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Grüne Lunge in der Zentrale der Sparkasse KölnBonn Foto: Aliki Monika Panousi
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Grüne Oasen in der Stadt

Sie sorgen im Sommer in der überhitzten Stadt für Abkühlung, schützen vor Lärm, Schadstoffen und den Folgen von Starkregen: begrünte Dächer. Jedes Jahr kommen in Deutschland zehn Millionen Quadratmeter an bepflanzten Dach- und Tiefgaragenflächen hinzu. Wahre Wohlfühloasen entstehen, wenn Unternehmen ihre Dächer sogar noch in begehbare Gärten für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verwandeln.

Text: Julia Leendertse

Die Kölner City hat mehr als nur Beton und Stein zu bieten. Wer vom Habsburger Ring aus über die Hahnenstraße Richtung Neumarkt geht, kann – wenn er seinen Blick nur leicht hebt – bei Hausnummer 57 einen prachtvollen Garten entdecken. Auf dem Dach der vierten Etage ihrer Hauptstelle am Rudolfplatz unterhält die Sparkasse KölnBonn über ihrer Kantine eine kleine Grünoase. Vom Frühjahr bis zum Sommer blühen hier Azaleen, Rhododendren und weitere Strauchgewächse, ja sogar Bäume. Das Farbenspiel der Pflanzen lässt die rund 560 Sparkassenangestellten nicht nur den Wechsel der Jahreszeiten intensiv erleben. Der Dachgarten hilft auch, sie vor Lärm zu schützen, verbessert das Raumklima und sorgt dafür, dass die Dachabdichtung selbst nicht zu schnell Schaden nimmt.

1992 eröffnet, wurde das von HPP Architekten konzipierte „Hahnentorcenter“ wegen seiner klassizistisch-modernen Architektur und der lichtdurchfluteten Rotunde mehrfach preisgekrönt. Die Empfangshalle erschließt mit einer kreisförmigen Treppe eine Nutzfläche von insgesamt 20.000 Quadratmetern.

Zur Wohlfühlatmosphäre trägt bis heute auch ein zweiter, über 2.000 Quadratmeter großer Dachgarten (Foto oben) bei, der zur Schaafenstraße zeigt. Viele Mitarbeiter lieben es, ihre Fenster zu öffnen und beim Arbeiten mitten in Köln die Natur zu spüren.

Urbane Gräserlandschaft auf dem Dach der Cologne Oval Offices
Foto: Optigrün international AG

2010 bekam Köln sein erstes „Green Building“. Mit den Cologne Oval Offices in Bayenthal gelang dem Architekturbüro Sauerbruch Hutton ein Glanzstück nachhaltiger Baukunst. Auch optisch sind die zwei Bürogebäude ein Gewinn. 2.428 farbig bedruckte Glasklappladenpaare verändern je nach Witterung,Tages- und Jahreszeit computergesteuert ihre Stellung. Der Sonnenschutz trägt dazu bei, dass die Bauten im Vergleich zu konventionellen Bürogebäuden mit der Hälfte an Energie auskommen.

Markant sind die vom Fließen des Wassers inspirierten Formen. Selbst aus der Vogelperspektive zelebrieren die Oval Offices, dass sie auf einem Uferstreifen stehen, der einst Schwemmland war. Zwei begehbare, je rund 1.100 Quadratmeter große Dachgärten mit geschwungenen Gräserflächen und bewegten Bändern aus Stauden erlauben den unverbauten Blick auf Rhein und Dom. Wer im Sommer durch die Landschaft aus Silberkopfgras, Blaustrahlhafer und duftendem Lavendel spaziert, fühlt sich mal wie in der Provence, mal wie in Mecklenburg-Vorpommern. „Wir wollten einen Ort schaffen, der intensiv anders ist als andere“, sagt Landschaftsarchitekt Jürgen Weidinger.

Seit 2013 freut sich die Softwareschmiede Questback in der fünften Etage des roten Hauses über den exklusiven Zugang zum Dachgarten. Die Firma hat sich auf IT-Lösungen für Mitarbeiter- und Kundenumfragen spezialisiert. Die Terrassentür auf, ein paar Schritte gehen, das reicht, um mit den Kollegen an der frischen Luft zu brainstormen, Events zu veranstalten oder den Arbeitstag gemeinsam ausklingen zu lassen.

