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Tanya Mitchell und Oliver Ney haben sich mit der Existenzgründung einen Traum erfüllt. Foto: Aliki Monika Panousi
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Damit zusammenkommt, was zusammengehört

Derzeit suchen in Deutschland so viele Unternehmen wie nie zuvor eine Nachfolge, auch in der Region Köln. Dabei ist die möglichst nahtlose Übergabe anspruchsvoll und erfordert viel Vorbereitung. Die IHK Köln begleitet Übergeber und Übernehmer mit zahlreichen Informations- und Unterstützungsleistungen.

Text: Lothar Schmitz

Carsten Jacobs und das Ehepaar Oliver Ney und Tanya Mitchell kennen sich nicht persönlich. Dabei hätten sie durchaus Anlass, miteinander ein Glas Sekt zu trinken und sich auszutauschen über ihre Erfahrungen als Neu-Unternehmer – und ihre erfolgreichen Übernahmen.

Carsten Jacobs ist seit 1. September vergangenen Jahres alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer der Jakob Schlimbach GmbH & Co. KG. Den Schriftzug des Unternehmens kennen viele Kölnerinnen und Kölner – er steht auf acht Abschleppfahrzeugen, die in der Domstadt im Auftrag des ADAC, der Stadt und der Polizei unterwegs sind. Oliver Ney und Tanya Mitchell übernahmen einen Monat später die Baukraft Naturbaustoffe GmbH in Köln-Widdersdorf, einen Baustoffhandel für den Haus- und Innenausbau mit sieben Beschäftigten.

Die Kür des Nachfolgers

Beide Fälle weisen Gemeinsamkeiten auf. Jacobs stieg 2011 als Kfz-Meister bei Schlimbach ein und übernahm die Leitung der Werkstatt, 2013 beförderte ihn der damalige Firmenchef Lothar Dörmbach zum Betriebsleiter des gesamten Unternehmens mit inzwischen gut 40 Beschäftigten. Dörmbach hatte sich einige Jahre zuvor erstmals mit dem Thema Nachfolge befasst und startete im Herbst 2015, damals 74 Jahre alt, einen neuen Anlauf. Schon bald bestand zwischen ihm und seinem Betriebsleiter Einigkeit, dass Jacobs die Nachfolge antreten solle.

Auch Ney hatte ausreichend Gelegenheit, sein jetziges Unternehmen kennenzulernen. Er war als selbstständiger Innenausbauer Kunde der Baukraft Naturbaustoffe GmbH. Eines Tages sprach ihn der damalige Geschäftsführer Karl Schmitz an, ob er nicht bei ihm arbeiten wolle. Ney nahm die Teilzeitstelle gerne an und freute sich über ein zweites berufliches Standbein. 2016 rief Schmitz ihn dann zu sich und fragte ihn, ob er sich vorstellen könne, die Firma zu übernehmen.

Gemeinsam die Richtung gefunden: Carsten Jacobs übernahm das Steuer beim Unternehmen Schlimbach von Lothar Dörmbach.
Foto: Aliki Monika Panousi

Nicht auf die lange Bank schieben!

„Das ist natürlich der Idealfall“, betont Tanja Kinstle, Leiterin Unternehmensförderung der IHK Köln: „Der bisherige Eigentümer findet in der eigenen Familie oder aber in der Belegschaft einen geeigneten Kandidaten für die Nachfolge, jemanden, der das Unternehmen, die Beschäftigten und die Kunden gut kennt und mit dem die Zusammenarbeit gut klappt. Das sind schon mal gute Voraussetzungen!“

Nicht immer läuft es so. Die Nachfolgefrage wird „häufig auf die ‚lange Bank‘ geschoben“, heißt es im „DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge“, den der Deutsche Industrie- und Handelskammertag im Dezember 2017 vorlegte, „ein gutes Drittel der Alt-Inhaber kann emotional nicht ‚loslassen‘.“ Die Konsequenz: 42 Prozent suchen nicht rechtzeitig eine Beratung auf. Die ist im Regelfall aber nötig, denn eine erfolgreiche Nachfolge gehört zu den Königsdisziplinen im Lebenslauf eines Unternehmens, sie ist ein äußerst anspruchsvoller und mitunter langwieriger Prozess.

