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Eine moderne digitale Infrastruktur sorgt für reibungslose Abläufe, von der Anlieferung der Wäsche-Container bis zur Reinigung jedes einzelnen Kleidungsstücks. Foto: Olaf-Wull Nickel
Porträt

Eine saubere Angelegenheit

Die Wäscherei COLONIA reinigt täglich rund 10.000 Kilogramm Wäsche für große Betriebe und Hotellerie-Kunden. Dabei arbeitet der regionale Anbieter mit modernster Technik.

Text: Katharina Hamacher

Für Besucher sind die kleinen Strichcodes, die an jedem einzelnen der unzähligen Rollcontainer kleben, mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Für Stephan Palmer sind sie der Dreh- und Angelpunkt seiner täglichen Arbeit. Dabei müsste der Geschäftsführer der Wäscherei COLONIA  in den meisten Fällen gar nicht erst den Data-Matrix-Code einscannen, um zu wissen, wem die Berge an Schmutzwäsche vor den Türen seiner Produktionshalle in Köln-Marsdorf gehören. Die mintfarbene OP-Kleidung stammt aus einer Tierklinik, die dunkelroten Uniformen gehören zum Team einer bekannten Hotelkette und die schweren Jacken und Hosen mit gelben Reflektorstreifen kommen bei der Berufsfeuerwehr Köln zum Einsatz. Wie viele Kleidungsstücke welcher Mitarbeiter nach getaner Arbeit in den Wäschesack geworfen hat, wie oft die einzelnen Teile bereits gereinigt wurden, welche Waschverfahren zum Einsatz kommen und auf welche Maße der Faltroboter die Kleidung zusammenlegt, verrät jedoch erst der individuelle Code auf der Innenseite des Stoffs.

„Unsere Fehlerquote ist gleich Null"

„Jedes einzelne Stück, das unsere Fahrer in die Wäscherei bringen, landet anschließend wieder im richtigen Fach des jeweiligen Mitarbeiters. Unsere Fehlerquote ist gleich Null“, sagt Stephan Palmer. Das haben der 47 Jahre alte Techniker und sein Geschäftspartner Andreas Agridopoulos (49), die das Unternehmen vor 24 Jahren gemeinsam aufgebaut haben, einer ausgefeilten Informationstechnik zu verdanken. „Mit unserer modernen IT können wir die hohen Ansprüche unserer Kunden erfüllen“, betont Palmer und zeigt auf die Computeranlage im Eingangsbereich der Produktionshalle. Über die Kundennummer werden alle Arbeitsschritte dokumentiert: Zunächst wird die Wäsche nach Waschgängen sortiert, wenn nötig wird eine Imprägnierung aufgewaschen, anschließend wird jedes Stück auf Verschleißerscheinungen untersucht. Eine Feuerwehrhose mit Abnutzungen wandert so automatisch zurück in die Kleiderkammer der Berufsfeuerwehr, andere Stücke haben nach dem 50. Waschgang aus Sicherheitsgründen ausgedient.

Neben der Berufsbekleidung, die das Unternehmen auch als Leasing-Geber an Betriebe vermietet, ist die Hotellerie das zweite große Standbein der Wäscherei Colonia. Große Kunden halten dem Betrieb seit Jahren die Treue. Die Fähigkeit, sich flexibel auf die Wünsche ihrer Kunden einzustellen, betrachten die Geschäftsführer als Alleinstellungsmerkmal in ihrer Branche – und als wichtigen Baustein ihres Erfolgskonzepts.

