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Wolfgang Deibel (Foto r.) ist begeistert von seinem Azubi Tom. Foto: Aliki Monika Panousi
Leben

Behinderung sagt gar nichts

Warum es meistens lohnt und oft gar nicht so schwer ist, Mitarbeiter mit Einschränkungen auszubilden oder zu beschäftigen. Mit der Unterstützung der IHK-Inklusionsberatung.

Text: Werner Grosch

„Wenn ich ihn klonen könnte, würde ich es tun.“ Ein Chef, der so über einen Mitarbeiter spricht, ist ganz offenbar mehr als zufrieden. Das Kom­pliment gebührt Tom, der in Wolfgang Deibels Firma My IT Service eine Ausbildung zum Fach­informatiker für Systemintegration absolviert.

Tom hat Narkolepsie, was in seinem Fall bedeutet: Er braucht mehr Schlaf als andere, kann morgens erst später mit der Arbeit anfangen, und manchmal gibt es schlechte Tage, an denen er auch nicht so viele Stunden schafft. „Aber insgesamt erfüllt er seine Arbeitszeit, ist sehr clever, arbeitet sich schnell in unsere Themen ein, und im Team wie bei den Kunden wird er sehr geschätzt“, sagt Deibel, der insgesamt neun Mitarbeiter beschäftigt und Tom im privaten Rahmen kennenlernte. Einen Jungen, der wegen seiner Krankheit kein Abitur machen konnte und sich sehr schwertat, eine Ausbildung zu finden. Vor allem deshalb, weil der Besuch der Berufsschule zu den dort üblichen Zeiten einfach nicht möglich ist. Aber das ließ sich regeln: „Die Bezirksregierung musste ihn von der Schulpflicht befreien und wir brauchten ein Alternativprogramm, um ihm die schulischen Inhalte zu vermitteln. Das hat seine Zeit gedauert, aber am Ende war es einfach. Und beim zweiten Mal wäre es ein Klacks!“

Dem Unternehmer liegt viel daran, genau das zu betonen: Inklusion am Arbeitsplatz ist gar nicht so schwer. Alle beteiligten Institutionen waren guten Willens, und die Inklusionsberatung der IHK Köln half bei allen Fragen zu Genehmigungen oder Fördermitteln. „Das war vorbildlich, wir wurden von Anfang bis Ende an die Hand genommen“, sagt Deibel, der für sein Engagement in Sachen Inklusion vergangenes Jahr den Chancengeber-Award der IHK-Stiftung erhielt.

Natürlich gibt es bei jedem einzelnen Menschen mit Behinderung eigene Herausforderungen.
Oft ist eine spezielle technische Ausstattung des Arbeitsplatzes notwendig. Dafür aber gibt es Zuschüsse, wie für vieles andere. Die Inklusions­beratung der IHK Köln, die aus Mitteln der Ausgleichsabgabe über das Integrationsamt des Landschaftsverbandes Rheinland finanziert wird, leitet die Unternehmen durch den Dschungel der Möglichkeiten und hilft bei allen Fragen, die sich bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung stellen können. Dazu gehören die Information über Fördermöglich­­keiten, die Kontaktvermittlung zu Kostenträgern, Hilfe bei Antragstellungen oder Fragen zu den gesetzlichen Bestimmungen wie beispielsweise
dem Kündigungsschutz. Und dabei wird auch immer eine Botschaft vermittelt: „Eine Behinderung sagt noch gar nichts über die Leistungsfähigkeit eines Menschen aus. Sie gibt nur bestimmte Bedingungen für ihre Beschäftigung vor“, erklärt Jasna Rezo-Flanze, Leiterin des Bereichs Fachkräftesicherung bei der IHK Köln.

Eine wichtige Aufgabe der Beratung ist auch, Unternehmen erst mal zu sensibilisieren. Häufig
sind Behinderungen ja nicht angeboren, sondern durch Krankheit, Unfälle oder altersbedingte Einschränkungen im späteren Leben verursacht. „Unternehmen können mit etwas Engagement dann auch wertvolle Mitarbeiter halten, die sie sonst verloren hätten“, sagt Rezo-Flanze. 

IT-Unternehmer Deibel würde jederzeit wieder einen Menschen mit Behinderung einstellen, wenn es passt. Die positive Erfahrung teilt er mit vielen. Häufig gewinnen Betriebe besonders motivierte und engagierte Mitarbeiter. Das bestätigt auch Hans Jürgen Mosbach, der in Köln das Transport­unternehmen Quick-Line betreibt. Von seinen 30 Beschäftigten sind sechs, also stattliche 20 Prozent, Menschen mit Schwerbehinderung. Um ihnen die Arbeit in der Firma zu ermöglichen, brauchte es hier einen kleinen Treppenlift, da einen höhenverstellbaren Schreib­­tisch. Inzwischen hat Mosbach auch einige Arbeitsvorgänge neu strukturiert, damit die einzelnen Mitarbeiter ihre Arbeit bestmöglich erledigen können. Bei vielen Fragen wurde der Unternehmer von der IHK-Inklusionsberatung unterstützt. Heute lobt er nicht nur die Leistung aller Angestellten, sondern sieht noch einen weiteren großen Ge­­winn: „Toleranz und Rücksichtnahme sind unter allen Kolleginnen und Kollegen zum Standard geworden.“

Weitere Informationen und Kontakt zur Inklusionsberatung:

www.ihk-koeln.de/93039

Auch beim Transport-Unternehmen Quick-line half die IHK-Inklusionsberatung.
Foto: Aliki Monika Panousi

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