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Der Held und sein Controller... Foto: Thilo Schmülgen
Porträt

Das Zentrum der Spiel-Erfinder

Im Cologne Game Haus sollen die Kölner Computerspiel-Entwickler eine gemeinsame Heimat finden und zugleich Verbindungen in die tradierte Wirtschaft knüpfen. Ein kreativer Hotspot, den Stadt, Unternehmen und die IHK Köln intensiv fördern.

Text: Werner Grosch

Dezenter Teppichboden, nüchtern weiße Wände, Alufenster - das ehemalige Verwaltungsgebäude in der Deutz-Mülheimer Straße 30 wirkt nicht gerade wie ein kreativer Hotspot. Aber das „Cologne Game Haus" im Schatten der KölnMesse steht ja auch erst am Anfang. Eine Handvoll ist Mieter ist schon eingezogen und versieht die biederen Büroräume nach und nach mit den Insignien der Computerspielszene, darunter riesige Wandposter, von denen düstere Gestalten den Besucher anstarren. Hier soll die neue Heimat der wachsenden Kölner Spielentwicklergemeinde entstehen, mit Platz für bis zu 150 Leute. Insgesamt etwa 20 Firmen mit insgesamt rund 100 Mitarbeitern haben Interesse angemeldet, sich in diesem besonderen Co-Working-Space einzumieten.

Das Cologne Game Haus bringt also die Szene an einem Ort zusammen. Geschäftsführer Johannes Brauckmann ist selbst Game-Entwickler. Er schildert, dass alles mit einem Kopfschütteln anfing: „Früher traf man sich auf Tagungen in Berlin oder London, und wenn man fragte, woher kommst Du denn, und die Antwort war Köln, dann hieß es: Wieso kennen wir uns dann nicht?" Brauckmann recherchierte und fand mehr als 65 kleine und größere Games-Unternehmen in Köln. Viele davon kamen sogar aus derselben Ecke, hatten am Cologne Game Lab der TH Köln oder im privaten Institut SAE in Köln-Mülheim studiert. Und doch brachte sie erst ein lockerer Stammtisch zusammen, aus dem schließlich im vergangenen Jahr die „Cologne Game Conference" entstand. Eine Tagung mit namhaften Speakern, die in der IHK Köln stattfand und die deutlich zeigte: Die meisten wünschen sich mehr Zusammenarbeit.

Willkommenes Angebot der KölnMesse

Da kam das Angebot der KölnMesse, Räume in der Deutz-Mülheimer Straße zu beziehen, wie gerufen. In der vierten und siebten Etage finden die Game-Experten nicht nur reichlich Platz zu günstigen Konditionen, sondern zudem die Anbindung an den neuen Inkubator der Messe, der gerade in der achten Etage aufgebaut wird und der ein Testlabor für digitale Zukunftsprojekte sein soll. „Das incube8 ist eine Spielwiese – und spielen können wir. Das hat sich wirklich alles sehr gut gefügt", sagt Brauckmann, der immer noch ein bisschen staunt, wie viel Unterstützung das Projekt erfährt. „Wir sind überall offene Türen eingerannt, ob bei der Stadt oder der Messe. Und die IHK hat uns wirklich auf allen Ebenen sehr geholfen." Hinzu kommt noch Unterstützung von der Telekom AG, die gerade kilometerweise Glasfaserkabel im Haus verlegt. Als im Frühjahr dann der Rat der Stadt Köln noch eine Gründungsbeihilfe von 200.000 Euro beschloss, konnte es richtig losgehen.

Die weltgrößte Computerspielemesse Gamescom hat den Games-Standort Köln international bekannt gemacht.
Foto: Kölnmesse GmbH/Thomas Klerx

Das Game Haus bietet den oft sehr kleinen, jungen Firmen nicht nur günstige Büroräume und die Gelegenheit zur Vernetzung, sondern auch Workshops, deren Qualität durch IHK-Zertifikate gesichert werden soll. Außerdem werden auf Wunsch Marketing, PR oder auch Buchhaltung übernommen, so dass sich die Mieter auf das Gamedesign konzentrieren können. Wozu das führen kann, zeigt das Beispiel von Thomas Rössig, der gemeinsam mit Brauckmann das Game Haus vorangetrieben hat. Seine Firma Flying Sheep ist ganze vier Jahre alt und hat schon mehr als 100 Spiele entwickelt. Das Team von Flying Sheep findet sein neues Zuhause nun auch in Köln-Deutz.

