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Grafik: Elena Rosa Gil
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Kostet nichts und taugt doch was

Viele Unternehmerinnen und Unternehmer können das erst mal gar nicht glauben: Die „ausbildungsbegleitenden Hilfen“ der Agentur für Arbeit kosten den Betrieb weder Zeit noch Geld. Azubis verhelfen sie aber oft zum Erfolg.

Text: Werner Grosch

Jan Gebauer muss Unternehmen oft erklären, was „ausbildungsbegleitende Hilfen“ (abH) eigentlich sind. Er ist Projektleiter der „abH“ beim Kölner Bildungsanbieter lernen bohlscheid. „Dieses Angebot existiert schon so lange, und trotzdem gibt es immer wieder Betriebe, die abH nicht kennen.  Und auch aufgrund unserer engen Kooperation mit den Berufsschulen sind es in der Mehrzahl die Azubis selbst, die den Weg zu uns finden.“

Unternehmen dagegen haben oft noch nichts davon gehört, und wenn, sei die nächste Frage: „Und das kostet mich wirklich gar nichts?“ Nein, kostet nichts. Finanziert wird das abH-Angebot komplett von der Bundesagentur für Arbeit; private Träger – in Köln neben lernen bohlscheid auch IN VIA und das Jugendwerk Köln (Details s. Kasten) – setzen es in ihrem Auftrag in die Tat um. Im Kölner Umland sind zum Beispiel die Lernen Fördern gGmbH und das Bildungszentrum Bergheim aktiv (s. Kasten).

Drei bis acht Stunden Unterricht pro Woche

Maximal investiert der Arbeitgeber ein paar Stunden Zeit, indem er den Azubi für die drei bis acht Stunden Extra-Unterricht pro Woche freistellt. Aber auch das muss er nicht tun, dann machen es die jungen Leute eben nach der Arbeit. Und die Kosten trägt zu 100 Prozent die Agentur für Arbeit. Dafür bekommen die Azubis nicht bloß Nachhilfe in ihren schwachen Fächern, sondern auch sozialpädagogische Betreuung, Kommunikationstraining, gezielte Prüfungsvorbereitung und nicht zuletzt einen individuellen Lernplan, der alle drei Monate fortgeschrieben wird.

Mehr als 80 Prozent der Teilnehmer der Kölner abH schaffen die Abschlussprüfung, berichtet Gebauer. Bis dahin ist es für die Mehrzahl der Absolventen ein harter Weg. Denn praktisch alle kommen mit einer oder gar mehreren Fünfen oder Sechsen im Zwischenzeugnis zu JWK, lernen bohlscheid und IN VIA.

Unterstützung über die gesamte Ausbildungszeit

Dabei ist die Unterstützung der Bildungsträger keineswegs bloß punktuell: Wer will, kann die abH sogar von Anfang bis Ende der Ausbildung in Anspruch nehmen. „Es gibt sogar schon einzelne Betriebe, die sagen: Den Bewerber stelle ich als Azubi ein, aber nur, wenn er durchgängig den Extra-Unterricht bekommt“, berichtet Gebauer. Dahinter steckt die schon altbekannte Erfahrung von Unternehmen, dass viele junge Leute heute nicht mehr „ausbildungsfähig“ die Schule verlassen.

Ein Problem, das auch Ralf Marschke kennt. Er ist stellvertretender Niederlassungsleiter bei der Karl Schmidt Spedition GmbH & Co. KG und bildet selbst Fachlageristen und Fachkräfte für Lagerlogistik aus. „Es ist nicht immer einfach, die richtigen Leute zu finden. Oft haben sie keine Lust auf Schule, sind in der Berufsschule überfordert. Wenn ich Defizite feststelle, melde ich die Leute sofort für ausbildungsbegleitende Hilfen an. Und das hilft wirklich sehr gut“, sagt Marschke, der schon einige Azubis in abH hatte. Und die hätten dann auch spätestens in der Wiederholungsprüfung allesamt ihren Abschluss geschafft.

Das Lernen lernen

Nicht selten müssten die Teilnehmer auch erst einmal das Lernen lernen, sagt Gebauer. Außerdem setze man als Anbieter auf den persönlichen Erfolg,  an dem jeder Einzelne wachsen könne. Ein herausragendes, aber typisches Beispiel dafür sei eine junge Frau gewesen, erinnert er sich, die nach der Realschule während ihrer Ausbildung zur Verkäuferin nur Noten zwischen fünf und sechs erreichte. Erst die Extra-Unterstützung brachte die Wende: Die Noten verbesserten sich auf eins bis zwei, und schließlich holte sie auf der Abendschule sogar noch das Abitur nach.

So ideal läuft es natürlich nicht immer. Aber das Feedback der Unternehmen sei in Köln bei allen drei Trägern schon sehr positiv, freut sich Jan Gebauer. Auf Wunsch erhalten die Betriebe einmal im Monat einen Report über den Entwicklungsstand ihres Azubis und den weiteren Plan. Scheitern würden die Teilnehmer meist nur dann, wenn sie zu spät kämen, berichtet Gebauer weiter: „Man kann nicht in wenigen Monaten vor der Prüfung nachholen, was über lange Zeit versäumt wurde. Man sollte die abH nicht erst zur Prüfungsvorbereitung nutzen, sondern schon dann, wenn die ersten Probleme auftauchen.“

Dann jedenfalls verspricht das Programm, das in Kleingruppen mit maximal acht Personen stattfindet, großen Erfolg. Und so wird in diesen Wochen dank abH ein großer Teil der gut 800 Plätze, die die Agentur für Arbeit allein in Köln finanziert, auch diesmal durch den Abgang der Prüfungsjahrgänge wieder frei werden.

Adressen und Quellen

Die ausbildungsbegleitenden Hilfen sind ein bundesweites Programm, das vollständig von den Agenturen für Arbeit finanziert wird. Private Träger setzen es in ihrem Auftrag in die Tat um. In jeder größeren Stadt gibt es offizielle Anbieter. Weil es in Köln sogar drei sind, können sie sich nach fachlichen Schwerpunkten aufteilen: Während lernen bohlscheid – Akademie für Bildungsprojekte GmbH sich vor allem um kaufmännische und IT-Berufe kümmert, ist die JWK gGmbH – Jugendwerk Köln, die auch eine eigene Werkstatt hat, für die gewerblich-technischen Berufe zuständig. Bei IN VIA gGmbH liegt der Schwerpunkt unter anderem auf Hotellerie und Gastronomie, Gesundheit und Kosmetik. Die Kontaktdaten aller Kölner Träger finden Sie auf www.abH-koeln.net.

Auch im Umkreis von Köln gibt es einige Anbieter: Die Lernen Fördern gGmbH mit abH-Standorten in Leverkusen, Bergisch Gladbach, Wermelskirchen, Gummersbach, Wipperfürth und Waldbröl und im Rhein-Erft-Kreis das Bildungszentrum Bergheim.