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Florian Wagner verschafft seit zehn Jahren Unternehmen einen neuen Energieschub. Foto: Peter Boettcher
Porträt

Die Zweite Luft für Unternehmen

Kurz bevor ein Marathonläufer schlappmacht, bekommt er die Zweite Luft – einen unverhofften Energieschub. Einen solchen Turbo-Boost gibt es auch für Unternehmen, die sich auf Märkten festgefahren haben: Das Kölner Beratungsunternehmen Licennium, gegründet und geführt von Florian Wagner.

Text: Patrick Schroeder

Der US-amerikanische Medienkonzern Disney verdient Abermillionen Euro allein damit, dass er dem Spielzeughersteller Lego erlaubt, Figuren und Raumschiffe aus dem Star-Wars-Universum zu produzieren. Ein passives Einkommen, das Disney wertvoller macht, und ein Geschäft, das Lego vor dem Untergang bewahrt hat. „Es ist faszinierend, was man mit der Vergabe von Rechten alles aufbauen kann“, schwärmt Florian Wagner, der seit zehn Jahren von Köln aus jeden Tag genau das tut. Mit seinem Unternehmen Licennium GmbH will der 50-Jährige andere Unternehmer dabei unterstützen, Erlös und Wert ihres Betriebs zu erhöhen. Ein Eckpfeiler seiner Geschäftsidee ist gleichzeitig eines seiner Steckenpferde, das er nach seinem BWL-Studium jahrelang gepflegt hat: die Lizenzierung. Kunden legen dabei geistiges Eigentum in die Hände zahlungswilliger Unternehmen.

Aus einer Frauenzeitschrift wird eine Modemarke

Wie das funktioniert, zeigt das Beispiel der französischen Frauenzeitschrift Marie Claire, die Wagner schon in der Anfangsphase seines Beratungsunternehmens im Jahr 2007 beriet. Seine Idee: Marie Claire ist ein Klassiker, der weltweit Millionen von Frauen eine Orientierung bei Mode- und Stilfragen bietet. Warum nicht diesen mächtigen Namen nutzen, um Modehersteller per Lizenzierung von der Bekanntheit profitieren zu lassen? Gesagt, getan. Versandhändler Otto übernimmt die Marke für Accessoires, Bademoden und Nachtwäsche. Ein wirtschaftlicher Erfolg für Marie Claire.

Von der Seifenblase zur Lifestyle-Marke

Eine von Wagners Lieblingsideen allerdings – weil fest verankert in der eigenen Kindheit – ist Pustefix, das Traditionsunternehmen aus Tübingen, das seit über 60 Jahren Kinder mit Seifenblasen beglückt. Wagner begleitet die Verwandlung in eine Lifestyle-Marke für Kinder. Eltern sollen nicht mehr nur die ikonischen blauen Röhrchen mit Seifenlauge kaufen, sondern auch Bekleidung, Papeterie und Möbel.

Heute denkt Wagner noch über das Lizenzierungsgeschäft hinaus. Ihm geht es darum, vorhandene Technologien in neuem Licht zu sehen, neue Anwendungsmöglichkeiten zu finden. Wagner hat dafür ein internationales Netzwerk mit freien Mitarbeitern aufgebaut – darunter Ingenieure, Betriebswirte, Architekten und Soziologen. Gemeinsam nehmen die Experten Technologien, Produkte und Geschäftsmodelle der Kunden unter die Lupe, beratschlagen, wie sich Bestandstechnologie in neuem Kontext nutzen lässt.

Wagner nennt diese Dienstleistung Value Transformation, er selbst versteht sich als Value-Coach. Etwas anschaulicher vergleicht er das Beratungsunternehmen mit der Zweiten Luft – dieser Begriff bezeichnet im Sport das Phänomen, wenn zum Beispiel ein Marathon-Läufer kurz vor der Erschöpfung einen unerwarteten Energieschub bekommt. „Geht die Luft in den Kernmärkten aus, ist unsere Beratung die Zweite Luft, der Booster, der neue Märkte für Bestandstechnologien findet“, erklärt Wagner, der sich in seiner Freizeit tatsächlich auf Marathonläufe vorbereitet.

Ein Textil-Vlies als Diäthilfe

„Wir liefern nicht nur Ideen und Konzepte für neue Geschäftsmodelle, sondern ermöglichen dank unserer Vertriebserfahrung auch die Umsetzung – das ist eines unserer Alleinstellungsmerkmale“, sagt Wagner. Einem Textilhersteller half er dabei, seine Dekorationsstoffe auf Glas aufzubringen und so schicke Wandpaneele zu schaffen, einem Hersteller von Vliesstoffen dabei, sein Vlies unter dem Namen SlimPad in Asien als Küchenprodukt auf den Markt zu bringen. SlimPad zieht Fett und somit überschüssige Kalorien aus gekochter Nahrung.

Licennium will auch als „Booster" für solche Unternehmen dienen, die den Anschluss an die Ära der Digitalisierung und Industrie 4.0 finden wollen. Ein Beispiel: Ein Betrieb stellt seit Jahrzehnten Rauchmelder her, nun ist der Markt gesättigt. Wagner schlägt vor, mit einem Hersteller von CO2-Sensoren zusammenzuarbeiten. Es soll ein High-Tech-Rauchmelder entstehen – ein vernetztes Gerät, das nicht nur bei Feuer Alarm schlägt, sondern einen hohen CO2-Gehalt im Schlafzimmer meldet und damit besseren Schlaf ermöglicht. „Das Unternehmen würde damit den Wachstumsmarkt der Smart Homes betreten, mit einem zukunftsfähigen High-Tech-Produkt in der Tasche.“

Und wie steht es um die Expansion von Licennium selbst? 2018 soll das Jahr des Wachstums werden, kündigt Wagner an. Das Beratungsunternehmen, das in Köln derzeit sechs Angestellte hat und ein Büro in Hong Kong hält, will Büros auch in den USA aufbauen, das Netzwerk vergrößern.