Stichwortsuche

Eines der vordringlichsten Infrastrukturprojekte ist in der Kölner Region der Brückenausbau. Foto: Olaf-Wull Nickel
Blickpunkt

Der große Brückenschlag

Wenn der Verkehr nicht fließt, leidet nicht nur die Wirtschaft, sondern die gesamte Bevölkerung. Deshalb setzt sich die IHK Köln vor und hinter den Kulissen für Sanierung und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ein, wie zwei prominente Beispiele zeigen.

Text: Lothar Schmitz

„Ich gehe davon aus, dass ich die neue Rheinbrücke bei Wesseling in meinem Berufsleben noch befahren werde!“ Dr. Arndt Selbach ist optimistisch. Das darf in seinem Metier auch gar nicht anders sein. Der 48-Jährige ist Unternehmer, seit 1. Dezember leitet er die beiden rheinischen Werke der Evonik Technology & Infrastructure GmbH in Wesseling und Lülsdorf mit insgesamt 1.900 Beschäftigten. Bei Unternehmern ist Optimismus quasi Teil der DNA. Auch als Vorsitzender des IHK-Wirtschaftsgremiums Wesseling, in dem sich zurzeit 17 Unternehmerinnen und Unternehmer aus verschiedenen Branchen der örtlichen Wirtschaft ehrenamtlich für den Wirtschaftsstandort engagieren, ist Selbach überzeugt, gemeinsam die gesteckten Ziele erreichen zu können. Eines der zentralen Ziele ist seit vielen Jahren eine neue, zusätzliche Rheinquerung.

Der Optimismus könnte berechtigt sein. „Die Frage lautet ja nicht mehr ‚ob‘, sondern ‚wann‘ die Brücke kommt“, sagt Michael Kreuzberg, Landrat des Rhein-Erft-Kreises, auf Anfrage von „IHKplus“. „Die Dringlichkeit einer weiteren Rheinquerung steht außer Frage. Nur weil der vom Bund ermittelte Bedarf so hoch ist, konnte das Projekt überhaupt in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans gelangen.“
Die Rede ist von einer neuen Autobahnverbindung zwischen der A555 bei Wesseling und der A59 bei Lülsdorf. Sie würde die Rodenkirchener Brücke auf Kölner Stadtgebiet, die seit der Sperrung der Leverkusener Autobahnbrücke für den Schwerlastverkehr besonders stark frequentiert ist, und die Nordbrücke in Bonn, die demnächst umfassen saniert wird, massiv entlasten.

Noch sind die Planungen in einem frühen Stadium. Der genaue Standort der Brücke ist noch umstritten, auch insgesamt gibt es viel Widerstand in der Bevölkerung. Den möchten die im IHK-Wirtschaftsgremium engagierten Unternehmer durch Aufklärung reduzieren. „Wir waren sehr überrascht über die negative Presse, als die konkreten Brückenpläne erstmals vorgestellt wurden“, sagt Selbach. „Die derzeitige Verkehrssituation im Rheinland reduziert ja die Lebensqualität der gesamten Bevölkerung, nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der hier ansässigen Firmen.“ Von Staus und Verspätungen seien alle betroffen. „Eine gute Infrastruktur ist die Grundlage für unseren Wohlstand“, betont Selbach, „das wollen wir deutlich machen.“

Wichtige IHK-Aufgabe: Einsatz für die Verkehrsinfrastruktur

Mit „wir“ meint Selbach die Unternehmerinnen und Unternehmer, aber auch die IHK insgesamt. „Der Einsatz für die Wirtschaftsregion gehört zu den Grundaufgaben einer Industrie- und Handelskammer“, betont Dr. Ulrich S. Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Köln und verantwortlich für Standortpolitik, „und die Verkehrsinfrastruktur spielt dabei eine wesentliche Rolle.“ Eben weil von ihrem Zustand viel mehr abhängt als nur das Wohl ansässiger Betriebe. Das bestätigt auch die Politik.

„Kritiker des Neubaus können durchaus bedenkenswerte Einwände nennen und für schonende Trassenführungen streiten. Das ist wichtig und zu berücksichtigen“, sagt Landrat Kreuzberg. „Aber unter dem Strich ist der Nutzen eines Neubaus für unsere verkehrlich hoch belastete Region so groß, dass wir alle profitieren werden; auch die Kritiker.“ Denn von einem besseren Verkehrsfluss und der Entlastung der hochfrequentierten Trassen im Rheinland profitiere schlicht jeder, ob direkt oder indirekt. „Wir alle nutzen die öffentlichen Straßen, entweder selbst oder zumindest als Konsumenten der Waren, die auf ihnen transportiert werden“, betont Kreuzberg.