Weitere Unterstüzung der IHK Köln

Die IHK Köln wird das Gamehaus als strategischer Partner auch zukünftig unterstützen. „Wir bringen unser Netzwerk zur tradierten Wirtschaft ein, um die Gamesbranche mit anderen Wirtschaftszweigen in Kontakt zu bringen und die Potenziale von Gamification der etablierten Wirtschaft näher zu bringen. Zudem sind Kooperationen im Veranstaltungs- sowie Aus-/Fort- und Weiterbildungsbereich geplant", sagt Kristin Schwarz, Mitglied der Geschäftsführung bei der IHK und Projektleitung der Initiative Digital Cologne.

Die KölnMesse erhofft sich nicht nur durch die Verbindung von Game Haus und "incube8" produktiven Nutzen, sondern auch für die Messe insgesamt. Hier ergäben sich „vielfältige Synergiepotenziale insbesondere zu den Veranstaltungen der Koelnmesse im Kompetenzfeld , Digital Media, Entertainment  und Mobility' mit Messen wie gamescom, photokina, dmexco und DIGILITY", erklärte das Unternehmen ganz offiziell.

Stichwort gamescom: Ohne die inzwischen weltgrößte Computerspielmesse wäre das Bewusstsein für die Bedeutung der Branche auch in Köln wohl noch nicht so groß, meint Brauckmann. „Inzwischen macht die Gamesbranche mehr Umsatz als Hollywood und die ganze Musikindustrie zusammen. Und die gamescom hat eben eine weltweite Strahlkraft." Die Nutzer des Game Hauses können dann künftig gemeinsam zu Fuß zur Messe laufen. Und die eine oder andere Party zur gamescom ist in der Deutz-Mülheimer Straße 30 auch schon geplant.

Johannes Brauckmann (l.) und Thomas Rössig haben das Cologne Game Haus vorangetrieben.
Foto: Thilo Schmülgen

Der Games-Standort Köln

Eine Standortanalyse der IHK Köln von Ende 2016 zur Kultur- und Kreativwirtschaft im IHK-Bezirk zeigt die große und stark wachsende Bedeutung des Teilbereichs Software- und Games-Industrie, die mehr als 10.000 Beschäftigte in der Region hat und zum Zeitpunkt der Erhebung bereits knapp eine Milliarde Euro umsetzte. Sie ist der mit Abstand dynamischste Teilmarkt, der Umsatz wuchs von 2009 bis 2014 um mehr als 50 Prozent.

Neben Electronic Arts als großer Spieleanbieter (u.a. „Fifa") haben rund 60 kleinere Entwicklerstudios ihren Sitz in Köln. Ein Standortvorteil der Stadt sind zudem die beiden renommierten Ausbildungsstätten für Gamesdesigner -und progammierer: Das Cologne Game Lab an der Technischen Hochschule und das SAE Institute. Die TH hat zudem Anfang Mail ihren neuen Business Inkubator "Cologne Game Farm" eröffnet, in dem insgesamt fünf Entwickler-Teams Arbeitsplätze für bis zu 12 Monate erhalten können. Hier werden sie von Branchenexperten und Mentoren bei der Firmengründung unterstützt.

Zum Ruf Kölns als Computerspiel-Stadt trägt neben der gamescom mit jährlich mehr als 300.000 Besuchern auch die E-Sports-Veranstaltung „ESL One" bei, die jedes Jahr vor vollem Haus in der Lanxessarena die besten Counterstrike-Spieler ermittelt. Dieses Jahr wird hier um Preisgelder von 300.000 Euro gespielt.

Typischer Arbeitsplatz eines Spielentwicklers: Büro im neuen Cologne Game Haus.
Foto: Thilo Schmülgen