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Im TÜV-Centre for Advanced Technology in Coimbatore, Indien, werden Studenten vom TÜV Rheinland in Schweiß-Kursen zum „Welding Engineer“ ausgebildet Fotos: Thomas Ernsting / TÜV Rheinland
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Chalta Hai und die Kunst in Indien erfolgreich zu sein

Indien boomt. Eine stark wachsende Mittelschicht treibt die Nachfrage nach besserer Qualität und Auswahl voran. Was Investoren wissen müssen, erfahren sie auf dem India Day in Köln.

Text: Eli Hamacher

Vor vier Jahren hat der wirtschaftsfreundliche und mit viel Vorschusslorbeeren bedachte Premier Narendra Modi die Regierung in Indien übernommen. Mit einem nie da gewesenen Reformeifer versucht er seitdem die drittgrößte Volkswirtschaft Asiens voranzubringen: Er digitalisiert, modernisiert, industrialisiert. Was hat er seitdem bewirkt, was nicht? Was hat sich bei Wirtschaftswachstum, Kampf gegen Korruption, Ausbau der Infrastruktur und Schaffung von neuen Arbeitsplätzen getan? Antworten gibt der India Day am 6. Juni 2018 in Köln, der u.a. von der IHK Köln unterstützt wird (siehe Kasten).

Seit 2009 treffen sich einmal im Jahr Führungskräfte, um sich rund um das Thema „Business in Indien“ zu informieren und auszutauschen. In Podiumsdiskussionen und Vorträgen beleuchten Unternehmer und Experten aktuelle Themen wie Auswirkungen der neuen Verbrauchssteuer GST, Chancen und Risiken beim Markteintritt oder etwa Erfahrungen beim Aufbau einer Produktion. Etwa 150 Teilnehmer werden erwartet.

Zu den erfahrenen Indien-Investoren gehört der TÜV Rheinland. 1996 mit sechs Mitarbeitern in Bengaluru, im Süden des Landes, gestartet, beschäftigt das Kölner Unternehmen aktuell in Indien mehr als 1000 Menschen an rund 100 Standorten. „Für den TÜV ist Indien heute das Land, das weltweit am stärksten wächst“, sagt Thomas Fuhrmann. Für das laufende Jahr rechnet der Managing Director beim TUV Rheinland India Pvt. Ltd. mit einer Umsatzsteigerung von rund 25 Prozent. Rund 2,5 Millionen Euro haben die Deutschen gerade in der boomenden Metropole investiert, um Standorte zusammenzulegen und sich zu vergrößern. Zu den wichtigsten Wachstumstreibern gehörten die erneuerbaren Energien, die in dem Land mit seinen 300 Sonnentagen von der Regierung stark gefördert werden. Der TÜV überprüft die Sicherheit der Photovoltaik-Systeme zur Stromerzeugung.

Weitere Umsatzträger sind die Digitalisierung mit IT-Security und Software-Evaluierung sowie Tests von Konsumprodukten für den lokalen Markt. „Höhere Qualität und Sicherheit werden für das aufstrebende Schwellenland immer wichtiger“, sagt Fuhrmann. Stark nachgefragt würden deshalb auch die Dienstleistungen rund um Auditierung von Managementsystemen sowie Aus- und Weiterbildung. Allein 10.000 Inder bildet der TÜV jährlich zu Fachkräften aus.

Fast zeitgleich mit Premier Modi hat Fuhrmann seinen Job in Indien angetreten. Sein Fazit nach vier Jahren: „Die ursprüngliche Erwartungshaltung war überzogen. Die Stimmung unter den Unternehmern ist heute dennoch positiv.“ Die Infrastruktur etwa habe sich systematisch verbessert, gleichwohl sei der Aufholbedarf noch enorm. Investoren seien mit den Programmen „Make in India“ oder „Make in India Mittelstand“ angelockt worden, und das Investitionsklima habe sich aufgehellt. Auf die To-Do-Liste setzt der TÜV-India-Chef den Abbau von Bürokratie, die Verbesserung von Umweltschutz und die Ausbildung von Fachkräften.

Auch Alexander Hoeckle, Geschäftsführer International und Unternehmensförderung bei der IHK Köln, ist überzeugt: „Der Markt Indien ist von wachsender Bedeutung. 1,3 Milliarden Einwohner, die schiere Größe des Landes und Konsumausgaben im Finanzjahr 2016/2017 von rund 1,3 Billionen US-Dollar sprechen eine klare Sprache.“ Leider laufe die Entwicklung weiterhin langsam. Nicht alle Bundesstaaten zögen an einem Strang und traditionelle Branchen bestünden auf ihren Privilegien. „Das Zukunftspotenzial Indiens aber sehen schon rund 1800 deutsche Unternehmen vor Ort, weitere werden sicher folgen."

