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Ausbildung muss mit dem Wissen und der technologischen Entwicklung mithalten, so Martin Heinrichs (l., Bürobedarf Heinrichs), hier mit Azubi Matteo Rittmeyer (M.) und Thomas Heinrichs. Foto: Olaf-Wull Nickel
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E-Commerce für die Ausbildung

Ob Bürobedarf oder Lebensmittel, Autos oder Kleidung: Der Handel befindet sich in einem starken Umbruch. Damit der Nachwuchs stets auf der Höhe der Zeit ist, entsteht derzeit der neue Ausbildungsberuf „Kaufmann/-frau für E-Commerce“. Außerdem wurden die beiden Klassiker „Verkäufer/-in“ und „Kaufmann/-frau im Einzelhandel“ sowie der Beruf „Automobilkaufmann/-frau“ modernisiert.

Text: Lothar Schmitz

Der Handel in Deutschland und anderen Ländern befindet sich mitten im Umbruch. Die Zeiten sind stürmisch, stürmischer vielleicht denn je. Denn der allumfassende Digitalisierungs- und Online-Trend hat nahezu alle Bereiche im Einzelhandel unwiderruflich im Griff. Immer häufiger wandern Kunden zum Teil oder ganz ins Internet ab. Seit 2005 hat sich der jährliche Umsatz im Online-Handel mehr als verdreifacht, 2017 rechnet der Handelsverband Deutschland mit 48,8 Milliarden Euro.

Die Frequenzen in vielen Läden gehen derweil zurück. Gleichzeitig wälzt die Digitalisierung die Geschäftsprozesse um, von Bestell- bis Bezahlverfahren, von der Art der Warenpräsentation bis zur Errichtung ganz neuer Vertriebs kanäle. Das alles hat auch Auswirkungen auf die Beschäftigten und den Fachkräftenachwuchs. Qualifizierung lautet das entscheidende Stichwort. Gleich drei Handelsberufe wurden deshalb jetzt modernisiert: Ab diesem Ausbildungsjahr lernen angehende Verkäuferinnen und Verkäufer, Einzelhandelskaufleute sowie Automobilkaufleute nach neuen Ausbildungsordnungen. Im Sommer 2018 tritt sogar ein gänzlich neuer Ausbildungsberuf auf den Plan: „Kaufmann/-frau für E-Commerce“. Ein Überblick:

Verkäufer/-in und Einzelhandelskaufmann/-frau

Die Änderungen bei diesen beiden beliebten Berufen betreffen insbesondere die Bezeichnung und Ausrichtung der Wahlqualifikationen sowie die Bedeutung der Warenkenntnisse im Rahmen des so genannten fallbezogenen Fachgesprächs. Dieses wird während der Abschlussprüfung der Verkäufer durchgeführt. Ein weiteres fallbezogenes Fachgespräch ist bei den Einzelhandelskaufleuten Teil der gestreckten Abschlussprüfung, die, auch jetzt schon praktiziert, mit der Neuordnung in Dauerrecht überführt wird. „Besonders interessant ist die neue Wahlqualifikation ‚Onlinehandel‘, mit der nunmehr auch Einzelhandelsunternehmen, die teilweise den Vertriebsweg Online-Shop nutzen, den Fachkräftenachwuchs noch passgenauer ausbilden können“, erläutert Alexander Uhr, Leiter Ausbildung der IHK Köln.

„Ich halte diese Neuordnung für sehr wichtig“, sagt Martin Heinrichs, Inhaber und Geschäftsführer von Bürobedarf Heinrichs mit Niederlassungen in Köln-Sülz und -Lindenthal. „Es ist unerlässlich, dass die Ausbildung mit dem Wissen und der technologischen Entwicklung mithält.“ Als Beispiel nennt der Unternehmer, der seit vielen Jahren ausbildet und sich auch in mehreren Prüfungsausschüssen der IHK ehrenamtlich engagiert, die Entwicklung neuer Vertriebskanäle. „Das bringt auch juristische und kaufmännische Veränderungen mit sich“, so Heinrichs, „die gute Einzelhandelskaufleute kennen müssen.“

