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Bevor eine Uhr den Besitzer wechselt, wird sie von den Chronext-Uhrmachermeistern genau unter die Lupe genommen. Foto: Peter Boettcher
Porträt

Am Puls der Zeit

Noch während des Studiums gründeten Philipp Man und sein Freund Ludwig Wurlitzer 2013 in ihrer Londoner Studenten WG ihre erste Firma: eine Online-Plattform für den Handel mit Luxusuhren. Heute bietet die Chronext AG 21.000 Modelle und beschäftigt 130 Mitarbeiter.

Text: Eli Hamacher

An seine erste Uhr kann sich Philipp Man noch bestens erinnern. „Mit diversen Ferienjobs hatte ich in zwei Jahren 2.500 Euro verdient. Davon habe ich mir eine Admiral’s Club von Corum gekauft.“ Seitdem ließ die Begeisterung für luxuriöse Zeitmesser den Schüler nicht mehr los. Noch während des Studiums gründete der gebürtige Kölner, der in England BWL, VWL und Philosophie studiert hat, mit seinem Freund Ludwig Wurlitzer 2013 einen Online-Marktplatz für edle Chronographen.

Auf die Idee brachte ihn ein Job bei einem Juwelier. Bei ihm sah der Sohn eines Unternehmers, was die Händler machen, wenn Luxusware im Lager liegen bleibt: Ladenhüter gehen unter dem Tisch oder über Ebay weg, mit Preisabschlägen von bis zu 40 Prozent. Ein Phänomen, das Man auch später in seiner Masterarbeit an der Uni Cambridge beschäftigt hat.

Mit Erspartem sowie Kapital von Freunden, Familie und Business Angels gründeten Man und sein Freund Wurlitzer in Zug, südlich von Zürich, die Chronext AG. „Die Schweiz ist größter Exporteur von Luxusuhren. In deren Nähe wollten wir unseren Marktplatz positionieren“, sagt der heute 25-Jährige. Den beiden Jungunternehmern war klar: Ohne ihnen gewogene Hersteller und Händler würde das Geschäftsmodell nicht funktionieren. Schließlich liefern sie das Gros der mittlerweile 21.000 Modelle, aus denen die Kunden der Online-Plattform aktuell wählen können. Private tragen nur einen geringen Anteil zum Angebot bei.

Zwei, die ihre Begeisterung für namhafte Chronometer zum Geschäft gemacht haben: Philipp Man und Ludwig Wurlitzer (v.l.)
Foto: Peter Boettcher

150 Marken hat Chronext, deren Deutschlandtochter in Köln sitzt, im Sortiment. Das besteht aus neuen, gebrauchten und sogenannten Vintage-Uhren, die älter als 25 Jahre sind. Verglichen mit stationären Händlern könne man die Modelle im Schnitt um gut 20 Prozent günstiger anbieten, beschreibt Man das Geschäftsmodell. Zu dessen Bestandteilen gehört zudem, dass die Kunden einen Vertrag mit Chronext abschließen. Händler und Hersteller blieben im Hintergrund und vermieden so, ihr stationäres Geschäft durch Rabattanfragen zu gefährden, erklärt der Gründer.

Vor jedem Verkauf überprüft zudem ein Uhrmacher die Chronographen. Zu jedem Kauf gibt es dann ein Chronext-Echtheitszertifikat und eine 24-monatige Garantie zusätzlich zur Garantie des jeweiligen Herstellers. Die strenge Qualitätskontrolle und weitere Services wie den „Watchhunter“ zählt der Jungunternehmer zu den Alleinstellungsmerkmalen von Chronext. Den kostenlosen „Watchhunter“ können Uhrliebhaber nutzen, die ein ganz bestimmtes Modell suchen und allein nicht fündig werden. Denn am Markt muss sich Chronext sowohl gegen Riesen wie Ebay als auch gegen Start-ups wie Montredo behaupten.

150 Marken hat Chronext im Sortiment - darunter neben neuen Modellen auch gebrauchte und sogenannte Vintage-Uhren, die älter als 25 Jahre sind.
Foto: Peter Boettcher

In drei Finanzierungsrunden hat das Gründerduo bislang 18 Millionen Euro einsammeln können, darunter auch Kapital von der NRW Bank, die laut Peter Güllmann „das erhebliche Zukunftspotential von Chronext" überzeugt hat. Für den Bereichsleiter Unternehmens- und Infrastrukturfinanzierung bricht „die innovative Geschäftsidee Marktstrukturen auf und geht mit der Zeit“. Über ihren NRW.BANK.Kreativwirtschaftsfonds, der Wagniskapital für junge Unternehmen unter anderem aus dem E-Commerce bereitstellt, unterstützt das Institut deshalb auch das Kölner Start-up.

Im laufenden Jahr will Man, der neben Deutschland, in der Schweiz, in Österreich und UK verkauft, die Internationalisierung weiter vorantreiben. Mitte 2017 öffnet Chronext ein Büro in den USA. Mit mittlerweile 130 Mitarbeitern, davon 110 am Sitz der Chronext Service Germany GmbH in Köln-Ehrenfeld, will das Unternehmen im kommenden Jahr 100 Millionen Euro beim Umsatz erzielen.

Wenn es klappt, wird sich der Uhrenfan Man einen weiteren Wunsch für seine Sammlung erfüllen: Den Kauf einer A. Lange & Söhne 1. Das Liebhaberstück hat seinen Preis: rund 29.000 Euro.

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