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Fast zwei Jahrzehnte lang war Eberhard Garnatz einer der leitenden Köpfe der IHK. Foto: Hansherbert Wirtz
Porträt

Eberhard Garnatz 1934-2020

Am 12. Dezember 2020 verstarb Eberhard Garnatz, ehemaliger Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. Über drei Jahrzehnte war Garnatz für die IHK tätig. Nach dem Studium und zweitem juristischem Staatsexamen begann der gebürtige Bochumer am 1. April 1965 in der Rechtsabteilung der IHK. 1967 bis 1969 lernte er beim Deutschen Industrie- und Handelstag in Bonn die Gesamt-IHK-Organisation kennen, bevor er wieder zur IHK als persönlicher Referent des Hauptgeschäftsführers zurückkehrte. 1973 übernahm er als Geschäftsführer die Abteilung „Industrie, Banken und Versicherungen“ und die Geschäftsführung der Wirtschaftsjunioren Köln. Die Vollversammlung berief Garnatz zum 1. Januar 1981 als Hauptgeschäftsführer. Fast zwei Jahrzehnte, bis zum 31. März 2000, leitete er die IHK Köln gemeinsam mit den Präsidenten Otto Wolff von Amerongen, Alfred Neven DuMont und Alfred Freiherr von Oppenheim. Als politisch denkender Mensch setzte sich Eberhard Garnatz kontinuierlich für das Gesamtinteresse der Wirtschaft in unserer Region ein. Mit analytischem Verstand erkannte er die wichtigen Themen der Unternehmen und transformierte diese in praktische Wirtschaftspolitik. Insbesondere der industrielle Strukturwandel in den 1980er Jahren erforderte von der IHK innovative Hilfestellungen für die Unternehmen. Die duale Berufsausbildung förderte er durch die Schaffung neuer Berufsbilder, u. a. in der Medienbranche. Schon früh war Garnatz ein Förderer des Medienstandorts, so ging auch die Idee des „Mediaparks“ auf ihn zurück. Unter seiner Ägide schuf die IHK einen eigenständigen Bereich für Informations- und Kommunikationstechnik. In seine Amtszeit fiel der Beginn der Zusammenarbeit in der Region Köln/Bonn. Die Gebäude der IHK lagen ihm am Herzen, so warb er engagiert für den Neubau der Geschäftsstelle in Leverkusen. Als langjähriges Vorstandsmitglied förderte er das Rheinisch-Westfälsche Wirtschaftsarchiv, damit Quellen der Wirtschaft dauerhaft erhalten bleiben. Der Universität zu Köln, die ihn 1988 mit der Universitätsmedaille ehrte, widmete er sich in mehreren Funktionen.

Eberhard Garnatz war ein angenehmer, gebildeter Gesprächspartner. Fünf Jahre war er für die CDU Mitglied der Bezirksvertretung Innenstadt und fünfzehn Jahre lang des Rates der Stadt Köln, wo er aufgrund seines Sachverstandes hohes Ansehen auch der anderen Fraktionen erlangte. Er galt als verlässlich, diskret und sachorientiert. Privat war er mit seiner Frau ein großer Freund der Kunst, aber auch der Künstler. Gemeinsam sammelte das Ehepaar zeitgenössische Kunst. Die 700 Werke umfassende Sammlung gilt als eine der bedeutendsten Sammlungen ihrer Zeit und ist seit 1996 als Dauerleihgabe in der Städtischen Galerie Karlsruhe.

Eberhard Garnatz hat die IHK Köln stark geprägt und sich um die Wirtschaft in vielfältiger Weise außerordentlich verdient gemacht. Im Mittelpunkt seines Wirkens standen stets die Anliegen der Mitgliedsunternehmen. Er war ein anerkannter Verfechter des gesamtwirtschaftlichen Interesses der Region, weit über die Grenzen des Kammerbezirks hinaus, und der Idee der Selbstverwaltung der Wirtschaft.

Text: Dr. Ulrich S. Soénius

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