Halle brannte 2013 komplett ab

Angefangen haben die Unternehmensgründer 1993 mit einer kleinen Wäscherei in der Innenstadt. Neun Jahre später vergrößerte sich der Betrieb und zog nach Stammheim. Schnell wurde es auch dort zu eng. Vor acht Jahren erwarben Palmer und  Agridopoulos ein Grundstück an der Toyota-Allee im Kölner Westen und errichteten eine hochtechnisierte Produktionshalle mit Bürokomplex auf 1.400 Quadratmetern. Die Tatsache, dass die beiden ihren Umsatz in den vergangenen fünf Jahren verdoppeln konnten, ist umso bemerkenswerter, wenn die Geschäftsführer von dem schwärzesten Tag ihrer Karriere sprechen: Im September 2013 brannte die Wäscherei bis auf das Grundgerüst ab. Sämtliche Maschinen sowie Tonnen von Wäsche wurden zerstört. „Den nächtlichen Anruf der Polizei werden wir nie vergessen“, blicken die Partner zurück. Kaum waren die Flammen gelöscht, telefonierten sie die Kunden ab – und erfuhren viel Unterstützung. „Große Häuser hatten vollstes Vertrauen in uns und waren sicher: Die Jungs, die machen das.“

Damit lagen sie richtig. Palmer und Agridopoulos entwickelten sofort einen Notfallplan, schickten ihre Fahrer mit Mietwagen zu den Kunden und reinigten die abgeholte Wäsche in befreundeten Wäschereien. Dass ihnen fast alle bis zur Wiedereröffnung neun Monate später die Treue hielten, schreiben die Unternehmer dem persönlichen Kontakt zu, auf den beide großen Wert legen. Das gilt auch für die 35 Beschäftigten unterschiedlichster Nationen, unter denen auch zwei gehörlose Kollegen sind. „Die Atmosphäre ist sehr familiär, wir kennen die persönlichen Probleme von jedem einzelnen“, sagt Andreas Agridopoulos und lacht. „Uns ist es wichtig, dass sich die Leute hier wohlfühlen.“ Dass der Betriebswirt und sein Partner bei Engpässen mit anpacken und auch mal selbst an der Mangel stehen, kommt bei den größtenteils langjährigen Angestellten sehr gut an.

Dosierung der Waschmittel auf den Punkt

Die technischen Abläufe des Betriebes, durch den pro Tag durchschnittlich 10.000 Kilogramm Wäsche geschleust werden, beherrschen die Unternehmer ohnehin bis ins kleinste Detail. „Hier werden die benötigten Komponenten für jeden Waschgang individuell zusammengemixt“, erklärt Stephan Palmer und zeigt auf die Dosier-Anlage, die sich aus 200-Liter-Fässern exakt so viel Waschmittel, Fettlöser, Bleiche und flüssige Stärke wie nötig zapft. Was für die Reinigung von Kochjacken, Bettlaken und Handtüchern nötig ist, erfassen die 60-Kilogramm-Waschmaschinen über die Kundennummer. „Während die Hausfrau gern mal ein Schüppchen mehr nimmt, dosieren wir auf den Punkt“, sagt Palmer augenzwinkernd.

Auf Nachhaltigkeit legen die Unternehmer großen Wert. Die Wäscherei Colonia arbeitet zu 100 Prozent auf Wasserkraftbasis, nutzt Wärmerückgewinnung und Infrarottechnik, um unnötige Trocknerleistung zu vermeiden. Dazu gehört auch, dass sich die regional stark vernetzten Kölner auf Kunden im Umkreis von 80 Kilometern beschränken. „Wir arbeiten nicht mit Subunternehmern. Bei uns gibt es den ganzen Service aus einer Hand unter dem eigenen Dach – nur so können wir unseren hohen Qualitätsanspruch halten und uns auf dem stark umkämpften Markt durchsetzen“, betont Andreas Agridopoulos.

Handtücher entfalten Duft erst beim Abtrocknen

Dafür sind zudem kreative Ideen gefragt. An der neuesten Errungenschaft haben die beiden lange getüftelt: „Wir haben ein Verfahren entwickelt, um Handtüchern einen ganz dezenten Duft aufzulegen, der sich erst beim Abtrocknen entfaltet“, erklärt Stephan Palmer und reibt über ein weißes Frotteetuch. Auf dieses Alleinstellungsmerkmal in der Branche sind die beiden Unternehmer besonders stolz. „Dieser überraschte Ausdruck in den Gesichtern unserer Hotelkunden ist immer wieder etwas Besonderes.“