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Petra Göbbels vom Start-up-Team der IHK Köln und zwei der Gründer von Phytolinc, Arne Maercker (l.) und Dennis Prausse. Foto: Thilo Schmülgen
Porträt

Balancierhilfe für Start-ups

Mag die Idee für ein innovatives Produkt auch vielversprechend sein: Viele Uni-Absolventen drohen beim Balanceakt der Unternehmensgründung das Gleichgewicht zu verlieren. Balancierhilfe bieten Coaches der IHK und der Universität zu Köln.

Text: Patrick Schroeder

Köln gehört mittlerweile zu den deutschen Städten mit der schlechtesten Luftqualität. Das liegt auch an der Masse der Autos, die sich jeden Tag durch den Berufsverkehr kämpfen. Autos, in denen oft nur eine Person sitzt. Eine fast schon absurde Situation, die unwirtschaftlich und umweltschädigend ist, ist Wolfram Uerlich überzeugt. Der studierte Betriebswirt will das ändern. Gemeinsam mit einem befreundeten Informatiker hat er deswegen im Oktober 2017 das Start-up Flux gegründet.

Die Geschäftsidee: die einfachste Mitfahrgelegenheit aller Zeiten. „Apps für Mitfahrgelegenheiten haben sich bislang nur für Langstrecken durchgesetzt, etwa für die Fahrt von Köln nach Hamburg. Für Kurzstrecken ist der Aufwand einfach zu hoch“, erklärt Uerlich. „Mit unserer App wird es hingegen möglich sein, in wenigen Sekunden eine Mitfahrgelegenheit innerhalb der Stadt zu organisieren.“ Vor Fahrtbeginn gibt der Fahrer Ziel und Anzahl der freien Plätze an. Anschließend nutzt er die Navigation, die in die App integriert ist und sammelt unterwegs Mitfahrer ein – ganz ohne Telefon- oder SMS-Absprache. Für Pilotprojekte im Sommer 2018 ist Flux auf der Suche nach Unternehmen mit mindestens 1000 Mitarbeitern. Beim anschließenden öffentlichen Roll-out wäre dann auch eine Vernetzung mit dem ÖPNV sowie Car- und Bikesharing-Anbietern denkbar, eine Art Verkehrsflat zum Festpreis.

Eine geniale Idee? Möglicherweise. Doch wie findet man die passenden Partner, wie die passende Finanzierung? „Ganz zu Beginn stand die Idee, mit einer vereinfachten Mitfahr-App für bessere Luftqualität in den Städten zu sorgen. Wir hatten aber Fragen zur Gründung und zum Aufbau eins Unternehmens“, erinnert sich Uerlich. Mit diesen Fragen hat sich das Start-up an die IHK Köln gewandt. „Die IHK Köln hat uns in dieser Phase mit Beratern unterstützt. Das war unheimlich wichtig für uns, denn so konnten wir Orientierung und die richtigen Ansprechpartner in Industrie und Wirtschaft finden.“

Die Gründer des Start-up Flux (v. l.): Nils Kittel, Dennis Pütz und Geschäftsführer Wolfram Uerlich
Foto: Thilo Schmülgen

IHK hilft, existenzbedrohende Stolperfallen zu umgehen

Das Start-up Team der IHK Köln hat in den letzten Jahren bereits mehrere hundert Start-ups und innovative Gründungen mit kostenlosen Beratungen unterstützt. „Die Gründerinnen und Gründer müssen bei der ersten Beratung lediglich ihre Idee mitbringen. Wir nehmen die Idee dann unter die Lupe, diskutieren die wirtschaftliche Machbarkeit und stellen erste Weichen für die Zukunft“, erklärt Mathias Härchen, Leiter des Kölner IHK Start-up-Teams.