Deshalb setzt sich die IHK seit vielen Jahren unter anderem für eine zusätzliche Rheinquerung ein. Sie tut das auf vielfältige Weise. Durch regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit. Durch Lobbyarbeit auf Landes- und Bundesebene. Durch Hintergrundgespräche mit Politikern und Verwaltungsfachleuten. Die IHK ergreift frühzeitig das Wort, bringt Ideen ein und sorgt dafür, dass wichtige Themen nicht wie Eintagsfliegen schnell wieder das Licht der Öffentlichkeit verlassen. Im Fall der Wesselinger Brücke veranstaltete sie gemeinsam mit der Stadt Wesseling 2013 auch eine große Kommunalkonferenz. „Die Einstufung als vordringlicher Bedarf im Bundesverkehrswegeplan geht auch auf die jahrelange Arbeit unseres Haupt- und Ehrenamtes zurück“, betont Soénius.

Zudem nimmt die IHK Köln auch von Gesetzes wegen Stellung zu Vorhaben in ihrem Bezirk: Laut Baugesetzbuch müssen die Kommunen in Deutschland unter anderem die IHKs im Rahmen ihrer Bauleitplanung anhören, denn sie sind „Trägerin öffentlicher Belange“. Fast 300 offizielle Stellungnahmen  gibt die IHK Köln in diesem Zusammenhang pro Jahr ab. Stets geht es darum zu prüfen, ob Unternehmen von einzelnen Vorhaben betroffen sind, etwa durch neue Wohnbebauung in Gewerbenähe.

Ein riesiger Erfolg: der schnelle Neubau der Leverkusener Autobahnbrücke

Wenn es läuft auf den Schienen und Straßen, wirkt sich das auf die gesamte Region aus. Wenn nicht, ebenfalls. Nur eben negativ. Und damit sind wir bei Rheinkilometer 700, in Leverkusen. Die dortige Autobahnbrücke ist über 50 Jahre alt, war einst für 36.000 Fahrzeuge ausgelegt und ist seit fünf Jahren für Fahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen gesperrt. Der Grund: Im Laufe der Jahrzehnte stieg die Zahl der Fahrzeuge auf der A1 zwischen den Autobahnkreuzen Köln-Nord und Leverkusen auf 120.000, die Brücke erreichte ihre Belastungsgrenze. Und überschritt sie. Diagnose: „kritischer Bauwerkszustand“, Gefährdung von Stand- und Verkehrssicherheit.

Die Therapie: Neubau. Mehr noch: Ausbau der A1 auf acht Fahrstreifen zwischen Köln-Niehl und Leverkusen-West inklusive Neubau der Rheinbrücke Leverkusen, Abriss der bisherigen Brücke und Umbau des Autobahnkreuzes Leverkusen-West. „Eine der größten und herausforderndsten Baumaßnahmen Nordrhein-Westfalens in den nächsten beiden Jahrzehnten“, wie es auf der Homepage des Landesbetriebs Straßenbau NRW heißt.
Und eine unausweichliche, könnte man hinzufügen, angesichts des aktuellen und prognostizierten Verkehrsaufkommens . Deshalb hat sich die IHK Köln vehement für das Megaprojekt eingesetzt, ebenfalls auf allen Ebenen. Es begann mit einer Resolution der Vollversammlung zur Brückensperrung. Die Unternehmerschaft mahne dringenden Handlungsbedarf an, „um wirtschaftlichen Schaden von den Unternehmen in der prosperierenden Wirtschaftsregion Köln abzuwenden“.

Einer, der die Resolution mittrug, ist Dr. Roman Milczarek. Der Leverkusener Unternehmer, Geschäftsführer der LF GmbH & Co. KG, war bis 2015, damals noch für das Unternehmen TMD Friction, Mitglied der IHK-Vollversammlung. Seit elf Jahren engagiert er sich zudem ehrenamtlich als Vorsitzender des IHK-Wirtschaftsgremiums Leverkusen. Und damit immer wieder auch für eine Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur. „Der Trend zur individuellen Mobilität hält an, außerdem nimmt der Gütertransitverkehr im Rheinland bis 2030 noch deutlich zu“, sagt Milczarek. „Es führt also kein Weg daran vorbei, die Infrastruktur umfassend zu ertüchtigen.“

Kritische Begleitung – und Lob für den Verkehrsminister

Verantwortlich für die Planung und den Neubau der Leverkusener Autobahnbrücke ist im Auftrag des Bundes Straßen.NRW. Der Landesbetrieb baute dazu frühzeitig einen Kriseninformationskreis auf. „Straßen.NRW hat die IHK frühzeitig einbezogen, das war sehr wichtig“, betont IHK-Verkehrsexperte Soénius. „Wir haben in dem Gremium, aber auch gegenüber Politikern und in der Öffentlichkeit immer wieder den Mund aufgemacht und auf die erheblichen Beeinträchtigungen für Unternehmen und Pendler aufmerksam gemacht.“ Mit Erfolg: „Wir sind von den Medien und der Politik gehört worden“, konstatiert Soénius.