Landesgartenschau im Miniformat: Gebäude der ERGO-Versicherung in Köln-Braunsfeld
Foto: Optigrün international AG

In 30 Metern Höhe zwischen Magnolien, Flieder und Zimtahorn flanieren – das können die 3.000 Angestellten am Kölner Standort der ERGO-Versicherung in Köln-Braunsfeld. 2013 kürte die Stiftung „Die Grüne Stadt“ die Dachlandschaft gar zum schönsten Firmengarten in NRW.

Auf den Dächern der fünften, sechsten und siebten Etagen zweier sich gegenüberliegender Verwaltungstrakte entstand 2005 eine 2.900 Quadratmeter große Pflanzenwelt mit Parkbänken und Rundwegen. Bis zu zweieinhalb Meter hohe Glaswände und Glassteinfassaden schützen die Besucher vor dem Wind und erlauben den freien Blick bis zum Siebengebirge im Süden, Leverkusen im Norden, die Glessener Höhe im Westen und den Dom im Osten. Der Ausblick ist atemberaubend.

Das Ensemble umfasst sechs Einzelgärten, von denen je drei über Wendeltreppen auf dem West- und Ostriegel des 180 Meter langen, „H2“ genannten Gebäudes miteinander verbunden sind. Um die Dächer intensiv zu begrünen, ließ das Landschaftsarchitekturbüro Smeets bis zu 45 Zentimeter hohe Umrahmungen mit 1.500 Tonnen Substrat befüllen. Die Pflanzen sind so gewählt, dass sich das ganze Jahr über helles, grünes und dunkles Laub voneinander abhebt. Jede Jahreszeit hat ihre eigene Pracht – vom Winterjasmin im Frühjahr über den Lavendel im Sommer bis zur Herbstanemone.

„Bei unserer Arbeit dreht sich alles rund um Versicherungen und Gesundheit“, heißt es bei der ERGO. Der Dachgarten hilft, dass auch die Mitarbeiter gesund bleiben.

Klimaschutz auf dem Dach: Die Zentrale der RheinEnergie AG in Köln-Ehrenfeld
Foto: Rheinenergie AG

Kräuter, Gräser und Dickblattgewächse – sie sind die ganz besonderen Klimaschutzbeauftragten der RheinEnergie AG. Ihr Job: Staub und Schadstoffe aus der Luft filtern, bei Regen Wasser speichern, im Sommer die Temperatur runterkühlen und bei Trockenheit Feuchtigkeit spenden. Ihr Einsatzort: die auf 7.100 Quadratmetern begrünten Dächer der neuen RheinEnergie-Zentrale in Köln-Ehrenfeld. Ihre größten Fans: die 1.900 Mitarbeiter, die seit 2014 in dem Neubau tätig sind.

Das Verwaltungsgebäude ist vom Keller bis zum Dach mit innovativen effizienten Energie- und Klimalösungen ausgestattet. Als die Mitarbeiter einzogen, waren ihre Kollegen auf dem Dach schon längst bei der Arbeit. Bei Hitze sorgen die Kräuter, Gräser, vor allem aber die gegen Trockenheit und Wind resistenten Sukkulenten für Linderung. In ihren dicken Blättern speichern sie Wasser, das sie bei Sonneneinstrahlung über die natürliche Verdunstung wohl dosiert wieder an die Umgebung abgeben.

Die begrünten Dächer dienen aber auch dem Hochwasserschutz. Die mit Kies gemixten Pflanzenteppiche funktionieren bei Starkregen wie ein Auffangbecken, weil die Pflanzen einen Gutteil des Niederschlags für den Eigenbedarf aufsaugen. Aber auch weil die übrigen Wassermengen, die auf die Dachflächen prasseln, nicht auf einen Schlag, sondern erst zeitversetzt in der Kanalisation landen. Dadurch können Abflussspitzen um bis zu 50 Prozent gemindert und Überschwemmungen vermieden werden.