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Die unterschätzte Gefahr

Auch abseits großer Flüsse drohen erhebliche Schäden durch Hochwasser oder Starkregen, die für Unternehmen existenzbedrohend sein können. Die IHK Köln bietet in einer Veranstaltung Infos über Risiken und Vorsorgemöglichkeiten.

Text: Werner Grosch

Bei ZF in Passau werden sie den Juni 2013 nie vergessen. Die Fabrik steht tagelang unter Wasser, danach türmt sich der Schlamm meterhoch vor den Hallen. Der Schaden: ein zweistelliger Millionenbetrag. Der Autozulieferer hat das gerade noch verkraftet, viele kleine Betriebe an diesem Abschnitt der Donau dagegen nicht. Und die meisten davon hätten sich nicht vorstellen können, dass ein Hochwasser sie in den Ruin treiben könnte. Dabei sprechen die Zahlen, auch wenn sie nicht ganz genau sind, eine deutliche Sprache: Allein in Deutschland und allein seit 2002 hat es nach einer EU-Berechnung Hochwasserschäden in Höhe von 34 Milliarden Euro gegeben. Und die treffen Unternehmen wie Privathaushalte und öffentliche Einrichtungen.

In den vergangenen Jahren aber ist es im Rheinland immer glimpflich ausgegangen. Weil jedoch mit einem folgenschweren Hochwasser immer zu rechnen ist, möchte die IHK Köln Unternehmen sensibilisieren und zur Vorsorge motivieren. Dazu bietet sie am 11. Juli 2018 eine Veranstaltung mit Experten an (siehe Kasten). Auf öffentliche Hilfe oder Versicherungsschutz allein sollte man sich jedenfalls nicht verlassen, denn in Paragraf 5 des Wasserhaushaltsgesetzes steht eindeutig, dass jede Person, die durch Hochwasser betroffen sein kann, verpflichtet ist, „geeignete Vorsorgemaßnahmen zu treffen“.

Kostenlose Tipps zur Vorsorge

Bei der Veranstaltung am 11. Juli 2018 informiert die IHK Köln über alle wichtigen
Aspekte des Themas Hochwasserschutz. Neben einem Rechtsexperten
wird unter anderem auch der Leiter der Kölner Hochwasserschutzzentrale
referieren. Die Teilnahme ist kostenlos, weitere Infos und Anmeldung:

www.ihk-koeln.de/176601

Wer also weiß, dass er in einem gefährdeten Gebiet lebt oder wirtschaftet, muss handeln. Nur: Viele wissen das gar nicht. „Oft wird die Gefahr auch an kleinen Bächen, durch Starkregen oder durch hochsteigendes Grundwasser unterschätzt“, sagt Claudia Schwokowski von der IHK Köln. Sie rät deshalb zum Beispiel auch allen Unternehmen, zu klären, ob sie in einem Überschwemmungsgebiet liegen. Ein solches Gebiet kann auch lange nach der Ansiedlung des Betriebes noch ausgewiesen werden, und wenn das so ist, bedeutet dies: Das Gebiet wird bei Hochwasser in jedem Fall überflutet. Außerdem gilt in diesen Gebieten für Betriebsanlagen zwar Bestandsschutz, aber wesentliche Änderungen oder Erweiterungen sind dann nur noch in Ausnahmefällen möglich.

Wo Überschwemmungsgebiete liegen, zeigen für Köln die Karten, die die Stadtentwässerungsbetriebe im Internet bereitstellen. Seit einigen Jahren gibt es für ganz NRW unter www.flussgebiete.nrw.de Hochwasserkarten, die Auskunft darüber geben, wie hoch das Risiko an welchem Ort ist (siehe Info-Kasten).

Der DIHK hat zu dem Thema einen Leitfaden herausgegeben, der alle wichtigen Informationen und Tipps enthält. Dazu gehört auch das Thema Versicherung, das genau betrachtet werden will. Denn zum einen sind Versicherungen in besonders gefährdeten Gebieten gar nicht oder nur zu sehr hohen Prämien möglich, zum anderen können fatale Klauseln versteckt sein wie beispielsweise die Vorschrift, in Räumen, die unter der Geländeoberkante liegen, Gegenstände mindestens zwölf Zentimeter über dem Fußboden zu lagern.

Im Rahmen ihrer Standortberatung weist die IHK Köln regelmäßig auch auf das Thema Hochwasser hin. „Bei Neuansiedlungen sollte man Überschwemmungsgebiete auf jeden Fall meiden“, rät Claudia Schwokowski. Denn Nachsorge ist bekanntlich teurer als Vorsorge. Beim Autozulieferer verursachte letztlich beides enorme Kosten: Nach dem hohen Sachschaden musste das Unternehmen fünf Millionen Euro in den Schutz vor künftigen Hochwassern investieren.

 

Gefahrenkarten zeigen Risiken für eigenen Standort

Wer sich über das Überschwemmungsrisiko an seinem Standort informieren möchte, kann dies über die Website www.uvo.nrw.de tun. Dort finden sich Gefahrenkarten für das gesamte Bundesland. Informationen über örtliche Gegebenheiten bieten auch die jeweils örtlichen Einrichtungen, so in Köln die Stadtentwässerungsbetriebe, im Rhein-Erft-Kreis der Erftverband, für den Rheinisch-Bergischen-Kreis der Strundeverband, in Leverkusen die Technischen Betriebe, im Oberbergischen bei der Kreisverwaltung oder beim Aggerverband.

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