„Es kommt darauf an, sich regelmäßig auf allen wichtigen Ebenen zu Wort zu melden“, erklärt Milczarek, „aber stets sachorientiert.“ Und nicht nur mit Kritik, sondern da, wo angemessen, auch mit Lob. „Der damalige Verkehrsminister Groschek hat im Zusammenhang mit der Neuplanung der Leverkusener Autobahnbrücke eine positive Rolle gespielt, er hat verstanden, was auf dem Spiel steht“, erinnert sich Soénius, „deshalb haben wir öffentlich seine Position unterstützt.“

Das neue Brückenwerk wird aus zwei Brücken bestehen. Bereits Ende 2020 soll die erste fertig sein. Anschließend wird die bestehende abgerissen – und bis Ende 2024 die zweite errichtet. Weitere Maßnahmen zur Ertüchtigung des Kölner Autobahnringes, etwa die Verbreiterung der A1 auf acht Streifen zwischen der Brücke und dem Autobahnkreuz Leverkusen-West oder die Verbreiterung der A3 auf acht Streifen zwischen Leverkusen-Opladen und Leverkusen-Mitte werden aber voraussichtlich noch bis in die 2030er-Jahre für erhebliche Beeinträchtigungen sorgen. „Man sieht also“, betont Soénius, „der Einsatz für eine funktionsfähige, moderne Verkehrsinfrastruktur bleibt auch in den nächsten Jahren eine wesentliche Aufgabe !“
 

VERKEHRSINFRASTRUKTUR

AKTUELLE PROJEKTE MIT IHK-BETEILIGUNG

Prominenteste Beispiele für das IHK-Engagement sind der Neubau der Leverkusener Autobahnbrücke und der weitere Ausbau der A1 bei Leverkusen sowie die mögliche neue Autobahnbrücke über den Rhein bei Wesseling. Doch das sind nicht die einzigen für die Region wichtigen Infrastrukturprojekte.

KÖLN: Bahnknoten und Ost-West-Achse

Bahnknoten: Das Maßnahmenbündel beinhaltet viele kleinere Maßnahmen, die aber insgesamt eine deutliche Wirkung entfalten können. Hierzu zählt zum Beispiel der Ausbau des Kölner Hauptbahnhofs sowie des Bahnhofs Köln-Messe/Deutz um einen weiteren S-Bahn-Bahnsteig oder die weitere Entflechtung von Güter- und Personenverkehren. Hierzu findet derzeit die frühzeitige Einbindung der Öffentlichkeit statt.
Ost-West-Achse (ÖPNV): In Köln pendeln täglich über 700.000 Menschen, davon 400.000 innerhalb von Köln. Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist das Rückgrat und muss zukunftsfähig aufgestellt werden. Die aktuellen Planungen zur Ost-West-Achse begleitet die IHK aktiv. Sie wird sich auch im Rahmen einer Sonder-Vollversammlung gezielt diesem Themenkomplex widmen.

LEVERKUSEN: Rhein-Ruhr-Express

Ausbau Rhein-Ruhr-Express (RRX): Durch den RRX wird der Takt im Regionalverkehr zwischen Köln und Dortmund auf 15 Minuten verkürzt. Damit können noch mehr Menschen auf die Schiene umsteigen. Davon wird auch Leverkusen profitieren. Um den verkürzten Takt zu erreichen, soll die Strecke für den RRX auf vier Gleise ausgebaut werden. Während die Strecke für den Fernverkehr heute bereits zweigleisig ausgelegt ist, verläuft die S-Bahn auf dem Stadtgebiet Leverkusen und Langenfeld teilweise nur eingleisig und kann keine weiteren Verkehre mehr aufnehmen. Durch die Beseitigung dieses Engpasses kann die Pünktlichkeit des RRX sowie der bereits heute auf der Strecke verkehrenden S-Bahnen und des Fernverkehrs erhöht werden.

