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Spannende Einblicke in die Materie Wasser bietet das ‚Jahr des Wassers‘ der Kölner Wissenschaftsrunde. Foto: Pixabay
Blickpunkt

Unsere Stadt am Fluss

Text: Julia Leendertse

Warum ist das Wasser von Köln so gut? Wie sieht eine wassersensible Stadtplanung aus? Und: Welche Rolle spielt der Rhein für die Wirtschaft? Das Themenjahr „Alles im Fluss – Lebensader Wasser“ beantwortet diese und andere Fragen und zeigt, wie stark der Wissenschaftsstandort Köln ist.

Ihre Liebe zum Rhein lassen sich die Kölner durch nichts verderben. Erst recht nicht durch einen Deich oder Betonwände, die ihnen den Blick auf das Rheinpanorama nehmen könnten. Für den Fall, dass der Rhein dann doch mal wieder über die Ufer treten sollte, leisten sie sich eine mobile Schutzwand, die mit zehn Kilometer Länge weltweit einzigartig ist. Grund genug für Experten aus aller Welt jedes Jahr nach Köln zu pilgern, um sich aus erster Hand über das Hochwasserschutzkonzept zu informieren.

Themenjahr 2017 „Alles im Fluss – Lebensader Wasser“

Auf Tuchfühlung mit Kölner Wissenschaftlern, aber auch Unternehmen können jetzt die Kölner selbst gehen. Die Kölner Wissenschaftsrunde (KWR) hat 2017 zum Themenjahr „Alles im Fluss – Lebensader Wasser“ aufgerufen. Die Technische Hochschule Köln, die Stadtentwässerungsbetriebe, die RheinEnergie AG, die Häfen- und Güterverkehr Köln AG und zahlreiche andere Akteure aus Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft, Stadt und Kultur veranstalten in den kommenden zwölf Monaten Exkursionen, Diskussionen, Vorträge und Fachkonferenzen rund um das Thema Wasser. „Das ‚Jahr des Wassers‘ der Wissenschaftsrunde bietet nicht nur spannende Einblicke in die Materie Wasser, sondern auch in die vielfältigen wissenschaftlichen Zugänge zu diesem Themenfeld“, so Elisabeth Slapio, Geschäftsführerin der IHK Köln, zum Konzept.

Eintauchen in das Thema Wasser: Zahlreiche Akteure aus Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft, Stadt und Kultur veranstalten in den kommenden zwölf Monaten Exkursionen, Diskussionen, Vorträge und Fachkonferenzen rund um das Thema Wasser.
Grafik: Shutterstock Yeryomina Anastassiya/zefo

Wie viel Wasser braucht der Mensch im Alter?

Das Spektrum der ganzjährigen Veranstaltungsreihe reicht von Vorträgen zum Flüssigkeitsbedarf des Menschen beim Sport oder im hohen Alter über einen Workshop zu Kalmaren auf der Ökologischen Rheinstation, dem Forschungsschiff der Universität zu Köln bis hin zum Besuch der Kanalisation. Auch hier hat die Domstadt etwas ganz Besonderes zu bieten. Als einzige Stadt der Welt hat sie in ihrem Untergrund einen Kronleuchtersaal. Der dreiseitige, etwa 4,60 Meter hohe und mit zwei historischen Kronleuchtern bestückte Raum aus der Kaiserzeit trägt seit 125 Jahren zur Entlastung der Kölner Kanalisation bei Regen bei.

Köln ist ein bedeutender Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort

Das Ziel: „Wir wollen den Bürgern zeigen, wie spannend es ist, sich mit dem Wasserkreislauf zu beschäftigen“, sagt Lars Ribbe, inhaltlicher Mentor des KWR-Themenjahrs und Direktor des Instituts für Technologie und Ressourcenmanagement in den Tropen und Subtropen (ITT) an der TH Köln. Das Programm ist bewusst bunt gehalten. „Jeder Einzelne soll erfahren, wie wertvoll und nützlich das Wasser sein kann –  für Gesundheit, Freizeit oder Beruf“, so Ribbe. „Wir möchten aber auch zeigen, welches Potenzial in der Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft, Stadt und Bürgerschaft schlummert, um gemeinsam den Herausforderungen zu begegnen, vor die Köln etwa durch Hochwasser, längere Phasen der Trockenheit oder Starkregen in Zukunft gestellt werden könnte.“


