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Betriebswirtschaftler, Basketball-Profisportler und Trainer - und nun auch ausgezeichneter Unternehmer: Admir Kulin aus Köln. Foto: Olaf-Wull Nickel
Porträt

Digital, smart und transparent

Die Kölner m.doc GmbH will mit dem Online-Portal m.Doc Patienten und Ärzte neu vernetzen. Eine Herkulesaufgabe – auch für den Gewinner der DIHK-Kampagne „We do digital“ in der Kategorie Gesundheitswesen und Firmengründer Admir Kulin, Unternehmer und Ex-Basketball-Profi.

Text: Anke Henrich

Es gibt gute Ideen, die liegen auf der Straße, und trotzdem traut sich keiner ran. Wie die Idee, dass Patienten überall und jederzeit Zugriff auf ihre medizinischen Daten, Röntgenbilder oder Diagnosen haben. Nicht nur im Notfall, sondern an den Schnittstellen  von Fachärzten und Kliniken, im Urlaub, für Videoanrufe bei ihren Ärzten. Alle nötigen Daten lägen auf einer geschützten Plattform, und einzig der Patient würde über ihren Zugriff entscheiden.

Der junge Kölner Unternehmer Admir Kulin erkannte 2016 das Potenzial dieser Idee. Beherzt, aber gut vorbereitet, ergriff er mit fünf Mitstreitern die Chance: „Diese digitalen  Dienstleistungen  in der Gesundheitswirtschaft bietet in Deutschland noch niemand an. Dabei ist das wirtschaftlich interessant, und es hilft ganz konkret kranken Menschen.“ Das sahen die Deutschen Industrie- und Handelskammern ähnlich. Im Juni zeichneten sie m.Doc im Rahmen ihrer Kampagne „We do digital“ als eine digitale Erfolgsgeschichte aus.

Datenschutz versus Digitalisierungsvorteile

Die Gesundheitswirtschaft ist die größte Branche der Republik: rund 80 Millionen  Kunden, 5,3 Millionen Mitarbeiter, fast 350 Milliarden Euro Umsatz jährlich. Tendenz: zuverlässig steigend. Ausgerechnet hier, wo die Digitalisierung unbestritten Kosten senken kann, tun sich die Deutschen im internationalen Vergleich besonders schwer, zum Beispiel aus (datenschutz-) rechtlichen Gründen. Der 36-jährige Admir Kulin formuliert es diplomatisch: „Ich verstehe die Sorgen beim Datenschutz und auch die Rückfragen der Krankenversicherungen nach deren Vorteil aus einer Plattform. Es geht ja um das Geld ihrer Kunden.“


Dabei scheint die Zeit reif für seine digitale Idee. Längst nutzen die Deutschen täglich Online-Plattformen. Im Internet buchen sie Flüge, zahlen ihre Rechnungen oder suchen die Liebe. Dass sie im Gegenzug ihre Daten großzügig feilbieten, hat die Kundschaft in Zeiten von Facebook und Smartphones weitestgehend akzeptiert oder nimmt es zumindest hin.

Apple und Google als Konkurrenz

Doch für das Speichern und Weiterleiten von sensiblen Daten wie Gesundheits- bzw. Krankendaten sind die rechtlichen Grenzen eng gesteckt. Diese Qualitätshürde muss auch Kulin nehmen: „Unsere Kunden entscheiden deshalb grundsätzlich selbst, wer auf ihre Daten zugreifen darf“, sagt der Kölner Unternehmer.

Der geregelte Zugang reicht allerdings bislang noch nicht, um als Neuling auf diesem sensiblen Markt langfristig  zu überleben. Dazu ist der Rückenwind erster kooperierender Krankenversicherer, die ihre Kunden so schneller, effizienter und günstiger versorgen wollen,  noch zu schwach. „Deshalb ist es für uns als junges Unternehmen entscheidend, offen und transparent zu agieren“, ergänzt Kulin. Was im Übrigen auch gegenüber den Finanziers des Portals gilt. „Wir sind die First Mover, also die Ersten mit diesem Geschäftsmodell in Deutschland“, sagt Kulin. Er weiß:  Das hat Vor- und Nachteile. Agiert m.Doc schlau, schnell und lernfähig, können sich die Kölner auf diesem Milliardenmarkt etablieren.

Die Konkurrenz sitzt in den USA und trägt so klangvolle Namen wie Apple oder Google – und hat die Taschen voller Geld. Bis sie den deutschen Markt systematisch aufrollen, ist es nur noch eine Frage der Zeit, sind Branchenkenner überzeugt. Noch analysieren sie, welche Fehler die First Mover dort machen. Doch da lächelt Kulin im Gespräch: „Möchten  Sie denn Ihre Daten lieber bei einem Unternehmen ‚made in Germany’ hinterlegen oder in einer Cloud in Amerika?“

„Blauäugig sind wir jedoch nicht“, schiebt er gleich nach. „Unsere größten Herausforderungen sind es, unser Wachstum zu finanzieren und den Anbietern auf unserer Plattform klarzumachen: Uns gibt es auch noch in fünf Jahren!“ Hat er Angst zu scheitern? „Fracksausen kennt jeder Gründer. Aber ich kann jedem nur raten: Davon darf man sich nicht abhalten lassen.“

Vertrauen – eine gute Gabe für Gründer

Kulin weiß seit Ende der 1990er Jahre mehr über Gefahren und Durchhaltevermögen, als man es einem damals Zehnjährigen wünscht. Im Jugoslawienkrieg geriet seine Familie zwischen die Fronten. Sie packte, flüchtete und strandete in Mannheim. Der Schüler Kulin kämpfte sich durch. Er studierte Betriebswirtschaftslehre, wurde Profisportler und Trainer, arbeitete für einen Sportartikler, den Nürburgring und eine Telemedizinfirma. Das alles, weil er sich reinkniete – und auch, weil ihm andere ihr Vertrauen schenkten. Ein wenig mehr von dieser guten Gabe für Gründer wünscht er sich manchmal: „Auch bekannte Unternehmen waren mal klein. Nur weil ihnen andere vertraut haben, gibt es hier heute so viele Weltmarktführer.“

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