RHEINISCH-BERGISCHER KREIS: Bahndammtrasse und Autobahnbrücke

Bahndammtrasse, Bergisch Gladbach: Auf einem ehemaligen Bahndamm soll die L286n die Stadtmitte von Bergisch Gladbach besser an die A4 anbinden. Dadurch soll die stark befahrene Verbindung zwischen Bergisch Gladbach-Stadtmitte und Bergisch Gladbach-Bensberg entlastet werden. Die als Autobahnzubringer bekannte Strecke kann somit auch zu einer besseren Erreichbarkeit der Gewerbegebiete in Bergisch Gladbach-Stadtmitte beitragen. Die Stadt Bergisch Gladbach und das Land Nordrhein-Westfalen sind nun dazu angehalten, die Planungen voranzutreiben und mit der Umsetzung zu beginnen.
Autobahnbrücke A4: Die Autobahnbrücke der A4 in Untereschbach auf dem Gebiet des Rheinisch-Bergischen Kreises muss erneuert werden. Das Wirtschaftsgremium Overath setzt sich dazu seit seiner Frühjahrssitzung 2017 öffentlich im Sinne der Wirtschaft ein. Auch die Beratende Versammlung Oberberg der IHK Köln ist aktiv: So forderten die Unternehmerinnen und Unternehmer in ihrer Sitzung Ende Juni 2017 mit einer Resolution den Neubau einer sechsspurigen Brücke auf der A4 bei Untereschbach – ohne Vollsperrung oder Reduzierung der Fahrbahnen während der Bauphase. Mit Erfolg: Der 4-streifige Fahrbetrieb soll während der gesamten Bauzeit aufrechterhalten bleiben, so wie es auch keine Gewichtsbeschränkung für den Lkw-Verkehr geben wird. Gleichzeitig prüfen die Verkehrsministerien von Land und Bund gemeinsam, ob und wie ein 6-streifiger Neubau vorgenommen werden kann. Der Brückenneubau soll bis 2022 abgeschlossen sein.

OBERBERGISCHER KREIS: RB 25 und Autobahnbrücke

Machbarkeitsstudie RB25: Der Nahverkehr Rheinland (NVR) hat ein Gesamtkonzept aus 15 Infrastrukturmaßnahmen rund um den Bahnknoten Köln aufgelegt, das die Betriebsabläufe entlasten und die Verkehrsströme verbessern soll. Dazu gehört auch der Ausbau der Oberbergischen Bahn RB 25 von Köln nach Gummersbach. Die IHK Köln unterstützt den NVR gemeinsam mit dem Oberbergischen Kreis, dem Rheinisch-Bergischen Kreis, dem Rhein-Sieg-Kreis und der Stadt Köln. Ziel ist die Einbeziehung der RB25 in den S-Bahn Knoten Köln, damit ein zukunftsfähiges Netz entsteht.
Autobahnbrücke A4: s. „Rheinisch-Bergischer Kreis“

RHEIN-ERFT-KREIS: Bonnstraße und Kerkrader Straße

Bonnstraße, Pulheim: Für den Ausbau der Bonnstraße (L183) läuft derzeit das Planfeststellungsverfahren bei der Bezirksregierung Köln. Der Knackpunkt aus IHK-Sicht: Dieser Ausbau ist auf das Frechener Stadtgebiet beschränkt. Die Stadt Pulheim rechnet durch den Ausbau in Frechen mit erheblichem Verkehrszuwachs auf der Bonnstraße in Pulheim. Hier ist bislang kein Ausbau der Straße in Planung. Dringend notwendig ist aber der weitere vierspurige Ausbau der Straße von Freimersdorf bis zur B59 und darüber hinaus bis zur A57 – ohne den Ausbau in Frechen zu bremsen.
Kerkrader Straße, Brühl: Der östliche Abschnitt der Kerkrader Straße auf Kölner Stadtgebiet zwischen der Anschlussstelle Brühl-Nord der A553 und der Anschlussstelle Godorf der A555 bzw. der Straße „Am Domenhof“ ist seit Juni 2015 vierspurig ausgebaut. Das rund 500 Meter lange westliche Stück der Kerkrader Straße (L150) zwischen der Anschlussstelle Brühl-Nord und der Kölnstraße (L194) wurde nicht ausgebaut. Hintergrund: unterschiedliche Planverfahren. Zwar wurden sie zeitgleich gestartet. Das Brühler Teilstück gehört jedoch zum Planverfahren für den Bau der Ortsumgehung Köln-Meschenich (B51n). Zwischenzeitlich wurde eine Übergangslösung initiiert. Der durch den Teilausbau entstandene Flaschenhals soll nun beseitigt und die Straße komplett vierspurig ausgebaut werden. Die IHK trug dazu bei, dass das Thema in der politischen Diskussion aktuell blieb.

