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Bastian Hammer, Inhaber einer Kampfkunstschule, fand seine Auszubildende Lena-Maria von der Heiden einige Wochen nach dem offiziellen Ausbildungsstart. Foto: Aliki Monika Panousi
Leben

Ausbildung: Jetzt noch einsteigen!

Immer noch suchen Unternehmen nach Auszubildenden – und umgekehrt. Das Ausbildungsjahr 2020/21 hat zwar längst begonnen, ein Einstieg ist diesmal aber noch bis 31. Januar möglich.

Text: Lothar Schmitz

Fabian Döhl und Charlotte Marie Rösch haben es geschafft. Ebenso wie Manuel Freiwald, David Gies, Lucas Michael Dirk Heine und Richard Maikath. Sie haben im Sommer mit Erfolg ihre Ausbildungsprüfungen bestanden, etwa als Baustoffprüfer, Elektroniker für Gebäude- und Infrastruktursysteme oder Tierpflegerin, Fachrichtung Forschung und Klinik. Sie waren sogar besonders erfolgreich, denn die sechs jungen Leute aus dem IHK-Bezirk Köln gehören zu Deutschlands besten Azubis des Abschlussjahrgangs 2020.

Anfang Oktober zeichneten IHK-Präsidentin Dr. Nicole Grünewald und Thorsten Zimmermann, Leiter der Geschäftsstelle Rhein-Erft, erstklassige Azubis aus Betrieben in Rhein-Erft und Köln aus, darunter Julia Arndt, Bestensprecherin für den Rhein-Erft-Kreis.
Foto: Joachim Schmidt-Dominé

„Sie haben bewiesen, dass Sie – trotz dieser wirklich extremen und noch nie da gewesenen Ausnahmesituation durch Corona – unglaublich gute Leistungen erbringen und Ihr Ziel, Ihre Ausbildung exzellent abzuschließen, trotzdem erreichen können“, sagte Dr. Nicole Grünewald bei der Bestenehrung der IHK Köln im Oktober in Hürth, bei der 154 Top-Azubis aus Betrieben in Köln und im Rhein-Erft- Kreis gefeiert wurden.
Die Präsidentin der IHK Köln fügte einen wichtigen Aspekt hinzu: „Diese Fähigkeit nennt man Resilienz. Ein Wort, das Sie sich merken sollten. Denn es bedeutet, dass man schwierige Lebenssituationen und Krisen ohne anhaltende Beeinträchtigungen überstehen und für die eigene Entwicklung nutzen kann. Also genau das, was Sie in diesem Jahr getan haben.“ Resilienz brauchten viele Auszubildende in diesem Jahr auch mit Blick auf ihre Abschlussfeiern: Im Rhein-Erft-Kreis durfte noch gefeiert werden, alle weiteren Bestenehrungen mussten Corona-bedingt ebenso wie die Landes- und die Bundesbestenehrung abgesagt werden. Glückwünsche und Urkunden kamen in diesem Jahr per Videobotschaft und Post.
Geduld, Flexibilität, Durchhaltevermögen, Resilienz – diese Eigenschaften waren und sind seit Beginn der Corona-Pandemie wichtiger denn je. Das gilt für junge Menschen ebenso wie für die Unternehmen, von denen seit März viele eine bedrohliche Krisensituation bewältigen müssen. Die Folge für den Ausbildungsmarkt: „Viel Verunsicherung auf Seiten der jungen Leute und der Ausbildungsbetriebe“, bringt Carsten Berg, Leiter Ausbildung der IHK Köln, die Situation auf den Punkt. Das gilt sowohl für bestehende Ausbildungsverhältnisse als auch für die Gewinnung neuer Azubis für das Ausbildungsjahr 2020/21.

Jetzt noch ins laufende Ausbildungsjahr einsteigen
Das hat zwar, wie immer, nominell am 1. August begonnen. Doch in diesem Jahr ist alles ein bisschen anders. „Der Ausbildungsmarkt hat sich dieses Jahr um rund drei Monate nach hinten verschoben“, sagt Berg. Deshalb lautet die zentrale Botschaft an die Unternehmen und an Jugendliche, die noch einen Ausbildungsplatz suchen: Sie müssen nicht bis zum Start des nächsten Ausbildungsjahres im Sommer 2021 warten, ein Einstieg ins laufende Ausbildungsjahr ist auch jetzt noch möglich!
Viele Firmen machen von dieser Möglichkeit Gebrauch. „Wir haben im September 11,7 Prozent mehr neue Verträge als im September 2019 eingereicht bekommen“, freut sich Berg. Im Oktober setzte sich der Trend fort.

Mit IHK-Unterstützung schnell in die Ausbildung gestartet
Einer dieser späten Verträge kam von Bastian Hammer. Der Unternehmer betreibt seit Juli 2017 in Waldbröl die Kampfkunstschule Hammer. Der ausgebildete Sportfachmann mit Zusatzqualifkation als Ausbilder bietet Kurse in Taekwondo und Kickboxen für Erwachsene und Kinder an. Auch Lena-Maria von der Heidens Tochter und Sohn machen dort Taekwondo. So lernte ihre Mutter die Kampfkunstschule kennen. Die 32-Jährige ist ausgebildete Kinderpflegerin, wollte sich aber neu orientieren, am liebsten im Sportbereich. So schnupperte sie bei Bastian Hammer zunächst als Assistentin auf Minijob-Basis rein. Das beiderseitige Interesse wuchs. „Und dann sprachen wir über eine Ausbildung zur Sportfachfrau oder zur Sport- und Fitnesskauffrau“, erzählt Hammer. Er wolle mit seinem Angebot nämlich wachsen, finde auf dem Markt aber kaum Fachkräfte, die genau zu ihm passen. Selbst auszubilden mache aber genau das möglich, sagt er.
Im September hatte sich von der Heiden entschieden: der Ausbildungsberuf „Sportfachmann/-frau“ sollte es werden – aber möglichst nicht erst ab nächsten Sommer. Also suchte Hammer Rat bei Erika Bartels, Ausbildungsstellenvermittlerin in der IHK-Geschäftsstelle Oberberg. „Alles ging schnell und reibungslos“, erinnert er sich, „wir konnten zum 1. Oktober mit der Ausbildung starten.“

Ausbildung statt Nebenjob
Ein Einstieg ins laufende Ausbildungsjahr ist diesmal noch bis 31. Januar möglich. „Jugendliche, die jetzt noch aus einem Nebenjob, aus der Schule oder einer berufsvorbereitenden Klasse in eine Ausbildung wechseln, können sich die verspäteten Monate auf die Ausbildung anrechnen lassen“, erläutert IHK-Ausbildungsexperte Berg. Auch die Berufsschulen ziehen mit – ein entsprechender Erlass des NRW-Schulministeriums ersucht sie, „zur Anpassung von unterschiedlichen Lernständen nach Möglichkeit erweiterte Stützangebote im Differenzierungsbereich anzubieten“. So können auch die später Eingestiegenen an den regulären Abschlussprüfungen teilnehmen.

Lena-Maria von der Heiden macht seit dem 1. Oktober ihre Ausbildung zur Sportfachfrau.
Fotos: Aliki Monika Panousi

Unternehmen, die noch freie Ausbildungsplätze haben, und interessierte Jugendliche können sich jederzeit bei der Ausbildungsstellenvermittlung der IHK Köln melden:
Tel. 0221 1640-6650, ausbildungsvermittlung@koeln.ihk.de, www.ihk-koeln.de/150

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