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Der Asien-Pazifik-Raum gewinnt für deutsche Unternehmen immer mehr an Bedeutung. Foto: Peter Boettcher
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China: Neue Chancen, alte Hürden

Die Bedeutung Chinas für hiesige Unternehmen nimmt weiter zu. Die IHK-Organisation hilft auch kleineren Unternehmen beim Markteinstieg.

Text: Werner Grosch

China ist die einzige große Wirtschaftsnation, die im Corona-Jahr 2020 noch ein Wirtschaftswachstum zu verzeichnen hatte. Mit 2,3 Prozent fiel es zwar deutlich geringer aus als in den vergangenen Jahren, aber damit lag die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt immer noch weit vor anderen Staaten, nicht zuletzt Deutschland mit seinem Minus von fünf Prozent.

Deutschlands größter Handelspartner

Die Bedeutung Chinas für Deutschland lässt sich an wenigen Zahlen verdeutlichen: China war
2020 zum fünften Mal in Folge Deutschlands größter Handelspartner, mit einem Handelsvolumen
von 212,1 Milliarden Euro. Dieser Wert lag sogar noch leicht über dem des Vorjahres mit 205,6 Milliarden. Die deutschen Exporte nach China betrugen 95,9 Milliarden Euro. Kein Wunder also, dass China nach wie vor eine große Rolle auch für die Unternehmensservices der IHK Köln spielt – zumal es innerhalb der IHK-Arbeitsteilung in Nordrhein-Westfalen auch ein Schwerpunktland der Kölner IHK ist.

Die IHK Köln bietet zu China nicht nur regelmäßig aktualisierte Basisinformationen, sondern auch
konkrete Hilfestellung etwa bei Fragen zum Markteinstieg, zum chinesischen Zoll, zur Firmengründung oder Produktpiraterie. Gerade in wirtschaftlichund politisch turbulenten Zeiten – nicht nur mit Blick auf Corona – gehören Veranstaltungen (Webinare) zur aktuellen Situation
in China und Entwicklungen in geschäftsrelevanten Fragen zu den stark nachgefragten Angeboten.

Hohe Erwartungen an Investitionsabkommen

„Kürzlich hatten wir zum Beispiel ein sehr gut besuchtes Webinar zur aktuellen Geschäftsklima-
Umfrage der Auslandshandelskammer in China“, berichtet Gudrun Grosse, die selbst einige Jahre in China lebte und bei der IHK Köln u.a. für China zuständig ist. Die Umfrage lieferte nicht nur aktuell gute Daten der in China engagierten deutschen Unternehmen, sondern auch einen Blick auf die Erwartungen: 39 Prozent der befragten Firmen steigerten 2020 ihren Umsatz in China, 42 Prozent verzeichneten sogar einen höheren Gewinn als im Jahr zuvor. Etwa ein Viertel konnte die entsprechenden Werte des Jahres 2019 zumindest halten. Für die Zukunft erwarten viele Unternehmen noch bessere Geschäftschancen aufgrund des Investitionsabkommens,
über das die EU und China sich Ende 2020 grundsätzlich geeinigt hatten.

Probleme im China-Geschäft

Die Unternehmen benennen aber auch Probleme: ganz vorne die Corona-bedingten Reisebeschränkungen. Auch wenn sich über Videokonferenzen, Augmented Reality und VR-Brillen
vieles überbrücken lässt: Den ganz persönlichen Kontakt ersetzen sie auf Dauer nicht. Die Umfrage zeigt auch, dass chinesische Unternehmen zunehmend als Wettbewerber auftreten. 41 Prozent
der befragten Unternehmen halten es für möglich, dass ihre chinesischen Wettbewerber in den nächsten fünf Jahren Innovationsführer in ihrer Branche werden.

Ein Grund: China schützt seine eigenen Unternehmen weiterhin massiv. Dies bestätigt das jüngste Zukunftspanel des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), in dem fast 80 Prozent der befragten deutschen Unternehmen angaben, dass die chinesische Konkurrenz Wettbewerbsvorteile durch Subventionen habe. Fast zwei Drittel der Befragten halten deshalb ein „robusteres“ Vorgehen
gegen Wettbewerbsverzerrungen durch die chinesische Führung in den kommenden Jahren für wichtig oder jedenfalls eher wichtig. Das IW wertet diese Ergebnisse als „dringenden
Appell an die europäische und deutsche Wirtschaftspolitik“, Maßnahmen für faire Wettbewerbsbedingungen zu ergreifen.

Asien-Pazifik-Raum im Fokus

Alexander Hoeckle, Geschäftsführer International und Unternehmensförderung in der IHK Köln,
rät allerdings dazu, den Blick nicht bloß auf China zu richten. Vielmehr gewinne der gesamte
Asien-Pazifik-Raum immer mehr an Bedeutung: „Der Anteil von Asien-Pazifik am außereuropäischen Warenhandel der deutschen Wirtschaft lag 2019 schon bei über 40 Prozent und nimmt weiter zu.“ Die EU hat die Entwicklung erkannt und Handelsabkommen mit Südkorea, Singapur, Japan und zu letzt Vietnam abgeschlossen. Weitere Abkommen werden verhandelt.

China bleibt ein wichtiger, aber auch ein zunehmend schwieriger Partner. Und China ist nicht das einzige Land, in dem Unternehmen auf Marktzugangsbarrieren, unfaire Wettbewerbsbedingungen oder unterschiedliche Wertvorstellungen stoßen. Wie können kleine und mittelständische Unternehmen in Zukunft erfolgreich auf den Weltmärkten sein? Das ist das Thema des 11. IHK-Außenwirtschaftstages NRW am 23. September 2021 (siehe Info-Kasten).

Digitale Veranstaltungen u.a. zu China

IHK Köln: Erfolgreich mit digitalem Marketing, 10. Juni 2021

IHK-Außenwirtschaftstag NRW, 23. September 2021

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