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Die bunte Mischung der Unternehmen sorgt im "Coworking4you" für unerwartete Synergien. Foto: Aliki Monika Panousi
Blickpunkt

Coworking – Bürogemeinschaft mit Mehrwert

Vor allem Gründer und junge Unternehmer schätzen ihre Vorteile: Coworking-Spaces versprechen flexibles und vernetztes Arbeiten – und das nicht mehr nur in Köln und anderen Großstädten, sondern auch in der Region, wie Beispiele aus Overath und Brühl zeigen.

Text: Werner Grosch

Sie nennen sich vielsagend Colabor, CowokiEhrenspace oder ganz geheimnisvoll district097: Schon rund 20 Coworking-Spaces haben sich in den vergangenen Jahren in Köln breitgemacht. Mancherorts steckt hinter dem Label zwar wenig mehr als eine Bürogemeinschaft, andere Coworking-Spaces hingegen bieten ihren Mietern realen Mehrwert.

Wirkliche Vernetzung gibt es offenbar vor allem in größeren, schon länger bestehenden Einrichtungen. Dazu zählt beispielsweise der Solution Space am Dom, der nicht nur Büros auf mehr als 3.500 Quadratmetern Fläche vermietet, sondern dessen Mieter selbst für ein Veranstaltungsprogramm sorgen, das die ansässigen Unternehmen zusammenbringt: Vom Filmabend bis zur Yogastunde.

Mit 4.500 Quadratmetern noch ein Stück größer ist der „Startplatz“ im Mediapark, in dem inzwischen auch der von der IHK Köln mitgetragene Digital Hub Cologne beheimatet ist. Der Startplatz versteht sich vor allem als „Inkubator“, quasi als Geburtshelfer für Verbindungen zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen. „Für mich ist der Startplatz der Grund, weshalb unser Business existiert und wächst. Ohne die Kontakte zu Kunden, die wir hier gewonnen haben, wären wir heute nicht hier. Dank des Startplatz- Ökosystems kennen wir heute Experten aus fast allen relevanten Bereichen“, sagt zum Beispiel Mladen Panow, Gründer der Innovationsberatung mak3it.

So sieht dann wohl der Idealfall aus. Viele Gründer von Coworking-Spaces tun auch jede Menge dafür, Jungunternehmern, Gründern und Selbstständigen ideale Voraussetzungen zu bieten. Sie ergänzen ihr Angebot um eine Kinderbetreuung wie das Cowoki, oder sie bieten den Rundumservice einer Quasi-Firmenzentrale mit Telefon-Empfang und repräsentativer Gestaltung wie das Kölner Design Office, zentral gelegen zwischen Dom und Innenstadtring. Das Design Office gehört zu einer ganzen Kette von Standorten, deren Betreiber ihr Konzept gar für die Grundlage künftigen Wirtschaftens halten: „Die Zukunft der Arbeit ist selbstbestimmt!“, heißt es hier. Denn für die Generationen Y und Z müssten verkrustete Arbeitsstrukturen sowieso komplett aufgebrochen werden.


Der Coworking-Space also als Modell für Unternehmen überhaupt? So weit würde Bernd Rützel nicht gehen. Ganz pragmatisch hat er für sein leerstehendes Bürogebäude in Overath eine neue Nutzung gesucht und kam im Gespräch mit Bekannten auf das Thema Coworking. Und weil er auch im rentenfähigen Alter noch Unternehmer geblieben ist, baute er hier, weit außerhalb der hippen Großstadt, sein „Coworking4you“ auf: Immerhin 650 Quadratmeter Flächen, nach gut zwei Jahren mit mehr als 20 Mietern heute gut ausgelastet. Und, das betont Rützel besonders: Hier finde echtes Coworking statt. „Der Rechtsanwalt profitiert vom Spezialisten für Suchmaschinenoptimierung, der Bauingenieur vom Wissen des Experten für Erneuerbare Energien. Das sind Synergien, die ich so selbst nicht erwartet hatte“, sagt Rützel. Zusätzlich gefördert wird der Austausch durch Veranstaltungen im Haus wie den Gastvortrag des Digital Hub Cologne, der Ende Juni in Overath stattfand.