Erfahrung, die zum Unternehmen passt

Was im Übrigen nicht nur an den Alt-Eigentümern liegt. Laut DIHK-Report zeigt sich nämlich, dass zwei von fünf potenziellen Übernehmern Finanzierungsschwierigkeiten haben. Und ebenso viele unterschätzen offenbar die Anforderungen an eine Unternehmensübernahme. „Deshalb ist es so wichtig, dass Nachfolger mit Bedacht ausgewählt werden und Erfahrung mitbringen, die zum Unternehmen passt“, sagt Kinstle. „Wenn diese Erfahrung bereits in dem Betrieb erworben wurde, der zur Übergabe ansteht – umso besser!“ Es ist aber keine Voraussetzung, denn mit der bundesweiten Nachfolge-Börse nexxt-change, dem regionalen IHK-Nachfolgepool oder dem Netzwerk Unternehmensnachfolge in Köln und Bonn, dem auch die IHK Köln angehört, gibt es mehrere wichtige Instrumente, um Unternehmen und passende Nachfolger zusammenzuführen.

IHK Köln stand mit Rat zur Seite

Carsten Jacobs arbeitete schon vier Jahre in führender Position, als er von seinem Chef auf die Nachfolge angesprochen wurde. Oliver Ney konnte ebenfalls umfangreiche Erfahrungen in seinem späteren Unternehmen sammeln – und sich vor allem auch in Ruhe mit seiner Frau Tanya Mitchell abstimmen, denn die beiden waren sich rasch einig, das unternehmerische und finanzielle Risiko zu gleichen Teilen zu tragen.

Als die Nachfolge-Idee bei der Baukraft Naturbaustoffe GmbH Gestalt annahm, suchten die beiden auch den Rat der IHK Köln. „Für die Finanzierung der Übernahme mussten wir einen ausgefeilten Business-Plan erstellen, da gab es einiges mit den IHK-Nachfolgeexperten zu besprechen“, erzählt Ney, „außerdem wollten wir wissen, ob es für die Übernahme Fördermittel gibt".

Wir möchten, dass die Unternehmen eine Zukunft haben!

Alexander Hoeckle, Geschäftsführer International und Unternehmensförderung der IHK Köln

Auch Jacobs‘ Übernahme der Jakob Schlimbach GmbH & Co. KG begleitete die IHK Köln. Nachdem klar war, dass Jacobs die Nachfolge antreten solle, hatte er sich mit Erfolg auf die Neu-Ausschreibung des Abschleppdienstes für den ADAC beworben, die genau zu dieser Zeit anstand. Dies wiederum war ein wesentlicher Pluspunkt für die Gespräche mit der Hausbank über die Finanzierung der Übernahme. Um eine Ausfallbürgschaft der Bürgschaftsbank NRW zu erhalten, waren zudem positive Stellungnahmen der IHK sowie der Handwerkskammer zu Köln erforderlich.

„Wir haben das komplette Vorhaben geprüft“, berichtet IHK-Nachfolgeexpertin Tanja Kinstle. Jacobs‘ Plan war überzeugend, er bekam grünes Licht. Das gleiche gilt für Oliver Neys und Tanya Mitchells Übernahme.

Viele weitere Übernahmen stehen an. Allein in Nordrhein-Westfalen suchen gut 200.000 Unternehmen und Selbstständige bis 2025 eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger. „In dem komplexen Prozess der Unternehmensnachfolge unterstützt die IHK Köln ihre Mitglieder“, betont Alexander Hoeckle, Geschäftsführer International und Unternehmensförderung der IHK Köln, „wir möchten, dass die Unternehmen Nachfolger finden und eine Zukunft haben!“

Tanja Kinstle (M.), Leiterin Unternehmensförderung der IHK Köln, beriet Tanya Mitchell und Oliver Ney im Übernahmeprozess.
Foto: Aliki Monika Panousi

Weitere Informationen
Zu den in der Regel kostenfreien Leistungen der IHK Köln in Sachen Unternehmensnachfolge gehören persönliche Gespräche, Nachfolgeberatungen, das Angebot lokaler Netzwerke sowie Veranstaltungen zur Unternehmensnachfolge. Zusätzlich bietet die IHK mit dem IHK-Nachfolgepool  und der Nachfolge-Börse nexxt-change zwei Plattformen an, die Unternehmen und Interessenten zusammenbringen können.

Weitere interessante Links:
Basisinformationen zum Betriebsübergang

Unternehmenswertberechnung

Öffentliche Finanzierungshilfen

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