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Hier geht noch was: Die Speisekarte sollte mit Optik und Inhalt auch immer mit dem Konzept des Restaurants harmonieren, raten Gastronomieberater. Foto: Pixabay
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Der Appetit kommt bei der Speisekarte

Speise- und Getränkekarten sind die Visitenkarten der Gastronomie. Mit gelungener Optik und ansprechendem Inhalt können Gastronomen bei ihren Gästen punkten. Ein neuer Award, initiiert vom Frechener Gastronomiedienstleister GEVA, zeichnet besonders gelungene Konzepte aus.

Text: Eli Hamacher

Beim Burgergrill Hans im Glück braucht mancher Gast bei der Bestellung schon mal etwas länger: Originell und mit Liebe zum Detail hat der Münchner Systemgastronom, der auch drei Restaurants in Köln betreibt, seine Speisekarte wie ein kleines Bilderbuch gestaltet. In ihr findet der Gast nicht nur eine kurze Zusammenfassung des Märchens und Schwarzweiß-Zeichnungen einzelner Szenen, sondern auch phantasievolle Namen für Speisen und Getränke, seien es die Burger "Starker Tobak" und "Seelenheil" oder die "Cocktails Ross" und "Reiter und Engelstrompete". Aus Sicht von Gastronomieberater Thomas Bettcher passt bei Hans im Glück alles perfekt zusammen: „Die Speisekarte sollte mit Optik und Inhalt auch immer mit dem Konzept des Restaurants harmonieren“, sagt der Experte. Bei Hans im Glück sei das mit der an das Märchen sowie Wald und Natur ausgerichteten Inneneinrichtung sehr gut gelungen.

„Die Speisekarte ist die Visitenkarte des Unternehmens“, unterstreicht der Berater. Schließlich profiliere sich ein Gastronom zunächst über sein Angebot an Speisen und Getränken. Um der Karte eine Bühne zu bieten, hat der Frechener Getränkebranche-Dienstleister GEVA jetzt erstmals einen „Award der Gastfreundschaft – Beste Speise- und Getränkekarten“ ausgeschrieben. Mit ihm wolle man den Blick auf und für „das wahrscheinlich wichtigste Verkaufsmedium in Gastronomie und Hotellerie“ schärfen. Noch bis zum 15. Januar 2018 können sich Hoteliers und Gastronomen für den Award bewerben.

Wer die fünfköpfige Jury aus Fachleuten überzeugt, dem winken Auszeichnungen in Platin, Gold und Silber, dotiert mit 1.500, 1.000 bzw. 500 Euro. Andreas Vogel, Geschäftsführer der GEVA GmbH & Co. KG und Mitglied der Jury, will damit „für ein auch oftmals völlig zu Unrecht vernachlässigtes Thema sensibilisieren und Gastronomen ebenso wie Hoteliers zu noch mehr Kundenorientierung motivieren“.

Berater Bettcher von der Axel Weber & Partner Gastronomieberatung in Bochum rät, das Angebot klar und übersichtlich zu präsentieren. Für unerlässlich hält er außerdem eine spezielle Empfehlung des Gastronomen, sei es ein "Angebot der Woche" oder auch eine saisonale Spezialität. Darüber hinaus sollte das Menu von Schriftart und –größe gut lesbar sein, vor allem, wenn zur Klientel viele ältere Gäste gehören. Last but not least findet es der Betriebswirt selbstverständlich, dass das Menu nicht fleckig oder abgegriffen ist: „Es würde ja schließlich auch niemand eine abgewetzte Visitenkarte überreichen.“

Wird in ihrer Bedeutung als wichtiges Verkaufsmedium in Gastronomie und Hotellerie häufig unterschätzt: die Getränkekarte.
Foto: Pixabay

Und was denkt der Experte über digitale Speisekarten? Immer häufiger überreichen zum Beispiel Sushi-Läden dem Gast einen Tablet-PC, auf dem er wählen und auch gleich online bestellen kann. „Kritische Geschichte“, urteilt Bettcher. Bei einem Japaner mit seiner kleinteiligen Auswahl möge das gut funktionieren. „Aber der persönliche Kontakt im Restaurant trägt doch auch sehr zum Wohlfühlen des Gastes bei.“

In Berlin ist man schon einen Schritt weiter. Dort eröffnete Star-Gastronom Heinz „Cookie“ Gindullis (u.a. Cookies Cream) im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Softwareschmiede SAP ein Restaurant, das nur digital Bestellungen annimmt. Der Gast ordert und bezahlt – inklusive Trinkgeld - von zuhause. Kommt er zur gebuchten Zeit in der Data Kitchen an, öffnet er über eine App eine mit seinem Namen beschriftete Glasbox. In ihr steht das bestellte Essen auf einem Tablett unter einer Plastikglocke bereit. Da mutet es fast schon etwas anachronistisch an, dass trotzdem eine Kellnerin die Gäste empfängt, Fragen zum Konzept beantwortet, Getränke serviert und auch abräumt. Wie viel Tipp die Gäste für eine Dienstleistung zu zahlen bereit sind, deren Qualität sie noch gar nicht kennen, ist nicht bekannt.

Rechtliche Vorgaben für Gastronomen

Infos zu den rechtlichen Vorgaben für Gastronomen bei der Gestaltung ihrer Speise- und Getränkekarten finden Sie in der Broschüre "Eröffnung oder Übernahme eines Gaststättengewerbes" auf der Homepage der IHK Köln. Dabei geht es unter anderem um Aspekte wie Preisangaben, Allergenkennzeichnung oder Zusatzstoffverordnung.

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Timo Knauthe

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