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Hans Günter Grawe hat schon an den Kölner Ringen Erfahrungen mit dem Engagement für bessere Standortbedingungen gesammelt. Als „Handelskümmerer“ soll er dem Kölner Einzelhandel bei Politik und Verwaltung mehr Gehör verschaffen. Foto: Peter Boettcher
Porträt

Die Kräfte des Handels bündeln

Mit einem „Handelskümmerer“ möchten die Kölner Interessen- und Werbegemeinschaften des Einzelhandels ihre Anliegen bündeln, um mehr Gehör bei Politik und Verwaltung zu finden.

Interview: Werner Grosch

Herr Grawe, der Handelskümmerer ist eine ganz neue Wortschöpfung. Was können Sie in dieser Aufgabe tun?

Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, dass die Anliegen der Interessengemeinschaften wirklich gehört werden. Und das funktioniert am besten, wenn sie sich untereinander stärker vernetzen. Das will ich fördern und vorantreiben.

Sie haben als Mitglied der Initiative „Einrichtungsmeile Kölner Ringe“ Ihre eigenen Erfahrungen mit Standortproblemen gemacht. Welche waren die wichtigsten?

Das Image der Ringe hat ja massiv gelitten. Drogenkonsum, Obdachlosigkeit und nächtliche Schlägereien beherrschten über Jahre die Berichterstattung in den Medien. Und das führte dazu, dass viele potenzielle Kunden die Einkaufsmeile als unattraktiv und teils sogar gefährlich empfanden. Diese Probleme sind immer noch nicht alle gelöst, aber ohne die enge Zusammen­arbeit von Geschäftsleuten, Politik und Verwaltung geht da gar nichts.

Die Idee des Kümmerers kam aus dem Handel selbst. Spüren Sie in den ersten Monaten Ihrer Tätigkeit Rückendeckung?

Absolut. Die einzelnen IGs haben in ihren Vierteln oft ähnliche Probleme, zum Beispiel mit dem Mangel an Parkmöglichkeiten, einem schmutzigen Straßenbild oder Leerständen. Wenn wir diese Interessen bündeln, dann haben wir die Chance, eine stärkere Stimme zu bekommen.

Ihre Position ist ein völlig neues Modell. Steht es auf festen Beinen?

Mit der IHK Köln ist ein starker Projektpartner an Bord. Zudem unterstützt die Wirtschaftsförderung der Stadt Köln das Pilotprojekt. Außerdem überprüft das Institut für Handelsforschung (IFH) den praktischen Nutzen. Das alles ist eine sehr gesunde Basis für meine Arbeit. Und vielleicht lassen sich unsere Erfahrungen dann auch erfolgreich auf andere Städte übertragen.

Welche Maßnahmen konnten Sie in den ersten Monaten anstoßen?

Von Anfang an war klar, dass wir Missstände erst mal sammeln, bewerten und dann auch öffentlich deutlich benennen müssen. Das haben wir zunächst für die Aachener Straße im Bereich Braunsfeld getan. Unsere Faktensammlung enthält viele Punkte – von fehlenden Sitzbänken und „Fahrradleichen“
über schlechte Parksituationen bis hin zum Verschönerungsbedarf bei den Grünflächen. Solche Faktensammlungen planen wir für weitere Stadtteile, dort werden sie dann zunächst in den Bezirksvertretungen diskutiert.

Sind die Fakten nicht ohnehin bekannt?

Der Mehrwert einer solchen Faktensammlung liegt darin, dass wir systematisch und strukturiert in den Dialog mit Politik und Stadtverwaltung einsteigen können. Diese Bündelung von Themen ist effizienter, als sich mit vielfachen Einzelfragen zu beschäftigen.

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