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Christian Wirths berät Azubis bei allen Problemen in der Ausbildung. Foto: Thilo Schmülgen
Service

Auch Azubis können Hilfe von der IHK bekommen

Die Ausbildungsberaterinnen und -berater der IHK Köln stehen bei Problemen aller Art für ein Gespräch zur Verfügung.

Text: Werner Grosch

Die IHK vertritt die Interessen ihrer Mitgliedsunternehmen und sie kümmert sich um die Berufsausbildung. So viel wissen wohl die meisten. Wenig bekannt ist, dass die Ausbildungsberaterinnen und -berater der Industrie- und Handelskammern auch jederzeit für die Auszubildenden ansprechbar sind und ihnen konkrete Hilfe bei Problemen im Betrieb anbieten können. Hilfe, die oft zu Lösungen führt.

Ein Beispiel dafür ist Laura Meyer (Name geändert). Sie absolvierte eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel, und die gefiel ihr auch. Mit ihrem Ausbilder aber lag sie ständig im Streit darüber, wie die Arbeitszeit korrekt zu berechnen ist. Wie viel Urlaub steht ihr zu, wann hat sie wie lange Pause, wie wird die Wochenarbeitszeit berechnet?

„Gerade im Handel, wo man bei der Wochenarbeitszeit in der Regel von einer Sechs-Tage-Woche mit gut sechs Stunden pro Tag ausgeht, in Verträgen aber oft von acht Stunden Arbeit pro Tag die Rede ist, gibt es da nicht selten Unklarheiten“, berichtet Christian Wirths, Ausbildungsberater bei der IHK Köln. Laura Meyer hatte sich an ihn gewandt und mit ihm eine Strategie für die Diskussion mit dem Ausbilder entwickelt, die weitere Konflikte vermeiden sollte. Als auch das nicht half, entschied sie sich zu einem mutigen Schritt: Sie beauftragte die IHK schriftlich damit, mit ihrem Arbeitgeber Kontakt aufzunehmen. „Dazu kommt es selten, weil die meisten Azubis einfach Angst vor negativen Folgen haben, denn der Chef könnte ja denken, sie hätten ihn angeschwärzt“, sagt Wirths. In diesem Fall aber führte das Dreier-Gespräch zum Erfolg, denn letztlich kannte sich der Ausbilder selbst mit den einschlägigen Regelungen einfach nicht gut genug aus. Dank der Unterstützung aus der IHK konnte Laura Meyer schließlich ihre Ausbildung fortführen und gut abschließen.

Oft nur ein Mangel an Information

Ein unzureichender Informationsstand – aufseiten des Betriebes oder auch des Azubis – ist nicht selten der Hauptgrund für Konflikte. Aber es gibt immer wieder auch tiefer reichende Probleme. Besonders häufig ist die Klage von Auszubildenden über ausbildungsfremde Tätigkeiten – vom Hoffegen bis zum Kaffeekochen. Manchmal stellen Unternehmen aber auch unberechtigte Forderungen, etwa wenn eine Berufskraftfahrer-Azubi den Lkw-Führerschein selbst bezahlen soll. Weitaus schlimmer, wenn auch nicht sehr häufig, sind Fälle von Gewaltanwendung oder sexueller Belästigung. „Auch das gibt es, und da beraten wir intensiv über die Handlungsoptionen, die es in solchen Fällen gibt“, erklärt Wirths.

Ein Gespräch mit dem Ausbilder helfe da meist nicht weiter, oft müsse auch zum Wechsel des Unternehmens geraten werden. 200 persönliche Beratungen im Jahr Im vergangenen Jahr haben die zehn Expertinnen und Experten der IHK Köln rund 200 persönliche Beratungen für Azubis durchgeführt, hinzu kommen zahlreiche telefonische Auskünfte. Nicht immer geht es dabei um schwelende Konflikte. Neben der Beratung für Unternehmen, die erstmalig ausbilden wollen, geht es oft auch um Aufklärung über rechtliche Regelungen etwa für den Wechsel des Ausbildungsberufes. So gab es beispielsweise den Fall mehrerer Azubis, die an den schulischen Anforderungen scheiterten. Da der Arbeitgeber sie aufgrund ihrer praktischen Fähigkeiten aber halten wollte, wechselten sie schließlich in ein Berufsbild, in dem die theoretischen Anforderungen etwas geringer sind.

Über die Möglichkeiten und Bedingungen eines solchen Wechsels zu informieren, ist eine der vielen Aufgaben der Ausbildungsberatung. „Wenn wir hier neue Wege aufzeigen, helfen wir zugleich den Azubis, die beruflich weiterkommen können, und den Unternehmen, die wertvolle Nachwuchskräfte behalten und sinnvoll einsetzen können“, sagt Caroline Mager, Leiterin der Ausbildungsberatung bei der IHK Köln. Klassisches Win-Win.

Manchmal werden indes sogar die erfahrenen Expertinnen und Experten noch überrascht. Etwa bei dem aktuellen Fall eines jungen Mannes, der aus dem Ausland bei der IHK Köln anrief. Sein Ausbildungsbetrieb hat ihn für vier Monate in ein Land auf dem amerikanischen Kontinent geschickt. So mancher wird sagen: Ist doch schön! Das Problem war nur, dass es in dem Land gar keine Niederlassung der Firma gibt, und niemand als qualifizierter Ausbilder den jungen Mann betreut. Im Ergebnis vielleicht eine nette Reise, aber wohl eher keine gute Ausbildung…

Weitere Informationen zum Thema Ausbildungsberatung finden Sie unter www.ihk-koeln.de/133. Hier ist auch eine Liste der Beraterinnen und Berater mit allen Kontaktdaten enthalten.

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