Das Ganze funktioniere halt nur durch Geben und Nehmen gleichermaßen. Und gerade die bunte Mischung, die vom Astrophysiker bis zum Experten für Zeitmanagement reiche und gar nicht auf Start-ups im engeren Sinne beschränkt sei, mache den Reiz aus. Natürlich, so gesteht der Gründer des Coworking4you ein, sei nicht jeder gleichermaßen interessiert am Austausch.

Fragt man Oliver Struch, dann bestätigt sich dieser Eindruck. Er ist Gründer des „Wertheim“ in der Kölner Innenstadt, das im vergangenen Jahr nach umfangreicher Sanierung des Gebäudes eröffnete. Zwar sei das „Wertheim“ erfolgreich, aber nicht so sehr als Coworking-Space, wie es gedacht war: „Unser Geschäft machen wir mit den festen Mietern und Veranstaltungen wie Seminaren oder auch Filmdrehs in unserem Penthouse mit freiem Domblick“, sagt Struch. Er glaubt zwar an die Grundidee, aber die sei halt in Hamburg, München oder Berlin viel weiter entwickelt.

„Es wird noch ein paar Jahre dauern, aber dann wird das Coworking wie schon in anderen Großstädten auch in Köln so richtig ankommen“, meint Struch, der sich bei der Gründung von der IHK Köln beraten ließ und sich auch mit anderen Betreibern vernetzt hat. Nach seiner Einschätzung sind echte Coworker, die flexibel einen Arbeitsplatz mieten und dann auch gezielt den Austausch mit anderen suchen, auch an manchen anderen Orten eher die Ausnahme.


Die Betreiber der neu gestarteten „Villa Kaufmann“ in Brühl wollen das so indes nicht gelten lassen. Kurz nach der Neueröffnung war schon gut die Hälfte der Plätze in der stilvoll renovierten, prächtigen Villa gebucht. „Das Interesse ist da“, sagt Niklas Weiler, der für die Vermarktung zuständig ist. Dass schon jetzt, wo gerade erst die letzten Möbel angekommen sind, echtes Coworking stattfinde, liege auch daran, dass man schon baulich viel Wert auf Treffpunkte der Hausgemeinschaft gelegt habe: „Die Lounge im Zentrum fördert den Austausch. Es sind auch schon erste gemeinsame Projekte angelaufen“, berichtet Weiler.

Ähnlich positiv sieht die Entwicklung nach Angaben der Betreiber auch beim OfficePoint Rhein Erft in Bedburg aus. Viele Unternehmen aus dem Rhein-Erft-Kreis und auch aus umliegenden Städten nutzten bereits das Angebot. Auf 1200 qm Fläche gibt es mehr als 40 Büros sowie Konferenz- und Veranstaltungsräume. Zudem soll eine ständige Kunstausstellung mit wechselnden Exponaten eine kreative Arbeitsatmosphäre fördern. Das OfficePoint versteht sich dabei als Ort, in dem junge Unternehmen mit etablierten Firmen unter einem Dach arbeiten und Synergieeffekte nutzen - Motto: „Old Meets New Economy“. Die Palette der Branchen ist hier besonders breit: Sie reicht von einer Detektei über einen Hersteller von Desinfektionsmitteln bis hin zum einem Gerichtsvollzieher.

Kreative Ansätze gibt es also inzwischen auch außerhalb der Großstädte. Für die Zukunft des Coworkings ist auch Wertheim-Gründer Struch durchaus optimistisch. „Durch den Wandel der Arbeitswelt kommt das von alleine“, meint er. Heute aber seien solche Spaces oft eher noch wie Single-Partys: „Der eine oder andere Flirt entsteht, manchmal sogar etwas Festes – aber die Realität sieht doch meistens anders aus.“

IHK vor Ort: Regelmäßige Beratungstermine für Gründer im „Startplatz“

Die IHK Köln engagiert sich im Rahmen ihrer Gründerberatung auch innerhalb der Start-up- und Coworker-Szene. Seit dem vergangenen Jahr werden beispielsweise regelmäßig Beratungstermine im „Startplatz“ durch die Startup-Unit der IHK angeboten. Eine Liste der Gründerzentren und Coworking-Angebote in Köln und Umgebung finden Sie auf der IHK-Website.

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Petra Göbbels

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