Stichwortsuche

Service

Digitaler Zwischenstopp 2020

Blick auf die Weltmärkte fand in diesem Jahr als virtuelle Konferenz statt

Mitte September 2020 legten die 16 IHKs in NRW zusammen mit dem ausrichtenden IHK NRW e. V. einen „Digitalen Zwischenstopp 2020“ ein. Über 300 Teilnehmer trafen sich online, und tauschten sich bei der virtuellen Konferenz zum internationalen Geschäft über die aktuellen Entwicklungen der Weltwirtschaft aus.

„Nein“ zu protektionistischen Tendenzen

Beherrschendes Thema der Podiumsdiskussion zum Auftakt war natürlich Corona und die Frage, wie die deutschen Unternehmen auch künftig auf dem Weltmarkt erfolgreich bleiben können. Bei allen Turbulenzen und Einbrüchen, die die Pandemie ausgelöst hat, blieb der Blick in die Zukunft ermutigend: Die Folgen für die deutsche Wirtschaft sind möglicherweise nicht so massiv, wie anfangs befürchtet. Allerdings, so stellten die Experten fest, wird das von einem starken Europa, dem Bekenntnis zur Globalisierung und einem klaren „Nein“ zu protektionistischen Tendenzen abhängen.

Professor Christoph Schmidt, Präsident des RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung e. V. in Essen, erwartet zwar für 2020 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von knapp fünf Prozent. Mehr Sorgen als um die aktuelle Situation macht sich der Volkswirt aber eher um den Freihandel. Corona verschärfe derzeit die Handelskonflikte und damit auch die Restriktionen für den freien Welthandel. „Deutsche Unternehmen sind auf einen freien Zugang zu globalen Märkten angewiesen. Dafür brauchen wir eine starke europäische Stimme, die ein Gegengewicht zu den protektionistischen Bestrebungen anderer setzt.“

Christoph Dammermann, Staatssekretär im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium, versprach, sich für eine schlagkräftige Außenwirtschaftsförderung des Landes einzusetzen. „Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir unsere Potenziale optimal nutzen.“ Dazu will sich Dammermann stärker auf die Megatrends Digitalisierung, Klimaschutz und die zunehmende Marktkomplexität konzentrieren. Den Freihandel hält auch Dammermann für enorm wichtig. „Je weniger Steine unseren innovativen Unternehmen bei ihren Auslandsaktivitäten in den Weg gelegt werden, desto erfolgreicher werden sie sich weltweit behaupten.“

Podiumsdiskussion und Fachforen online abrufbar

Für diejenigen, die nicht allen Programmpunkten beiwohnen konnten oder sich diese nochmal anschauen möchten: Auf der Internetseite des IHK Außenwirtschaftstages in der Rubrik "Rückblick: Zwischenstopp 2020" kann man die Diskussionsrunden der Konferenz abrufen.

China 2025: Zukunftsmarkt oder Kampfansage?

In vier Fachforen gab der digitale Zwischenstopp praxisrelevante Tipps. Bei „China 2025: Zukunftsmarkt oder Kampfansage?“ waren das Josef Bauer, Exportleiter der Pflitsch GmbH & Co. KG, Hückeswagen, Philipp Lazare, Partner der Rechtsanwaltskanzlei Luther, Shanghai sowie Jan Jovy, General Manager der AHK Shanghai. Im Vordergrund standen die Chancen für deutsche Unternehmen, die mit dem Projekt „Made in China 2025“ verbunden sind. Hier geht es insbesondere um Umwelt, Hightech und Digitalisierung – beispielsweise im Gesundheitssektor oder im Energiebereich. Der kommende Fünfjahresplan 2021-2025 setzt verstärkt auf die Förderung der Inlandsnachfrage und die Verringerung der Exportabhängigkeit. Die Botschaft der Referenten für NRW-Unternehmen lautete: Präsenz vor Ort und eine Digitalisierungsstrategie sind gerade für Mittelständler wichtiger denn je.

Safety first: Risikomanagement bei Auslandeinsätzen

Im Fachforum „Safety first: Risikomanagement bei Auslandseinsätzen“ moderierte Alexander Hoeckle, Geschäftsführer International und Unternehmensförderung der IHK zu Köln, die Runde mit Sebastian Vanek, Sales Consultant International People Mobility im Bereich Health Solutions von Aon Deutschland, München sowie Jens Washausen, Managing Director der GEOS Germany GmbH, Bonn.

Neben Hinweisen und Beispielen einer guten Vorbereitung mit intensivem Training sowie Tipps und Tricks zur "Travel security" wurde diskutiert, was zu tun ist, wenn etwas passiert; dabei wurden Sinn und Unsinn von Versicherungen aufgezeigt. Weitere Themen betrafen Umfang und Wirkung von Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes für Geschäftsreisen sowie Sozialversicherungsfragen für lokalisierte Expats. Gerade letzteres Thema hatte für viele Teilnehmer so manche Überraschung parat.

Exportkontrolle ist Chefsache

Um aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen ging es auch beim dritten Fachforum, „Exportkontrolle ist Chefsache“. Hier standen praxisrelevante Informationen zur Bedeutung eines firmeninternen Compliance-Programms, zur Funktion des Ausfuhrverantwortlichen und zu den geplanten Änderungen durch die Novelle der EU-Dual-Use-Verordnung, auf der Agenda.

Chance USA

Das vierte Fachforum, „Chance USA“, mahnte, dass sich die hiesige Wirtschaft jetzt den USA zuwenden muss. Noch hat Corona das Land zwar im Griff, es wird jedoch auch wieder anders kommen. Es gilt, handlungsfähig zu sein, sobald US-Firmen wieder verstärkt investieren, Zulieferer suchen und Dienstleistungen einkaufen. Die USA, so waren sich die Panelteilnehmer einig, werden weiterhin einer der wichtigsten Märkte für deutsche Unternehmen sein.

Blick auf 2021

Die Konferenz war ein digitaler Zwischenstopp auf dem Weg zum 11. IHK-Außenwirtschaftstag NRW, der Corona-bedingt auf September 2021 verschoben wurde. Es ist unter Normalbedingungen im Zweijahresrhythmus die größte Außenwirtschaftskonferenz ihrer Art in NRW – jeweils federführend von einer IHK organisiert. Die IHK zu Essen hat sehr gern – nach 2008 bereits zum zweiten Mal – die koordinierende Rolle übernommen.

Zum Abschluss der 4-stündigen Konferenz hieß es: Auf Wiedersehen beim 11. IHK-Außenwirtschaftstag NRW am 23.09.2021 in Essen.

Interview: "Im Würgegriff der Pandemie? Eine kurze Weltreise mit…"

Andreas Henkel, Geschäftsführer der IHK Lippe zu Detmold, spricht mit Bernhard Steinrücke, Weltsprecher des Netzwerkes der deutschen Auslandshandelskammern (AHK) und Hauptgeschäftsführer der AHK Indien, Mumbai.

Zusammen mit "Reiseführer" Bernhard Steinrücke – dem AHK-Weltsprecher – begibt sich Andreas Henkel auf eine "Weltreise", auf der die beiden gemeinsam die Situation im internationalen Geschäft zu beleuchten. Thematisiert werden unter anderem die Lage in Indien – seit fast 20 Jahren die neue Heimat Steinrückes –, die Wahrnehmung der Corona-Krise durch die AHK-Kollegen an den 140 AHK-Standorten in 92 Ländern sowie deren Unterstützung deutscher Unternehmen vor Ort. Zudem blicken sie auf die weitere Entwicklung der Globalisierung und des Freihandels.


WEITERE THEMEN