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Geht nicht auf? Das Bergheimer Unternehmen Wendt hat 3.000 Spezialwerkzeuge fürs Aufsperren im Angebot. Foto: Peter Boettcher
Porträt

Aufgeschlossen für Aufsperrtechnik

Angefangen hat alles mit Kopfschütteln. Wie kann es denn sein, dass der Mann vom Schlüsseldienst derart gewalttätig die Tür auf Adalbert Wendts neuem Firmengelände öffnen muss? Wendt fand heraus, dass es praktisch keine Spezialwerkzeuge fürs Aufsperren gab. Und damit war sie geboren: die neue Geschäftsidee des Werkzeugmachers, der bis dato Rennmotorräder für Top-Fahrer wie den fünffachen Weltmeister Toni Mang gebaut hatte.

Fast genau 30 Jahre ist das jetzt her. Und heute hat die Wendt Sicherheits- und Aufsperrtechnik GmbH rund 3.000 Produkte im Angebot, vom einfachen „Dietrich“ bis zum Hightech-Gerät. Nicht alles wird am Firmensitz in Bergheim selbst hergestellt, aber doch etwa zwei Drittel der Produkte. Der Rest kommt von Partnerfirmen.

Wendt selbst verfügt aber über eine Reihe von Patenten und Gebrauchsmustern. Ganze 15 Mitarbeiter hat das Unternehmen, das sich dennoch als Weltmarktführer bezeichnet. „Wir arbeiten eben in einer Nische“, sagt der Seniorchef. Adalbert Wendt kümmert sich heute noch um die internationalen Partnerfirmen, mit denen er den „Lockmaster“-Verbund geschlossen hat. Das Alltagsgeschäft hat er aber an die beiden Söhne Enrico und Sascha übergeben. Während Enrico sich ums Kaufmännische kümmert, ist Sascha für die Technik zuständig: In seinem Büro, das beinahe wie eine Werkstatt aussieht, wimmelt es von geheimnisvollen Gerätschaften. „Sascha hat hier in der Firma schon an der Technik gebastelt, als er erst drei war“, berichtet der Vater lächelnd.

Das Knobeln an Lösungen für wahrhaft sperrige Probleme ist ihr Geschäft: Seniorchef Adalbert Wendt mit Söhnen Sascha (l.) und Enrico (r.).
Foto: Peter Boettcher

So klein es ist, so gefragt ist das Unternehmen. Nicht nur als Lieferant von Aufsperrtechnik, sondern auch als Berater für Behörden. „Es kann zum Beispiel sein, dass die Polizei uns anruft und sagt: Wir haben da ein Problem mit einem Türschloss. Wir schicken Euch mal fünf davon, denkt Euch eine Lösung aus.“ Und das tun sie dann, die Wendts. Im hauseigenen Schulungsraum haben sie schon Leute von Sicherheitsbehörden aus aller Welt im Umgang mit ihren Produkten ausgebildet.

Und diese Produkte sind oft genug im Fernsehen zu sehen, zum Beispiel in Krimis. Wenn man da jemanden sieht, der einen zylinderförmigen Metallkörper mit einer Nadel an der Spitze in ein Schloss steckt, mit der anderen Hand ein Häkchen ebendort bewegt und nach drei Sekunden die Tür geöffnet hat, dann ist das kein Filmtrick. „Genau so geht das“, sagt Sascha Wendt und führt es vor.

Sieht erschreckend einfach aus. Deshalb stellt sich natürlich die Frage, ob eigentlich jeder die Produkte von Wendt kaufen darf. Es gibt eine ganze Reihe, die niemand zu sehen bekommt außer den Behörden, für die sie gedacht sind. Das Bundeskriminalamt zum Beispiel. All die Geräte aber, die im Katalog stehen, kann im Prinzip jeder haben. „Es gab bis Mitte der 1970er Jahre mal eine gesetzliche Reglementierung“, erinnert sich der Seniorchef. Aber seither nicht mehr. Und deshalb prüft die Firma selbst aufgrund von Erfahrung, Referenzen und Menschenkenntnis, wem sie ihr Werkzeug überlässt.

Es ist eine mühsame Aufgabe, das als kleiner Mittelständler weltweit zu leisten. Überhaupt ist der Aufwand, beispielsweise für Messeauftritte, sehr hoch. Deshalb möchte Wendt ein regionales Geschäft aufbauen, das eine Art gehobener Schlüsseldienst ist. „Wir können praktisch jeden Autoschlüssel nachmachen. Dazu brauchen wir nicht einmal die Papiere, sondern nur das Auto“, erklärt Enrico Wendt. Wie das? Sogar die ganz modernen Dinger? „Auch und gerade die! Unsere Software liest den Code aus und wir haben in einer halben Stunde den Schlüssel fertig, viel schneller als jeder Autohersteller.“ Diesen Service will die Firma nun so bekannt wie möglich machen.

Das Bergheimer Unternehmen kann nach eigenen Angaben "praktisch jeden Autoschlüssel nachmachen". Wendt benötigt dazu nur das Auto. Sobald die Software den Code ausgelesen hat, sei der Schlüssel in einer halben Stunde fertig.
Foto: Peter Boettcher

Um diesen Geschäftszweig auszubauen, wird am Standort in Bergheim gerade angebaut. Dann können Autobesitzer, die beispielsweise einen neuen Zweitschlüssel brauchen, direkt in die Garage fahren. Die Fertigung dauert dann nicht viel länger als ein Aufenthalt in der Waschstraße.

Der Aufsperrtechnik, dem Knobeln an Lösungen für wahrhaft sperrige Probleme, wird Wendt aber immer treu bleiben. Nicht von ungefähr ist das Unternehmen auch bei den „Sportsfreunden der Aufsperrtechnik“ sehr beliebt. Die gibt es tatsächlich: ein eingetragener Verein, der dem Hobby des Schlösserknackens nachgeht. Besser gesagt: Des „Manipulierens“, denn das ist die gewaltfreie Methode der Öffnung. Beim Jubiläumsfest Mitte April wird es in Bergheim sogar Meisterschaften geben. Zum Beispiel, wer am schnellsten einhändig ein Schloss öffnet oder einen Schlüssel nachmacht, ohne das Original zu besitzen.

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