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Bei Bayer in Leverkusen ist Kunst und Kultur Teil des Unternehmensleitbildes. Die hauseigene Artothek, aus der Thomas Helfrich, Leitung Bayer Kultur, hier ein Stück präsentiert, soll Bildungsangebot und Bereicherung für die Mitarbeiter sein. Foto: Bayer / Dirk Hansen
Leben

„Eintauchen in Unbekanntes“

Manche Schätze blühen eher im Verborgenen, heißt es. Auf die Kunstsammlungen, von denen hier die Rede ist, trifft das nicht zu. Sie blühen – mit voller Absicht – im Lichte der Öffentlichkeit. Zumindest eine Teilöffentlichkeit kommt in ihren Genuss: die Menschen nämlich, die in Unternehmen arbeiten, deren Gründer oder Eigentümer Kunst sammeln. Außerdem deren Kunden, Geschäftspartner und Gäste.

Text: Lothar Schmitz

Die Rede ist hier nicht - oder allenfalls am Rande - von dem dekorativen Kunstwerk im Firmenfoyer. Es geht um viel mehr. „Die Wirtschaft öffnet sich allmählich dem ideellen Wert und den genuinen Kompetenzen von Kunst – jenseits von Prestigedenken – und erkennt deren Nutzen“, schreibt die Düsseldorfer Kunstwissenschaftlerin Ulrike Lehmann in ihrem aktuellen Buch „Wirtschaft trifft Kunst“. Der Untertitel lautet übrigens: „Warum Kunst Unternehmen gut tut“. Eine Antwort gibt sie selbst, schon im Vorwort: „Unternehmen, die Kunst sammeln und/oder sie in ihren Arbeitsprozess einbeziehen, schaffen nach innen eine positive, inspirierende Atmosphäre und verbessern ihre Unternehmenskultur.“

Kunst verbindet
Dies trifft zum Beispiel auf die Kienbaum Consultants International GmbH zu. Für das Beratungsunternehmen mit Hauptsitz in Köln ist Kunst fester Bestandteil der Firmenkultur. Jochen Kienbaum, Gründer und Vorsitzender der Geschäftsführung, ging schon während seines Studiums in Berlin viel in Galerien. „Das hat mich inspiriert“, erzählt er.

Heute können sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 31 Niederlassungen von der stattlichen Sammlung ihres Chefs inspirieren lassen. „Kunst verbindet, schafft Gesprächsanlässe, regt zur Auseinandersetzung und zur Entfaltung eigener Kreativität an“, betont der Unternehmer, der auch zu Lehmanns Buch ein Kapitel beigesteuert hat. Immer wieder lädt das Unternehmen auch Künstler ein, mit denen sich interessierte Beschäftigte dann austauschen können – untereinander, aber auch mit interessierten Kunden und Geschäftspartnern.


Kunst fördert Aufgeschlossenheit

Auch bei der Bayer AG in Leverkusen spielt nicht nur der Gedanke der dekorativen Ausstattung der Unternehmensräume eine Rolle. Das Unternehmen legt von jeher Wert darauf, das Thema Kunst und Kultur als Teil des Unternehmensleitbildes zu etablieren. Das Besondere der Sammlung: Ihr Ansatz ist aus dem Volksbildungsgedanken um 1900 gewachsen und folgt bis heute diesem Anspruch. „Bayer hat seine Sammlung nicht repräsentativ, also nach außen gerichtet, durch Berater konzipieren lassen, sondern in erster Linie langfristig als Bildungsangebot und als Bereicherung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgebaut“, erzählt Andrea Peters, Kuratorin der Sammlung Bayer.

Das gilt bis heute, und nach wie vor steht allen Beschäftigten die Ausleihe von Originalen aus dem Bayer-Kunstbesitz in der hauseigenen „Artothek“ offen. „Wir sind davon überzeugt, dass die intensive Beschäftigung mit Kultur – sei es als aktiver Teilnehmer, Zuhörer oder Zuschauer – Aufgeschlossenheit und die Bereitschaft zur kritischen Auseinandersetzung fördert“, betont Peters, „Kompetenzen, die für den nachhaltigen Erfolg von Bayer und seinen Mitarbeitern eine große Rolle spielen.“

Kunst verändert den eigenen Blick

Für Christian Zimmermann gibt Kunst „uns die Möglichkeit, die Welt aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln zu betrachten – und dabei immer wieder Neues zu entdecken.“ Der Kunstsammler und Unternehmer – CEO und Inhaber der Uniplan GmbH & Co. KG mit Hauptsitz im Kölner Schanzenviertel – möchte vielen Menschen den Zugang zu Kunst ermöglichen. Im Unternehmen sind das die Beschäftigten und Besucher.

„Unsere Teams stehen täglich vor der Herausforderung, kreative Höchstleistungen bringen zu müssen“, betont Zimmermann. Kunst verändere den eigenen Blick, könne beeinflussen, wie man denkt und fühlt. „Sie fördert und fordert den Blick über den Tellerrand, den Mut zum Querdenken und Eintauchen in Unbekanntes“, ist der Unternehmer überzeugt. „All das sind Einflüsse, die wir uns in der Agentur zunutze machen können.“ Ein Teil der Sammlung Zimmermann wird daher, in wechselnder Zusammenstellung, in den Offices der Agentur in Europa, Asien und Nordamerika gezeigt.

Arbeitskreis Wirtschaft und Kultur
Innerhalb des Arbeitskreises "Wirtschaft und Kultur" bei der IHK Köln arbeiten Kulturschaffende und Wirtschafts-Vertreter zusammen. Der Arbeitskreis trifft sich halbjährlich und befasst sich mit Fragen der Kulturförderung, Vermittlung von Kultur und kulturellen Unternehmensprojekten. Ansprechpartner: Dr. Ulrich S. Soénius, ulrich.soenius@koeln.ihk.de.

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