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Stefanie und Stefan Rennicke möchten die Produktionsbedingungen für Arbeitskleidung revolutionieren. Foto: Thilo Schmülgen
Porträt

Arbeitskleidung mit dem „gewissen Etwas“

Das Kölner Start-up „KAYA&KATO“ fertigt fair produzierte Schürzen aus Bio-Baumwolle in schickem Design. Bei ihrem Ziel, die Produktionsbedingungen für Arbeitskleidung zu verändern, werden die Gründer bereits von zahlreichen Restaurants unterstützt.

Text: Katharina Hamacher

Robuster Jeansstoff, zwei geräumige Taschen im Hüftbereich und breite schwarze Baumwollbänder, die lässig um die Taille geknotet werden: Was nach einem angesagten Designer-Teil klingt, ist für Kunden der KAYA&KATO GmbH Alltagslook. „Unser Klassiker kommt besonders in jungen Gastronomiebetrieben zum Einsatz“, sagt Stefan Rennicke und streicht mit der Hand über die Schürze, die neben etlichen anderen Modellen auf dem Konferenztisch liegt. Die Auswahl kann sich sehen lassen: Von Denim-Stoffen in verschiedenen Blau- und Grautönen über Olivgrün und kräftigem Orange bis hin zu Zartrosa und Grau-Weiß-Kariert reicht das Spektrum. Grobe Bänder in unterschiedlichen Farben betonen den individuellen Stil.

„Die Schürze ist ein völlig unterschätztes Kleidungsstück“, sagt der Unternehmer Dr. Stefan Rennicke, der das Kölner Start-up mit seiner Ehefrau Stefanie und dem befreundeten Musiker und Produzenten Lillo Scrimali gegründet hat. „Sie kommen in so vielen unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz - sehen aber in den allermeisten Fällen völlig langweilig aus.“ Das passe besonders in guten Restaurants mit einem durchgestylten Gesamtkonzept nicht ins Bild. „Gerade aufstrebende Jungköche möchten keine 08/15-Schürzen, die irgendwo in billigster Qualität hergestellt werden“, hat Stefanie Rennicke beobachtet.

Funktional - und farbenfroh: Arbeitsschürzen aus dem Hause Kaya&Kato
Foto: Thilo Schmülgen

Die PR-Beraterin erkannte den Bedarf an hochwertiger, individuell gestalteter Arbeitsbekleidung mit dem gewissen Etwas, ihr Mann legte den Schwerpunkt auf das Thema Nachhaltigkeit. Gemeinsam haben sie sich ein großes Ziel gesetzt: die Produktionsbedingungen für Arbeitskleidung zu revolutionieren – „weg von Billigkram und hin zu fairer und hochwertiger Textilproduktion.“

Dass die jungen Gründer mit genau diesem Konzept in eine Lücke stoßen, ist nicht nur in etlichen Gastronomiebetrieben in ganz Deutschland, Österreich und Italien zu sehen. Restaurants wie „Gut Lärchenhof“ in Pulheim, „Die Fette Kuh“ in Köln, „Tigertörtchen“ in Berlin oder die Organisation „Slow Food“ setzen auf den Stil des Kölner Labels. Auch Frisöre, Gärtner, Tätowierer und Handwerker zählen zu den Abnehmern der Schürzen, die nach individuellen Wünschen gestaltet werden können.

Auch in Köln wird ein Teil der Schürzen gefertigt; diese Arbeit erledigen in den Werkstätten der Caritas und der Alexianer Mitarbeitende mit Einschränkungen.
Foto: Näherei Caritas Wertearbeit

Während für die Kunden vor allem die Qualität entscheidend ist, spielt besonders für Stefan Rennicke der Nachhaltigkeitsgedanke eine ebenso wichtige Rolle – ein Aspekt, der sich aus seiner beruflichen Vergangenheit entwickelt hat. Zehn Jahre lang war der 49-Jährige für die Unesco-Kommission in der internationalen Zusammenarbeit mit Entwicklungs- und Schwellenländern tätig. Dabei ist er des Öfteren mit der Textilproduktion in Berührung gekommen und hat sich von den noch immer besonders in Afrika und Asien vorherrschenden Problemen selbst ein Bild gemacht. „Der Grundsatz, nachhaltig zu wirtschaften und die Menschen fair zu behandeln, hat sich zwar bei einigen grünen Modelabels durchgesetzt. In der Arbeitsbekleidungsbranche ist das leider bislang noch gar nicht angekommen“, sagt Rennicke.

Um sicherzustellen, dass die Grundsätze von Kaya&Kato in der gesamten Produktionskette vom biologischen Baumwollanbau bis hin zur fertigen Schürze eingehalten werden, legen die Unternehmer großen Wert auf den persönlichen Kontakt zu allen Zulieferern. Regelmäßig reist Stefan Rennicke zur Baumwollproduktion nach Uganda, Kirgisistan und Indien und besucht die Nähereien in Tschechien und Portugal.

"Style at Work", so das Credo des Unternehmens
Foto: Marc Thürbach

Ein Teil der Schürzen wird in den Werkstätten der Caritas und der Alexianer in Köln von Mitarbeitenden mit Einschränkungen gefertigt. „Ich will mit eigenen Augen sehen, dass es den Menschen, die für uns arbeiten, gut geht. So können wir eine langfristige Zusammenarbeit anstreben, und die Bauern, Partner und Zulieferer können mit sicheren Einnahmen kalkulieren“, betont er. Ein halbes Jahr haben sich die Unternehmer nach der Gründung Ende 2015 Zeit gelassen, um sich ein überschaubares Netzwerk aus Partnern und Zulieferern aufzubauen, denen sie vertrauen.

Das Vertrauensverhältnis spielt auch im Team aus acht festen und freien Mitarbeitern eine große Rolle, die am Unternehmenssitz mitten in der Südstadt Kunden beraten und an neuen Projekten arbeiten. Im offenen Büro auf dem Gelände einer ehemaligen Aluminium-Fabrik laufen alle Fäden zusammen. Designer tüfteln an einer Kollektion aus Kochjacken und Kasacks, die im medizinischen Bereich zum Einsatz kommen. Geräumige Einkaufstaschen aus Jeansstoff sind bereits im Online-Shop zu haben.


Neben dem Stil und der Qualität ist auch die Kalkulation der Preise ein Faktor, der zum Erfolg des Start-ups beiträgt. Geschäftskunden-Preise ab knapp 30 Euro pro Stück für die fair produzierten Bio-Baumwollschürzen funktionierten „natürlich nur, weil wir bewusst auf hohe Margen verzichten und stattdessen faire Zusammenarbeit in den Fokus stellen“, betont Stefan Rennicke. „Gerade Menschen, die in Entwicklungs- und Schwellenländern Rohstoffe produzieren, müssen in der Lage sein, von ihrer Arbeit zu leben. Das können auch kleine Unternehmer wie wir unterstützen. Denn niemand wird gezwungen, zu Dumpingpreisen in Indien, Bangladesch oder Vietnam zu produzieren.“

Generell wünschen sich die jungen Unternehmer einen bewussteren Umgang mit Textilien: „Wer einmal mit eigenen Augen gesehen hat, wie viel Arbeit von der Baumwollernte bis zur Konfektion in einem Kleidungsstück steckt, wird jedes einzelne Stück wertschätzen und es nicht nach dreimal Tragen in den Müll werfen.“

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