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Güterumschlag im Hafen Foto: Olaf-Wull Nickel
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Das Ende der unendlichen Geschichte

Die Entscheidung des Kölner Rates gegen den Ausbau des Godorfer Hafens ist ökologisch und ökonomisch unsinnig.

Text: Lothar Schmitz

Am Ende war sämtlicher Protest vergebens. DGB, Arbeitgeber, Häfen und Güterverkehr Köln
AG, IHK und viele andere – sie alle haben sich für den Ausbau des Hafens Godorf eingesetzt.
Der geplante Ausbaustopp, so die IHK, sei „ein schwerer Fehler zu Lasten der Stadt Köln“, „ein
ökologischer und ökonomischer Fehler“, zudem widerspreche er allen politischen Bekenntnissen,
den Wirtschaftsstandort zu fördern. Dennoch beschloss der Kölner Rat am 26. September –
nach 30 Jahren –, die Planungen zur Erweiterung des Godorfer Hafens zu beenden. „Das ist eine
Niederlage für Wirtschaft und Umwelt“, sagt Dr. Ulrich S. Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Köln.

Zur Erinnerung: Wie das „Verkehrsleitbild Rheinland“ der IHKs im Rheinland zeigt, wird der
Güterverkehr weiter stark zunehmen. Während Straße und Schiene an ihre Grenzen kommen,
bietet der Wasserweg noch erhebliche Kapazitäten. „Um die wachsenden Güterverkehre
bewältigen zu können, ist es unabdingbar, die logistische Infrastruktur auszubauen“, argumentiert
Soénius. Mehr Kapazitäten im Godorfer Hafen seien wichtig, denn die Unternehmen in der Region, insbesondere die Industrie im Kölner Süden, sei auf die zuverlässige Belieferung mit Containern angewiesen. „Nicht nur die Firmen, sondern die gesamte Bevölkerung profitiert von
funktionierenden Lieferketten!“

Erhebliche Lärm- und Schadstoffbelastung

Die Entscheidung gegen den Hafenausbau ist auch aus ökologischer Sicht unlogisch. Jeden Tag
werden rund 200 Containertransporte vom Niehler Hafen mit seinen Container-Terminals
im Norden in Richtung Süden und umgekehrt durchgeführt – auf der Straße. Weil zusätzlich
die Rheinuferstraße für Schwerlastverkehre gesperrt wurde, sind die Transportunternehmen
überdies zu Umwegfahrten gezwungen. Soénius hat ausgerechnet, dass pro Jahr 1,25 Millionen
Lkw-Kilometer anfallen: „Das erzeugt erhebliche Lärm- und Schadstoffbelastungen, die sich leicht
hätten vermeiden lassen.“

Das Binnenschiff gilt als die bessere Alternative. „Der Transport auf dem Wasser hat aus Umweltschutzsicht Vorteile gegenüber dem Lkw-Transport“, so das Umweltbundesamt. Beim Lärm schneidet das Schiff besser ab als Bahn und Lkw, bei den CO2-Emissionen liegen Bahn und Schiff vor Lkw. Um eine Tonne Ware 100 Kilometer zu transportieren, benötigt ein Schiff 1,3 Liter
Diesel, ein Lkw 4,1. „Der Beschluss des Stadtrates passt deshalb überhaupt nicht in die Zeit“, kritisiert Soénius, „der Hafenausbau wäre ökologisch und ökonomisch eine äußerst sinnvolle Infrastrukturentscheidung gewesen.“ Die IHK werde sich deshalb weiterhin für die Verlagerung von
Güterverkehrsströmen auf das Wasser und einen entsprechenden Kapazitätsausbau starkmachen.

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Ulrich S. Soénius

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