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Blickpunkt

Sparen kann ganz einfach sein

Text: Werner Grosch

Als „Energie-Scouts“ haben 50 Azubis aus Unternehmen der Region Einsparpotenziale bei Energie und Ressourcen gesucht und gefunden. Die drei besten Projekte wurden jetzt in der IHK Köln ausgezeichnet.

Die Freude ist unübersehbar: Antonia Schmidt, Simon Klooß und Angelo Attardo springen von ihren Sitzen und spurten förmlich in Richtung Podium, als sie aufgerufen werden. Damit haben sie wirklich nicht gerechnet. Die Jury des Energie-Scouts-Wettbewerbs im Kammerbezirk der IHK Köln hat ihnen den ersten Preis zugesprochen. Und der ist nicht nur mit einer Urkunde und einer schicken Plakette, sondern auch mit einer Belohnung von 1.000 Euro verbunden, die sich das Trio nun teilen darf.

Und als Trio haben sie wirklich gearbeitet. Alle sind Azubis bei der Tente-Rollen GmbH in Wermelskirchen, aber alle in ganz verschiedenen Bereichen. Antonia Schmidt ist angehende Industriekauffrau, Klooß wird zum Werkzeugmechaniker ausgebildet, und Attardo war als künftiger Verfahrensmechaniker eigentlich der einzige, der mit dem Thema schon von Hause aus zu tun hatte. In ihrem Projekt ging es um ein Gerät mit dem eingängigen Namen „Kunststoffspritzgießmaschine“.

Der Zylinder im Kern der Maschine muss stark beheizt werden. Diese Heizung verbraucht sehr viel Strom und gibt große Mengen Wärme ab, die einfach verloren geht. Also prüfte das Azubi-Team Möglichkeiten der Energieeinsparung. Dazu nahmen die drei Kontakt mit erfahrenen Technikern im Hause und auch mit dem Hersteller der Maschine auf. Schließlich fanden sie eine einfach klingende Lösung, auf die man beim Hersteller aber offenbar nie gekommen war: Der Zylinder wird mit handelsüblichen Dämmmatten isoliert. „Dadurch sinkt der Wärmeverlust deutlich“, berichtet Attardo, und als angehende Kauffrau hat Antonia Schmidt natürlich vor allem die Kosten im Blick: „Die Investition hat sich schon nach zehn Monaten amortisiert!“

Die Qualifizierungsmaßnahme „Energie-Scouts"
Die IHK Köln bietet im Rahmen der Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz die Qualifizierungsmaßnahme „Energie-Scouts“ für Auszubildende an. In einer Workshop-Reihe wird den Teilnehmern praxisorientiertes Wissen rund um das Thema Energie- und Ressourceneffizienz vermittelt. Gemeinsam mit ihren Ausbildungsleitern oder einem Energie-Ansprechpartner im Betrieb sollen die Azubis dann ein eigenes Energieeffizienzprojekt konzipieren und durchführen.

Das Projekt wird im nächsten Jahr fortgesetzt. Am 28. März 2017 wird es eine Informationsveranstaltung für interessierte Unternehmen
(für Unternehmensleitung und Ausbilder) geben, die Projektphase beginnt im Mai und umfasst drei Workshop-Module mit Inhalten wie Energetische Grundlagen, Projektmanagement, Messtechnik und Tipps für die Präsentation.

Fragen?

Henrike Warlitzer

Wer in seinem Unternehmen mal Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz umgesetzt hat, der weiß: Zehn Monate sind sehr wenig. Oft muss man schon ein paar Jahre kalkulieren, aber am Ende lohnt es fast immer. Nur sind die Effekte manchmal etwas schwieriger zu berechnen. Als angehende Bankkaufleute hatten sich Julian Quenzer, Ceyda Akdogan und Hannah Louisa Siems von der Sparkasse KölnBonn eine solche Aufgabe vorgenommen. Sie prüften die Möglichkeiten des so genannten Contractings bei der Installation einer Solar-Anlage. Dabei wird in der Regel ein Vertrag mit einem Energieversorger geschlossen, der sich an der Investition beteiligt oder sie ganz übernimmt und dafür später eine Gegenleistung erhält – in Form der erzeugten Energie beispielsweise oder einer vorher festgelegten laufenden Zahlung. Die drei Bank-Azubis erstellten eine ausführliche Broschüre zum Thema und kamen mit ihrem Projekt auf Platz zwei des Wettbewerbs, der immerhin noch mit 800 Euro dotiert ist.

Platz drei und ein Preisgeld von 600 Euro erreichten schließlich fünf Auszubildende der Kölner Interseroh Dienstleistungs GmbH, die den Ersatz eines herkömmlichen Dienstfahrzeuges durch einen Plug-In-Hybrid planten. Drei Projekte von 15, drei von vielen kreativen Ideen bei dem Wettbewerb, den die IHK Köln in diesem Jahr zum zweiten Mal ausgeschrieben hatte. Und nicht zum letzten Mal, wie Hauptgeschäftsführer Ulf Reichardt bei der Preisverleihung schon ankündigte.

Spontanes Extra-Preisgeld für alle

IHK-Vizepräsidentin Dr. Sandra von Möller rief die Azubis dazu auf, auch nach dem Projekt am Thema dranzubleiben: „Es gibt in jedem Unternehmen Einsparpotenziale“, sagte sie. Ihre Bäro GmbH & Co. KG und die Rheinische Immobilienbörse e.V. (RIB) ermöglichten es als Sponsoren, dass bei der zweiten Auflage des Wettbewerbs erstmals Preisgelder ausgeschüttet werden konnten. Und weil Dr. von Möller ebenso wie Theodor J. Greif als Vorsitzender der RIB von den Projekten sehr beeindruckt waren, versprachen sie allen Teams spontan noch jeweils 100 Euro als kleine Anerkennung.

Die Themenvielfalt reichte vom Einsatz von E-Bikes als Dienstfahrzeuge für kurze Strecken über die Modernisierung von Beleuchtung bis hin zur gezielten Sensibilisierung der Mitarbeiter im Umgang mit Ressourcen. Das Scout-Projekt ist allerdings nicht nur eine Chance, Sparpotenziale zu heben. Zugleich bietet es den Azubis die Möglichkeit zur Zusammenarbeit und die Gelegenheit, auch unbekannte Bereiche des Unternehmens kennenzulernen. Das nennt man wohl eine Win-Win-Situation.

Effizienz steigt seit Jahren
Effiziente Nutzung von Energie und Einsparung wo immer möglich: Das sind zwei wichtige Säulen der Energiewende. In vielen Unternehmen gibt es dafür noch schlummerndes Potenzial, auch wenn die Zahlen zeigen, dass das Bewusstsein in der Wirtschaft stark gewachsen ist: Investierten die Unternehmen im Jahr 2006 laut amtlicher Statistik noch rund 134,6 Millionen Euro in diese beiden Bereiche, so waren es 2011 bereits 646,5 Millionen Euro – eine Steigerung um 480 Prozent.