Wassersensible Stadtplanung

Zu den Highlights des KWR-Themenjahrs zählen die Vorträge zum Überflutungsrisiko etwa infolge von Starkregen. „Wir werden vom Deutschen Wetterdienst aus erster Hand erfahren, ob wir wirklich jedes Jahr mit einem Jahrhundertregen zu rechnen haben und diskutieren, wie eine wassersensible Stadtplanung aussehen könnte“, sagt Rainer Feldhaus, Experte für Wasserbau und Siedlungswasserwirtschaft von der TH Köln. „Zudem gibt es Tipps, wie sich jeder vor Überflutung schützen kann“, so Otto Schaaf, Vorstand der Stadtentwässerungsbetriebe. „So lassen sich zum Beispiel im Souterrain druckfeste Fenster einsetzen. Sie zerbersten bei Überflutung nicht so schnell und die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass sich das Wasser in die Gewerberäume ergießt.“

Der Rhein ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor

Der Rhein bedeutet allerdings vor allem einen Standortvorteil für die Wirtschaft  in Köln und der Region: Tatsächlich wird in Europa kein Fluss intensiver als Logistiktrasse genutzt als der Rhein. (Hinweis: Ein ausführlicher Beitrag zum Verkehrsweg Wasser in der Metropolregion Rheinland erscheint in der Printausgabe von IHKplus Ausgabe 02/03 2017, online zu finden hier auf www.ihkplus.de ab 1. Februar 2017). Eine Hafenrundfahrt mit der RheinCargo zeigt, wie wichtig die Häfen für die Wirtschaft in Köln sind. „Ein Ausbau des Hafen Godorfs mit einem Container-Terminal ist zwingend notwendig, um mehr Transporte von der Straße auf den Wasserweg zu verlagern", so Dr. Ulrich S. Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik der IHK Köln. „Vor allem die innerstädtischen Straßen und der Kölner Autobahnring könnten so jährlich um 50.000 Lkw-Fahrten entlastet werden". 

Gleichzeitig ist der Rhein ein Tourismus-Magnet: „Köln profitiert als Reisedestination erheblich vom boomenden Flusskreuzfahrten-Segment“, berichtet Josef Sommer, Geschäftsführer von KölnTourismus. „So gut wie alle renommierten Reedereien fahren Köln an. Die internationalen Gäste bescheren der Gastronomie, Hotellerie und dem Einzelhandel Umsätze.“

Das Kölner Trinkwasser wird zu fast 100 Prozent aus den Grundwasserreservoirs der Kölner Bucht geschöpft.
Foto: Pixabay

Dat Wasser vun Kölle is jot

Was die Touristen im Gegensatz zu den Kölnern nicht wissen: Dat Wasser vun Kölle is jot, auch weil es zu fast 100 Prozent aus den Grundwasserreservoirs der Kölner Bucht geschöpft wird. Und Wasserknappheit kennen die Kölner auch nicht. Jedes Jahr entsteht mehr neues Grundwasser als für die Trinkwasserversorgung  nötig ist.

Die Kölner Wissenschaftsrunde
Köln ist mit 100.000 Studierenden, 13 Hochschulen sowie sechs außeruniversitären Forschungseinrichtungen eine wichtige Wissenschafts- und Forschungsmetropole in Deutschland. Um das große Potenzial des Standorts in der Öffentlichkeit stärker sichtbar zu machen, gründeten Vertreter aller Hochschul- und Forschungseinrichtungen 2004 gemeinsam mit der Stadt und der IHK die Kölner Wissenschaftsrunde (KWR). Der Verbund treibt die Vernetzung von Forschung und Wirtschaft voran und trägt mit seinen Veranstaltungsreihen zur Entwicklung einer zukunftsfähigen Stadtgesellschaft bei. 2013 fand bereits das Themenjahr Luft- und Raumfahrt statt, gefolgt vom Jahr des demografischen Wandels „Älter – Bunter – Kölner“.

Ausschnitt aus dem Veranstaltungskalender
4. April: Kreuzfahrttourismus – Vortrag zum Wachstum von Hotels auf dem Wasser
23. Juni: Nacht der Technik
5. September: Rundfahrt durch die Kölner Häfen mit der RheinCargo
14.-15. September:  18. Kölner Kanal und Kläranlagen Kolloquium
30. September: Kronleuchtersaal – 125 Jahre intaktes Regenentlastungsbauwerk
16. November: Vortragsreihe zum Überflutungsrisiko durch Starkregen
30. November: Vortragsreihe Hochwasserschutz
Ganzjährig: Vorträge in der Reihe „Wissenschaft im Rathaus“
Alle Veranstaltungen unter:

www.koelner-wissenschaftsrunde.de/koelner-themenjahr

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Detlef Kürten

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