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Wie können Tourismus-Betriebe Personal finden und halten? Auch für diese Fragen liefert das Schulungsangebot neue Impulse und handfeste Tipps. Foto: Pixabay
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Die Innovationswerkstatt für den Tourismus

Fachkräfte finden, die Digitalisierung managen - Die Innovationswerkstatt NRW bietet touristischen Betrieben die Chance, sich fit für die Zukunft zu machen. Die IHK Köln engagiert sich intensiv für das Impulsprogramm aus Workshops und Seminaren.

Text: Werner Grosch

Fachkräftemangel - ein vielbenutztes Schlagwort gerade im Tourismus. Was da dran ist, erlebt Eva Köser jeden Tag. Die Personalverantwortliche des Tagungshotels Maria in der Aue in Wermelskirchen hat immer wieder Probleme, Stellen zu besetzen. Und das liegt nicht bloß am generell mäßigen Image der Berufe in der Hotelbranche und den herausfordernden Arbeitszeiten, sondern in ihrem Fall auch an der eigentlich wunderschönen Lage des Hotels. "Wir sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht zu erreichen, man braucht unbedingt ein Auto", sagt sie. Und das führt zum Beispiel dazu, dass sie Bewerbungen von 16 oder 17 Jahre alten Schulabgängern nicht annehmen kann, weil die eben noch nicht Auto fahren dürfen.

Seminar in der Innovationswerkstatt

Mit der Situation abfinden will sich Eva Köser aber nicht. Sie hat deshalb an einem Seminar der Touristischen Innovationswerkstatt NRW teilgenommen. Der Kurs ist Teil des im vergangenen Jahr angelaufenen „Impulsprogramms“, das wiederum Kern der Innovationswerkstatt ist. Dieses Landesprogramm läuft bis 2019 und ist mit drei Millionen Euro Fördermitteln ausgestattet. „Das ermöglicht es, die Seminare zu sehr günstigen Preisen von 40 bis 60 Euro anzubieten, und das mit hochqualifizierten Dozenten, direkt in der Nähe der Betriebe und in kleinen Gruppen", erklärt Julia Baltin, die bei der IHK Köln eigens für das Projekt eingestellt wurde. Die IHK Köln gestaltet und bewirbt das Programm in der Region gemeinsam mit dem Rhein-Erft-Tourismus e.V. und der Naturarena Bergisches Land GmbH.

Tourismus als Zukunftsmotor

Für Alexander Hoeckle, Geschäftsführer International und Unternehmensförderung der IHK Köln, ist das ein wichtiges Engagement: "Unser Ziel ist es nicht nur, die Tourismuswirtschaft als Zukunfts- und Wachstumsmotor ins Bewusstsein zu rücken, sondern sie auch fit für die Zukunft zu machen." Die Innovationswerkstatt ist damit eine gute Ergänzung zu bestehenden IHK-Angeboten wie der Fachkräfteberatung oder den Finanzierungssprechtagen, die nicht nur, aber auch der Tourismusbranche zugutekommen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Julia Baltin sich ganz auf das Projekt konzentrieren kann. Sie fährt oft in Betriebe und erfährt direkt, welche Themen auf den Nägeln brennen, wo es Unterstützungsbedarf gibt. Nicht selten geht es dann auch um Aspekte der Digitalisierung. Wie reagiert man auf das veränderte Buchungsverhalten der Gäste? Wie funktioniert Online-Marketing am besten? Wie geht man mit den gerade in der Hotelbranche sehr wichtig gewordenen Bewertungsportalen um – gerade, wenn mal eine Bewertung schlecht ausfällt?


Die Veranstaltungen der Innovationswerkstatt geben Antworten darauf. Die Dozenten sind nicht nur in ihren Fachgebieten geschult, sondern haben auch eigene praktische Erfahrung in der Branche.

Maßnahmen für Mitarbeiter direkt umgesetzt

Eva Köser hat von ihrem Seminar jedenfalls profitiert, vor allem in einem Punkt: Mitarbeiterbindung. Denn es geht ja nicht nur darum, Personal zu finden, sondern auch darum, es möglichst langfristig zu halten. Dafür hat das Tagungshotel schon einige Angebote entwickelt. Zum Beispiel eine fixe 5-Tage-Woche, die in der Branche nicht selbstverständlich ist. Und die Garantie von zwei Wochen Urlaub während der Sommerferien, die gerade für Beschäftigte mit Kindern sehr wichtig ist - aber alles andere als einfach zu realisieren, denn das Tagungshotel ist im Sommer mit Familienfreizeiten voll ausgebucht.

Aus dem Seminar hat Eva Köser mitgenommen, dass es auch einige andere Möglichkeiten gibt, die sogar leichter umzusetzen sind. Das hauseigene Schwimmbad, die hauseigenen Fahrräder, die Kinderbetreuung - all das wird nun auch den Mitarbeitern angeboten. Gemeinsame Aktivitäten wie Klettern im - ebenfalls hauseigenen - Hochseilgarten fördern das Arbeitsklima. Vielleicht noch wichtiger ist der Plan, solchen Mitarbeitern, die im Haus gelernt haben und noch mindestens zwei weitere Jahre da sind, die Fortbildung zum Gastronomie-Betriebswirt zu ermöglichen. Ein klares Konzept, um Chancen und Perspektiven zu bieten: Kein schlechtes Ergebnis für ein Seminar.

Fakten zum Tourismus in der Region

Wie wichtig die Tourismusbranche für die gesamte Region - und nicht nur für Köln - ist, unterstreicht das jüngst von der IHK-Initiative Rheinland herausgegebene Tourismusbarometer Rheinland. Das Rheinland insgesamt verzeichnete im Jahr 2016 rund 27,3 Millionen Übernachtungen in Betrieben mit mehr als zehn Schlafgelegenheiten. Das entspricht 55 Prozent aller gewerblichen Übernachtungen in NRW.

Im IHK-Bezirk Köln, der neben den Städten Köln und Leverkusen den Rhein-Erft.-Kreis, den Oberbergischen und den Rheinisch-Bergischen Kreis umfasst, erwirtschaften rund 16.000 touristische Unternehmen insgesamt einen jährlichen Umsatz von mehr als sechs Milliarden Euro. Das bedeutet ein Steueraufkommen für die öffentlichen Haushalte von rund 670 Millionen Euro.

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Julia Baltin

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