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Im Gespräch überzeugen konnten Bewerberinnen und Bewerber bei den Azubi Speed Days. Foto: Oliver Gueth
Leben

Ausbildung? Da geht noch was!

Auch ein späterer Start ist in Corona-Zeiten ohne Zeitverlust möglich

Text: Werner Grosch

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Zum Stichtag 31. August gab es im Bezirk der IHK Köln 18 Prozent weniger neu eingetragene Ausbildungsverhältnisse als im Jahr zuvor. Der Grund: natürlich Corona. Verunsicherte Jugendliche, verunsicherte Betriebe. Alleine in den IHK-Berufen dürften es rund 1.500 junge Menschen sein, die unversorgt sind. Noch einmal so viele kommen aus den Bereichen des Handwerks und anderer Kammern dazu. „Das Problem ist, dass niemand weiß, was die eigentlich gerade machen. Es wäre eine Katastrophe, wenn all diese jungen Leute nichts tun und nur auf einen Neustart in einem Jahr hoffen“, sagt Carsten Berg, Leiter Ausbildung operativ der IHK Köln. Aber weder IHK noch Arbeitsagentur noch andere Beteiligte wollen sich damit abfinden. Deshalb ist das Motto jetzt: „Ausbildung? Da geht noch was!“

„Starttermin ist nicht in Stein gemeißelt“

Das wichtigste Instrument, um die Zahlen doch noch zu verbessern, ist der flexible
Ausbildungsstart. „Der übliche Starttermin am 1. August oder 1. September ist ja nicht in Stein gemeißelt“, sagt Berg. Auch später sei ein Beginn noch möglich. Damit weder die Betriebe noch die Nachwuchskräfte Zeit verlieren, bietet die IHK jetzt die Möglichkeit, verlorene Monate auf die Ausbildung anzurechnen, wenn junge Leute noch aus der Schule oder einer berufsvorbereitenden Klasse in eine Ausbildung wechseln. Auch bei einem Start im Oktober oder November, ja selbst bis zum Termin 1. Februar 2021 ist damit ein Start noch möglich, ohne dass sich der Termin der Abschlussprüfung verschieben würde.

Natürlich ist das vor allem hinsichtlich der Berufsschule nicht ganz einfach umzusetzen.
Aber da das Schulministerium hinter der Idee steht, geht Berg davon aus, dass sich auch dafür eine Lösung finden wird. Die IHK Köln hat gerade eine zweite „Woche der Ausbildung“ als konzertierte Aktion gemeinsam mit der Agentur für Arbeit, der Handwerkskammer und anderen Partnern durchgeführt, um Eltern, Betriebe und Jugendliche gleichermaßen zu erreichen. Hier liegt noch ein großes Potenzial, zumal es aktuell eine Reihe neuer und neu geordneter Ausbildungsgänge gibt (siehe Kasten). „Im Normalfall hätten wir dazu eine eigene Veranstaltung an­­geboten, aber auf unseren Webseiten gibt es dazu gute Informationen, und unsere Ausbildungsberaterinnen und -berater stehen auch jederzeit Unternehmen, Eltern und Jugendlichen zur Verfügung “, sagt Carsten Berg.

Rat und Hilfe von vielen Seiten

Die IHK Köln hat in den vergangenen Wochen und Monaten ohnehin zahllose Beratungs­gespräche geführt, viele davon über die Corona-Hotline. Waren es zu Beginn oft vor allem rechtliche Fragen wie die nach dem Anspruch auf Kurzarbeitergeld für Azubis, so ging es zuletzt vorrangig um die Ausbildungsprämie. Zu den Voraussetzungen dafür stellt die IHK im Internet ebenfalls umfangreiche Informationen bereit, außerdem können Fragen zu diesem Thema an die eigens ein­gerichtete Mailadresse ausbildungspraemie@koeln.ihk.de gerichtet oder über die Durchwahl 0221 1640-6630 gestellt werden.

Hilfe und Rat beim Thema Ausbildung und Corona gebe es von vielen Seiten, resümiert Ausbildungsexperte Berg: „Wir hoffen deshalb, dass wir noch viele der bisher Unver­sorgten in eine Ausbildung bringen können. Das ist für die jungen Menschen enorm wichtig, aber auch für die Unternehmen, die ungeachtet der Krise auf qualifizierten Nachwuchs angewiesen sind.“

Neuordnungen
Die Neuordnung zahlreicher Aus­bildungsberufe mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres am 1. August dient der Modernisierung und An­passung an veränderte Bedürfnisse der Unternehmen. Für Bewerberinnen und Bewerber ergeben sich daraus neue, interessante Möglichkeiten. So wurden beispielsweise Ausbildungen im IT- und Medienbereich neu gestaltet. Im IT-Bereich etwa sind die Fachrichtungen Digitale Vernetzung und Daten- und Prozessanalyse neu hinzugekommen. In der Ausbildung für Medienge­stalter/-innen Bild und Ton spielen künftig IT-Themen eine größere Rolle als die klassischen elektro-technischen Aspekte. Darüber hinaus gibt es aber eine Reihe weiterer Änderungen: So entstanden neue Zusatzqualifikationen in den Metall- und Elektroberufen, und auch in den Bereichen Bau und Labor gibt es Neuerungen.

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BBiG-Novelle
Die am 1. Januar 2020 in Kraft getretene Neufassung des Berufsbildungsgesetzes macht die duale Ausbildung noch attraktiver. Unter anderem wurde erstmals die Angemessenheit der Vergütung für Auszubildende geregelt. Außerdem haben Azubis jetzt einen erweiterten Anspruch auf Freistellung für Berufsschultage und die Vorbereitung auf Prüfungen. Auch die Möglichkeiten einer Teil­zeitausbildung sind erweitert worden: Die bisher geltenden Voraussetzungen dafür, wie Kindererziehung, Pflege eines Angehörigen oder eine Behinderung, sind entfallen.

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