen-Infos im Netz

http://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/verkehr/verkehrskalender/
www.wirbauenfuerkoeln.de
www.strassen.nrw.de

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