Automobilkaufmann/-frau

Die Anforderungen an Fachkräfte im Automobilhandel haben sich in den vergangenen Jahren ebenfalls deutlich gewandelt. So haben sich das Nutzungsverhaltender Kunden und die daraus entstehenden Ansprüche an die Angebotsstruktur der Händler ebenso verändert wie rechtliche Vorgaben und technische Normen. Neue Vertriebskanäle, national wie international, eröffnen zudem Chancen für mehr Absatz und neue Kunden. Innovative Strategien rund um Service und Kundendienst halten ebenfalls in immer mehr Autohäuser Einzug. Deshalb wurde in den vergangenen Monaten auch die Ausbildungsordnung für Automobilkaufleute modernisiert. Wesentlich erweitert wurden die Ausbildungsinhalte Finanzdienstleistungen und Fahrzeugleasing als Geschäftsfeld im Autohaus sowie Fahrzeugtechnik, neu hinzugekommen ist der Internethandel (Fahrzeuge und Zubehör). Eingeführt wurde zudem die gestreckte Abschlussprüfung.

„Die neue Ausbildungsordnung spiegelt das facettenreiche Berufsbild der Automobilkaufleute wider“, freut sich Marion Elbert-Seiler, stellvertretende Personalleiterin der Autohaus Jacob Fleischhauer GmbH & Co. KG. „Früher haben wir in unseren Niederlassungen Groß- und Außenhandelskaufleute ausgebildet, doch das Berufsbild Automobilkaufleute passt viel besser zu uns“, sagt Elbert-Seiler, die in dem Kölner Unternehmen mit insgesamt 1.100 Beschäftigten für die kaufmännische Ausbildung verantwortlich ist und damit für rund 20 Azubis pro Ausbildungsjahr. „Nach der Abschlussprüfung sind die Absolventen breit qualifiziert und gut gerüstet für den anspruchsvollen Arbeitsalltag.“

Kaufmann/-frau für E-Commerce

Gänzlich neu ist der Ausbildungsberuf „Kaufmann/-frau für E-Commerce“, der zurzeit noch entwickelt wird und ab Sommer 2018 erstmals angeboten werden kann. Er ist eine Antwort auf die eingangs geschilderte Entwicklung im Onlinehandel. „Durch E-Commerce entstehen neue Tätigkeitsfelder sowie neue, die üblichen Wertschöpfungsstufen überschreitende Prozesse und Geschäftsmodelle mit eigenen Arbeitsweisen und Vorgängen“, erklärt Katharina Weinert, Abteilungsleiterin Bildungspolitik und Berufsbildung beim Handelsverband Deutschland (HDE) e.V. Für diese seien eigene, umfassende Ausbildungsinhalte notwendig, die nicht in die bestehenden Ausbildungswege zu integrieren seien.

Der neue Ausbildungsberuf ist interessant für alle Unternehmen, denen die Wahlqualifikation „Online-Handel“ im Beruf "Einzelhandelskaufmann/-frau“ nicht ausreicht. Angehende Kaufleute für E-Commerce befassen sich intensiv mit sämtlichen innovativen Vertriebswegen, wozu auch Facebook oder Instagram gehören, und Arten von Online-Shops und lernen, wie man einen solchen bewirtschaftet. Online-Marketing, die kaufmännische Steuerung im Online-Vertrieb, Fachenglisch sowie Projektmanagement gehören ebenfalls zum neuen Berufsbild. „Viele Prognosen sagen, dass Handelsunternehmen immer stärker stationären und Online-Handel parallel und vernetzt betreiben“, erklärt Weinert, „und für diese Multi- oder Cross-Channel-Strategien ist der neue Beruf ebenso der richtige wie für Händler, die nur online ihre Produkte vertreiben!“

WEITERE INFOS
Auf den Internetseiten der IHK Köln gibt es weitere Informationen zu den neu geordneten Ausbildungsberufen im Einzelhandel sowie dem neu geordneten Ausbildungsberuf „Automobilkaufmann/-frau“.

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Carsten Berg