Ihre Ansprechpartner/-innen bei der IHK Köln:

Infrastruktur
Dr. Ulrich S. Soénius
Tel. 0221 1640-4000, ulrich.soenius@koeln.ihk.de
Frederik Hupperts
Tel. 0221 1640-4020, frederik.hupperts@koeln.ihk.de

Bauleitplanung, Landes- und Regionalplanung
Claudia Schwokowski
Tel. 0221 1640-4100, claudia.schwokowski@koeln.ihk.de
Ester Maniecki
Tel. 0221 1640-4110, ester.maniecki@koeln.ihk.de
Rhein-Erft: Kristina Lindenberg
Tel. 02271 8376-1820, kristina.lindenberg@koeln.ihk.de
Oberberg: Katarina Matesic
Tel. 02261 8101-9956, katarina.matesic@koeln.ihk.de
Rhein-Berg: Sebastian Holthus
Tel. 02171 4908-9903, sebastian.holthus@koeln.ihk.de

In der Höhe von Wesseling könnte eine zusätzliche Rheinquerung realisiert werden. Im Schulterschluss mit den Unternehmen setzt sich die IHK seit Jahren dafür ein, erläutern Dr. Ulrich S. Soénius (links) und Dr. Arndt Selbach.
Foto: Olaf-Wull Nickel

MEHR VERKEHR

Die Güterverkehrsleistung im Rheinland wird bis 2030 um rund 40 Prozent steigen, haben die IHKs für ihr „Verkehrsleitbild Rheinland“ ermittelt. Vor allem der Gütertransitverkehr wird in den nächsten Jahren überproportional zunehmen. Einen Teil davon werden die Binnenschifffahrt und die Eisenbahn „schultern“, doch wird die Straße auch künftig die Hauptlast des Güterverkehrs tragen. Auch die Pendlerströme nehmen weiter zu. Laut Landesbetrieb Straßenbau NRW gehören die Autobahnen im Kölner Raum zu den meist befahrenen Fernstraßen Europas. Schon heute sind die Verkehrsmengen gewaltig. Über die A1 fahren bei Leverkusen täglich 120.000 Kraftfahrzeuge, über die A3 bis zu 160.000. Tendenz: steigend. Ein Infrastrukturausbau ist notwendiger denn je.

IHK KÖLN: EINSATZ FÜR DEN STANDORT

IN EINEM JAHR 280 STELLUNGNAHMEN ZUR BAULEITPLANUNG

Über große Infrastrukturmaßnahmen wie die beiden Brückenprojekte berichten die Medien, sie sind in der Öffentlichkeit und in der Unternehmerschaft bekannt. Doch es sind viel mehr Bauprojekte als diese beiden, die die IHK Köln aufmerksam und kritisch begleitet. Als sogenannte „Trägerin öffentlicher Belange“, so regelt es das Baugesetzbuch, nimmt die IHK Stellung zu Bauleitplänen in ihrem Bezirk, also zu aktuellen Bebauungs- und Flächennutzungsplänen. 280 Stellungnahmen gab sie im vergangenen Jahr ab!
Die meisten Pläne sind unproblematisch. In den entsprechenden Stellungnahmen lautet der entscheidende Satz dann: „Wir sehen die Belange der Wirtschaft nicht beeinträchtigt.“ Es gibt aber auch immer wieder problematische Fälle. Besonders beeinträchtigt wird die Situation für einzelne Unternehmen, wenn Wohnbebauung in der Nähe einer Gewerbeansiedlung geplant ist. Das Problem: Obwohl das Gewerbe zuerst dort war, können sich die späteren Bewohner über Lärm, Erschütterungen, Lieferverkehr und vieles mehr beschweren, was dann allzu oft zusätzliche Auflagen und entsprechende Kosten für die ansässigen Firmen nach sich zieht. Zudem sind ist dann oft keine Expansion mehr möglich. Die IHK Köln fordert deshalb immer wieder Umgebungsschutz und äußert sich in entsprechenden Stellungnahmen negativ.
Die planende Gemeinde muss sich mit dieser und den Stellungnahmen anderer „Träger öffentlicher Belange“ befassen und sie abwägen – aber sie sind nicht bindend. Hält sie an ihrer Planung fest und sieht die IHK  handfeste Nachteile für die betroffenen Unternehmen, dann werden auch andere, informelle, Kanäle genutzt, um Einfluss zu nehmen.

WEITERE THEMEN