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Mitarbeiter der Reclay Group in Köln können sich jederzeit Fahrräder ausleihen, etwa für einen Einkauf in der Mittagspause. Foto: Aliki Monika Panousi
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Den Menschen sehen

Der Arbeitsmarkt wandelt sich zum Bewerbermarkt. Wie Unternehmen darauf reagieren und ihr Profil als Arbeitgebermarke schärfen können.

Text: Julia Leendertse

Axel Subklew schüttet bei seinen Kursen für die Abfallberater von Kommunen mit Vorliebe gelbe Müllsäcke auf Tischen aus. So kann der Regionalleiter der Reclay Group aus Köln, eines Dienstleisters für die Entwicklung dualer Rücknahmesysteme für Verkaufsverpackungen, am besten erklären, wie sich Müllberge in den Griff bekommen lassen. „Coffee-to-go-Becher sind innen mit Kunststoff beschichtet und gehören deshalb nicht in die blaue Tonne für Altpapier, sondern in die gelbe Tonne für Verpackungsmüll“, erklärt er den Kursteilnehmern.

„Axel Subklew kann Menschen nachhaltig für Recycling begeistern“, betont Reclay-Personalreferentin Melanie Gausepohl. Und so fackelte die Personalabteilung nicht lange, als das  Kommunikationstalent seinen Arbeitgeber darum bat, ihm einen Trainerschein zu finanzieren. „Der Kollege ist für uns ein wichtiger Markenbotschafter. Die Investition hat sich längst amortisiert“, freut sich Gausepohl. „Weiterbildung, Home Office oder Vertrauensarbeitszeit – wie Reclay entwickeln immer mehr Unternehmen Employer-Branding-Strategien, um sich als attraktive Arbeitgebermarke aufzustellen“, sagt Jasna Rezo-Flanze, die bei der IHK Köln für das Thema Fachkräftesicherung zuständig ist.

Umdenken ist angesagt. Der Arbeitsmarkt verwandelt sich in einen Bewerbermarkt: Logistiker sagen Aufträge ab, weil ihnen Fahrer fehlen, IT-Dienstleister kassieren Vertragsstrafen, weil sie mangels Personal Software nicht fristgerecht fertigstellen. „Der Fachkräftemangel hat viele Gesichter“, so Rezo-Flanze: „Deshalb gibt es auch kein Einheitsrezept, wie Unternehmen am besten darauf reagieren.“ Mal lohnt es sich, Ausbildungsbotschafter in Schulen zu schicken, mal, selbst auf Karriereportalen nach Kandidaten zu stöbern und sie direkt anzusprechen.

„Die Entwicklung eines Employer-Brandings ist keine Einmalaktion, sondern ein Prozess, bei dem die IHK Köln mit mehreren Service-Leistungen behilflich sein kann“, so Rezo-Flanze. Das fängt bei der Fachkräfteberatung an und reicht bis zum IHK-Zertifikatslehrgang „Employer Branding Manager“ (siehe Info-Kasten).

Neuer Zertifikatslehrgang
Employer Branding Manager/-in (IHK)
Personalgewinnung und -bindung für qualifizierte und engagierte Mitarbeiter/-innen

Köln | 11.06. - 28.06.2019 | 9:00-17:00 Uhr | 1.290,00 EUR
Kontakt:

Bernadette Wilbers
Tel: +49 221 1640 6710
bernadette.wilbers@koeln.ihk.de

www.ihk-koeln.de/193200

Nach dem Motto „Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“ fragte Reclay seine 100 Mitarbeiter, was für sie wichtig ist. Ganz oben landete die Vereinbarkeit von Familie
und Beruf. Reclay wartet aber nicht nur mit flexiblen Arbeitszeiten auf, sondern auch mit einem Büro mit Lounge-Charakter nahe dem Schokoladenmuseum. Dort gibt es einen Fitnessraum und Räder, die für Termine in der City oder kleine Einkäufe bereitstehen. „Wir haben eine menschliche Firmenkultur“, sagt Manager Subklew.

Auch Wirtschaftspsychologe Levi Meyer, der als Praktikant bei dem auf Industriebedarf spezialisierten Handelsunternehmen Zilken aus Köln-Ossendorf startete und heute dort fest angestellt ist, attestiert seinem Arbeitgeber Geschick, das Potenzial von Menschen zu er- und anzuerkennen. „Nicht der Mitarbeiter, sondern der Mensch steht im Mittelpunkt und bildet das Fundament für den gesunden Aufbau einer erfolgreichen Marke als Arbeitgeber“, so das Credo von Zilken-Geschäftsführer Stefan Peck. Der Betriebswirt will expandieren, beschäftigt Azubis und verfolgt einen bodenständigen Recruiting-Ansatz: Stimmen Haltung und Qualifikation, warum sollten dann Alter, Familienstand oder Nationalität dem Erfolg im Wege stehen?

So manchen seiner 34 Mitarbeiter hat Peck über die Agentur für Arbeit gefunden – darunter Fachkräfte ab 50+, Talente mit gesundheitlichen Einschränkungen, alleinerziehende Mütter. Peck gibt seinen Leuten den Freiraum, sich zu entfalten, und ist mit der Leistung hochzufrieden.

Auch als er eine neue IT-Chefin suchte, wurde der Unternehmer im Jobcenter fündig. Die Spezialistin ist eine Meisterin ihres Fachs und in der Belegschaft hoch anerkannt. Sie kommt aus Polen, hat ein gesundheitliches Handicap und spricht lieber Englisch als Deutsch. Doch selbst diese vermeintliche Sprachbarriere münzte Peck sofort zur Chance um. Mit viel Spaß startet das Team montags von neun bis elf erst einmal mit Englischunterricht in die neue Woche. Rein karitativ ist Pecks Pragmatismus nicht: Dass eine Belegschaft gut Englisch spricht, kann im
internationalen Handelsgeschäft wohl kaum schaden.

Der Mensch steht im Mittelpunkt für Stefan Peck, Geschäftsführer des Handelsunternehmens Zilken.
Foto: Aliki Monika Panousi

Beratung der IHK Köln

Auch Sie wollen Ihre Arbeitgebermarke schärfen? Wir beraten Sie. Seit 2016 unterstützt die IHK Köln ihre Mitgliedsunternehmen in Köln, in Leverkusen, im Rheinisch-Bergischen Kreis, im Oberbergischen Kreis und Rhein-Erft-Kreis mit einem fünfköpfigen Team zu allen Fragen der Fachkräftesicherung. Die Fachkräfteberaterinnen stehen als Impulsgeber und Sparringspartner auch bei der Entwicklung von Employer-Branding-Strategien zur Verfügung.

Kontakt:

Jasna Rezo-Flanze
Tel: +49 221 1640 6200
jasna.rezo-flanze@koeln.ihk.de

www.ihk-koeln/99304

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