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Schulleiterin Kathrin Jung mit den Kindern der Klasse 2b, die den Gegenständen der Experimentiereinheit ihre Eigenschaften zuordnen. Foto: Astrid Piethan
Leben

Die Schule der Nachwuchs-Forscher

„Das rollt!“ – „Nee, das rutscht!“ – „Das rollt nicht, aber man kann es stapeln!“ Manchmal ist es gar nicht so einfach, die physikalischen Eigenschaften von Alltagsgegenständen genau zu erkennen und zu beschreiben. Und genau darum geht es in der TuWaS!-Experimentiereinheit „Festkörper und Flüssigkeiten“, mit der die Kinder in der Gemeinschaftsgrundschule An den Kaulen in Köln-Worringen in diesem Halbjahr arbeiten. Die Klasse 2b hat sich erstmal die Festkörper vorgenommen. Tischtennisbälle, Haarklammern, Würfel, Muttern oder Unterlegscheiben – alles Gegenstände, die die Schülerinnen und Schüler sehr aufmerksam untersuchen. Rollt das nun? Oder kann man das stapeln? Oder sogar beides? Wenn letzteres stimmt, dann kommen die Bilder der Gegenstände in die Schnittmenge eines „Venn-Diagramms“ an der Tafel.

Staatssekretärin Serap Güler ist begeistert von der TuWaS!-Einheit.
Foto: Astrid Piethan

Mit "TuWaS!" Interesse für Technik und Naturwissenschaften fördern

Die Kinder experimentieren mit den eigenen Händen, beobachten selbst und werden so zu kleinen Forschern. Auf diese Weise will die Initiative „TuWaS! – Technik und Naturwissenschaften an Schulen“, die im Rheinland von den Industrie- und Handelskammern Köln und Bonn/Rhein-Sieg getragen wird, Neugier wecken und das Interesse an technischen und naturwissenschaftlichen Themen fördern. Außerdem kann „Festkörper und Flüssigkeiten“ besonders gut auch zur Sprachförderung genutzt werden, denn Wort-Karten helfen beim Erkennen der Gegenstände und ihrer Eigenschaften. In einer Klasse wie der 2b mit rund 40 Prozent Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund ist auch das sehr wichtig.

TuWaS! als Integrations-Helfer

TuWaS! als Mittel der Integration, dieser Aspekt hat auch bei Serap Güler Interesse geweckt. Die NRW-Staatssekretärin für Integration hat die Schule jetzt besucht und sich genau schildern lassen, wie die Arbeit mit den Einheiten funktioniert. Mit großer Konzentration und ebenso großer Begeisterung führten die Kinder ihr die Experimente vor. Dazu braucht es nicht viel: Einen Eimer, einen Tisch, ein Lineal, das schräg angesetzt wird, und schon lässt sich untersuchen, ob so ein Festkörper nun rollt oder doch bloß runterrutscht. „Es kommt hier nicht darauf an, woher ein Kind kommt, wie es aussieht oder wie gut es Deutsch spricht, sondern nur darauf, wie man es begeistern kann“, sagte die Staatssekretärin, selbst begeistert. Und natürlich sei es schön, wenn sich viele von ihnen später für einen naturwissenschaftlich-technischen Beruf entscheiden würden, aber: „Entscheidend ist nur, dass der Zugang geschaffen wird.“

Beim Schulbesuch in Worringen (v.l.): IHK-Hauptgeschäftsführer Ulf Reichardt, Schulamtsdirektorin Claudia Zeißig, TuWaS-Koordinatorin Iris Wirths, Staatssekretärin Serap Güler, Schulleiterin Kathrin Jung und Dr. Anne-Gret Iturriaga Abarzua von INEOS.
Foto: Astrid Piethan

INEOS: Förder-Partner für 36 Schulen

142 Schulen der Region nutzen derzeit TuWaS!. Jede hat einen Förderer aus der Wirtschaft, der den Einsatz der Experimentiereinheiten finanziert. Die Gemeinschaftsgrundschule An den Kaulen war vor mehr als zehn Jahren eine der ersten im Rheinland, die TuWaS! im Sachunterricht einsetzten. Und seither unterstützt das benachbarte Unternehmen INEOS in Köln dieses Projekt. Alle Jahrgänge der Grundschule arbeiten mit jeweils einer der Einheiten, von denen derzeit zwölf im Angebot sind. Zum Beispiel „Lebenszyklus eines Schmetterlings“ für die Kleinsten, „Chemische Tests“ für die Ältesten.
Dass dieses Engagement des Unternehmens sich lohnt, weiß Dr. Anne-Gret Iturriaga Abarzua, Leiterin der Kommunikation bei INEOS in Köln, ganz genau. Lehrer von weiterführenden Schulen hätten ihr schon oft gesagt: Wir merken das genau, wenn wir „TuWaS!-Kinder“ bekommen. Sie seien besonders neugierig, genau und strukturiert. INEOS in Köln ist heute mit 36 Schulen der größte Förderer im Rheinland.

Positiv vorbereitet in die weiterführenden Schulen

Den Wert von TuWaS! unterstreicht Schulleiterin Kathrin Jung: „Die Kinder gehen mit einer positiven Einstellung zu Fächern wie Chemie und Physik in die weiterführenden Schulen. Unser Sachunterricht hat dank der Experimentiereinheiten eine ganz neue Qualität gewonnen. Und die Begeisterung ist bei Mädchen und Jungen gleich groß.“
Begeisterung ist also ein wiederkehrendes Stichwort. Auch bei IHK-Hauptgeschäftsführer Ulf Reichardt, der die Staatssekretärin beim Besuch in der Schule begleitete und den Eindruck aller Besucherinnen und Besucher auf den Punkt bringt: „Was hier passiert, das kann niemanden unbegeistert lassen.“

Weitere Infos zu TuWaS! auf der Webseite der IHK Köln: www.ihk-koeln.de/105

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