Zu ihnen gehört die Kölner TESTTailor GmbH. Seit Ende 2015 betreibt sie eine Crowdtesting-Plattform, auf der Freelancer für Mittelständler die Leistungsfähigkeit von deren Websites testen. Zeitgleich gründete deren Chef, Adarsh Mehta, in New Delhi eine Tochterfirma, die Blockchain- und Kryptographie-Projekte für deutsche Kunden entwickelt, unter ihnen Versicherungen und Softwarehersteller. Der 44-Jährige will vom Besten aus beiden Welten profitieren: vom besseren Qualitätsverständnis der Deutschen und der Fähigkeit seiner Landsleute, schnell Dinge – auch mal provisorisch umzusetzen. Dann trifft „Chalta Hai“, das indische Laissez Faire auf deutsche Gründlichkeit. Mit seinem Investment ist der gebürtige Inder mehr als zufrieden. Zu den großen Pluspunkten zählt er die verstärkte Öffnung des Landes für ausländische Unternehmer und den Abbau von Bürokratie. Dank digitaler Abläufe könne er Aufgaben wie die Steuererklärung schnell und effizient erledigen. Darüber hinaus schätzt der Unternehmer das niedrige Lohnniveau. Für einen Informatiker mit vier bis fünf Jahren Erfahrungen zahlt der Gründer umgerechnet 1100 bis 1700 Euro im Monat. Neben dem Preis könne er gegenüber seinen Kunden mit Schnelligkeit und Flexibilität punkten.

Indien in Köln

++Am 6. Juni 2018 findet im Kölner RheinEnergieSTADION von 9 bis 18 Uhr der nächste India Day statt. Veranstalter sind der Indien-Dienstleister Maier+Vidorno, die Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH sowie die Sparkassen-Finanzgruppe. Anmeldeschluss ist der 29. Mai 2018. Die Teilnahme kostet 120 Euro ohne MwSt.

Details zur Anmeldung finden Sie unter: https://www.indiaday.de
Kontakt: kontakt@indiaday.de

++Die IHK Köln unterstützt den India Day und berät bei Fragen zu Indien. Ansprechpartnerin im Geschäftsbereich International und Unternehmensförderung ist
Gudrun Grosse, Tel. 0221 1640-1561
E-Mail: gudrun.grosse@koeln.ihk.de

++Der India Day ist Teil der jährlichen Kölner Indienwoche (1. bis 10. Juni 2018). Auf dem Programm stehen Vorträge, Workshops, Filme, Konzerte.
www.india.uni-koeln.de.

++Schwerpunkt-IHK für Indien in NRW ist die IHK zu Düsseldorf. Die Deutsche Auslandshandelskammer (AHK) ist in Indien mit Standorten in Delhi, Kolkata, Mumbai, Pune, Chennai und Bengaluru sowie einem Büro in Düsseldorf vertreten. Ihr Jahrestreffen findet am 5. Juni 2018 von 09:00 Uhr bis 14:00 Uhr im Kongresszentrum des TÜV Rheinland in Köln statt. Am Abend des 5. Juni empfängt Bürgermeister Andreas Wolter die Teilnehmer im Rathaus der Stadt Köln.
http://indien.ahk.de

++Der German-Indian Round Table (GIRT) trifft sich in der Regel alle zwei Monate in Köln. Ziel der GIRT-Treffen ist es, Unternehmen aus der rheinischen Region über den indischen Markt zu informieren.
https://www.girt.de/girt/koeln/

Erfolgreich in Indien investieren: Tipps von Klaus Maier, Geschäftsführer des Indien-Dienstleisters Maier+Vidorno

  • Langfristig planen: Angesichts der Komplexität des Marktes und der vielen neuen Herausforderungen brauchen Neueinsteiger Zeit, sich zurecht zu finden und die richtige Strategie zu entwickeln.
  • Produkte anpassen: Indien ist ein (Sub-) Kontinent mit vielen verschiedenen Sprachen, Kulturen und Religionen. Passen Sie Ihre Produkte ggf. an die Kundenwünsche an.
  • Preissensibilität beachten: Von deutschen Herstellern wird eine besonders hohe Qualität erwartet. Die indischen Kunden sind aber oft nicht bereit, hierfür zu zahlen. Die Wettbewerbspreise sollten deshalb vor einem Markteintritt bekannt sein.
  • Richtige Partner finden: Sie benötigen in Indien mehrere Partner, die in ihrer jeweiligen Region und der Branche über Expertise verfügen.
  • Eigenes Vertriebsteam einsetzen: Nur durch eigenes, indisches Personal lässt sich eine Beziehung zu den indischen Kunden aufbauen, die dann den Vertrieb über Qualität erst möglich macht.

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