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Leben

Das kleine Grün inmitten der Stadt

Text: Lothar Schmitz

Welche Farbe hat Köln? In den Augen vieler: Grau. Doch wer genauer hinsieht, der entdeckt immer mehr grüne Sprengsel im Asphaltgrau der Straßen und Plätze. Dafür sorgen nicht nur die 76.000 Bäume, sondern zunehmend auch Rasengleise, begrünte Verkehrsinseln und gepflegte „Baumscheiben“.

„In einer pulsierenden Großstadt wie Köln darf natürlich auch die Erholung im Grünen nicht zu kurz kommen“, heißt es auf der Website von KölnTourismus. Dem ist nicht zu widersprechen – ebenso wenig wie dem anschließenden Verweis auf „ausgedehnte Grünflächen“ in Köln, vom
Rheinpark über den Volksgarten bis zum Grüngürtel.

Schöne Parks – das „große Grün“ sozusagen – sind das eine. Doch trägt zur Lebens- und Aufenthaltsqualität einer Stadt ebenso das „kleine Grün“ bei – und hier tut sich in Köln derzeit einiges, wie ein kleiner Rundgang zeigt. Da sind zum Beispiel die vielen Bäume an Kölns Straßen. Die Stadt ist gerade dabei, sie aktuell zu erfassen – die ungefähre Anzahl beträgt 76.000. „Diese Bäume spielen gestalterisch und fürs Stadtklima eine sehr wichtige Rolle“, betont Dr. Joachim Bauer vom Amt für Landschaftspflege und Grünflächen der Stadt Köln, „und werden von den Bürgerinnen und Bürgern sehr geschätzt“.

Neupflanzungen haben allerdings ihren Preis – sie kosten rund 1.200 Euro pro Baum. Die Kölner Grün Stiftung hat deshalb die Aktion „1.000 Bäume für Köln“ ins Leben gerufen. Bürger können für 600 Euro einen Straßenbaum spenden – die fehlenden 600 Euro kommen vom Grünflächenamt. Im Internet können sich Interessenten über freie Stellen für „ihren“ Baum informieren.

Die Bodenflächen rund um einen Baumstamm nennt man „Baumscheiben“. Allzu oft sind sie durch menschlichen Müll und tierische Hinterlassenschaften verunziert. Doch es geht auch anders: „Immer mehr Bürger interessieren sich dafür, diese Flächen zu bepflanzen, es gibt viele gelungene Beispiele“, berichtet Bauer. Sein Amt zählt inzwischen knapp 800 Patenschaften für Baumscheiben. Wer Interesse hat, kann sich direkt beim Grünflächenamt melden. Man erfährt die Spielregeln und erhält Tipps für eine erfolgreiche und nachhaltige Bepflanzung. Außerdem gibt’s für jeden Paten eine Urkunde.

Im Rahmen des Stadtbildforums 2015 wurde in einer Arbeitsgruppe unter Leitung der IHK Köln mit dem Grünflächenamt vereinbart, solche Patenschaftsmodelle auch für andere Bereiche anzubieten. Zum Beispiel könnten Unternehmen oder Anwohner vertraglich zusagen, sich innerhalb eines gewissen Radius' um die Sauberkeit zu kümmern.

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Viel Gestaltungspotenzial bieten zudem die zahlreichen Verkehrsinseln und Kreisverkehre in Köln. Dort, wo der Verkehr weniger dicht ist, verfügen sie häufig über eine freie Mittelinsel. Die Stadt selbst sorgt bisweilen für Rasen oder einen einzelnen Baum, mehr ist wegen aufwändiger Pflege aus finanziellen Gründen nicht möglich. Firmen können jedoch als Sponsoren die Gestaltung und Pflege solcher Flächen übernehmen. Beispiele sind eine Verkehrsinsel und ein Kreisverkehr an der Rösrather Straße sowie an der Kreuzung Rösrather/Lutzerather Straße, beides in Köln-Rath. Sponsoren sind die Gutzeit Metallbau GmbH und die Matthias Keren GmbH. Beide Betriebe fühlen sich ihrem Standort verbunden und wünschten sich eine stadtgestalterische Aufwertung.

Das vielleicht unbekannteste „kleine Grün“ in Köln ist das Rasengleis entlang der Pipin- und Cäcilienstraße im Kölner Zentrum. Bis vor kurzem zog sich der Schienenstrang der Stadtbahn wie ein graues Band durch die Stadt, was die trennende Wirkung noch verstärkte. Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) griffen den Vorschlag aus dem Masterplan von Albert Speer auf, diesen Eindruck durch die Entwicklung einer grünen Achse abzumildern. Die KVB nutzten den Neubau der Nord-Süd Stadtbahn, um die Schienenfläche ab Heumarkt in Richtung Westen zu begrünen. „Wir haben eine robuste Grassorte ausgewählt, die Staub und Trockenheit aushält“, erklärt KVB-Sprecher Stephan Anemüller. Der Pflegeaufwand sorgt für höhere Kosten, doch das ist es dem Unternehmen wert: „Durch unseren Bahnbetrieb nehmen wir diesen städtischen Raum in Anspruch, also möchten wir auch Verantwortung für dessen Verschönerung übernehmen.“

Inzwischen gibt es im Stadtgebiet mehrere Rasengleise, und die Chancen stehen gut, dass auch das Rasengleis an der Cäcilienstraße bis zum Neumarkt fortgeführt wird.

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