Ein besonders hoher Beratungsbedarf bestünde bei der Finanzierung, die bei Start-ups häufig anders funktioniert als bei klassischen Gründern. „Bei Start-ups ist das Risiko einer Kreditvergabe meist sehr schwer einzuschätzen oder von vornherein sehr hoch. Sie haben daher nur geringe Chancen, Fremdkapital in Form normaler Bankenkredite zu erhalten. Als Berater machen wir die Start-ups deswegen auch mit alternativen Wegen vertraut, etwa mit Privatinvestoren oder Crowdfunding.“ Bei der Beratung ginge es aber auch um wichtige Aspekte des Wachstums, der Personaleinstellung und um Rechtsfragen zu Patenten. „Das sind Aspekte, die für Start-ups schnell zur existenzbedrohenden Stolperfalle werden können. Da sind wir als Berater gefragt, die den Weg der Gründungsphase mitgehen und helfen, Risiken zu minimieren.“

Starthilfe für neuartigen Bioreaktor des Start-ups PHYTOLINC

Auch PHYTOLINC hat die Beratung der IHK genutzt. Das Start-up um Arne Maercker, Dennis Prausse und Jan Zaabe, drei Absolventen der Universität zu Köln, entwickelt einen neuartigen Bioreaktor für die Produktion von Mikroalgen, die in der industriellen Zucht von Krebstieren, Fischen und Muscheln als Futter dienen. „Gängige Kultivierungsverfahren sind ineffizient, teuer und eingeschränkt hinsichtlich der Algenarten, die sich produzieren lassen“, erklärt Gründer Dennis Prausse. So sind beispielsweise bis zu 20.000 Liter notwendig, um eine Tonne Mikroalgen zu produzieren. „Mit unserem Bioreaktor, bei dem die Mikroalgen auf einer feinporösen Membran wachsen, lassen sich höhere Wachstumsraten erzielen – und das bei einem um bis zu 90 Prozent reduzierten Wasserverbrauch. Zudem lassen sich Algenarten züchten, die industriell bisher nicht kultivierbar sind.“

Eine vielversprechende Idee. Schließlich wächst die industrielle Zucht von Meereslebewesen, die sogenannte Aquakulturbranche, seit Jahren. So stammen mittlerweile über 93 Prozent der Garnelen nicht mehr aus dem Meer, sondern aus Aquakulturanlagen. Doch wie sieht es mit der Finanzierung der Geschäftsidee aus? Zwar sind Prausse und seine Kollegen Stipendiaten des EXIST-Förderprogramms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Das Programm läuft allerdings nur ein Jahr. „Um die passende Anschlussfinanzierung zu finden, haben wir die Start-up-Beratung der IHK Köln in Anspruch genommen“, sagt Maercker. „Die Finanzexperten haben uns dabei unterstützt, unser Unternehmen auf ein wirtschaftlich stabiles und zukunftsfähiges Fundament zu stellen. Das war für uns ein wichtiger Schritt.“ Die Gründer haben zudem Veranstaltungen der IHK besucht – etwa einen Infoabend, bei dem Anwälte über Patentrecht aufgeklärt haben. „Wir haben uns durch diese Beratungen gut aufgehoben gefühlt.“

Wurden von der IHK Köln dabei unterstützt, ihr Unternehmen auf ein wirtschaftlich stabiles und zukunftsfähiges Fundament zu stellen: Arne Maercker und Dennis Prausse (r.) von Phytolinc
Foto: Thilo Schmülgen

Uni Köln unterstützt Start-ups mit Accelerator-Programm

Beide Start-ups, Flux und PHYTOLINC, sind mittlerweile Stipendiaten des Future Champions Accelerator Rhein Ruhr – ein Förderprogramm, das der Gründungsservice der Universität Köln in Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen und der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf ins Leben gerufen hat und das zwölf Start-ups aus dem Rhein-Ruhr-Gebiet über zwölf Monate intensiv betreut. „Ein innovatives Produkt oder eine neuartige Geschäftsidee zu entwickeln ist schon Herausforderung genug. Die Gründer sollen sich voll und ganz auf diese Aufgabe konzentrieren können“, ist Vesna Domuz, Start-up Coach im Accelerator-Programm, überzeugt. „Alle Stipendiaten des Accelerator-Programms bekommen von uns Unterstützung in Form von Infoveranstaltungen, Experten-Workshops und Einzelcoaching. Wir wollen die Start-ups damit in die Lage versetzen, ihre Gründungsidee schnell zu einem erfolgversprechenden Geschäftsmodell zu entwickeln, den Wettbewerb richtig einzuschätzen und wichtige Kontakte zu Industrie und Wirtschaft zu knüpfen.“

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