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Ein skandinavisch anmutender Speisesaal mit 100 Sitzplätzen und Café-Charakter: Das Bistro ist kommunikativer Dreh- und Angelpunkt des täglichen Lebens bei der Europäischen Behörde für Flugsicherheit (EASA) in Köln. Foto: Aliki Monika Panousi
Service

Mahlzeit! Mahlzeit!

Lange Warteschlangen, Einheitsbestuhlung an rein funktionalen Esstischen und jede Menge Sättigungsbeilagen prägten jahrzehntelang deutsche Kantinenwelten. Doch das Bild wandelt sich. Im Trend liegt das ansprechend gestaltete Bistro als Geschmackstempel für gesunde, leichte Kost.

Text: Julia Leendertse

Klosterfrau: Kantine mit Garten

Das Stammhaus der Kölner "Klosterfrau" liegt mitten in der City. Für das Wohlbefinden seiner Beschäftigten sorgt das Traditionsunternehmen mit der Kombination aus Kantine und angrenzendem Innenhof, wo im Sommer Strandkörbe nach draußen locken.
Foto: Aliki Monika Panousi

Im Sommer locken Strandkörbe und Chillout-Ecken die Mitarbeiter nach draußen. Im Winter können sie von der kuschelig warmen Kantine aus eine knusprige Weihnachtsgans mit Blick auf festlich beleuchtete Christbäume im Innenhof genießen.

1826 von der Klosterfrau Maria Clementine Martin gegründet, beschäftigt die Kölner Traditionsfirma weltweit rund 1.500 Mitarbeiter. 420 davon kümmern sich von der Kölner Zentrale aus um Marketing, Vertrieb sowie Forschung rund um den berühmten Melissengeist, aber auch Arzneimittel wie die Halsschmerztablette neo-angin. Das Stammhaus liegt mitten in der Kölner City.

Nach dem Motto „Wer für die Klosterfrau arbeitet, soll sich bei ihr auch zu Hause fühlen“ gestaltet die Pharmafirma ihr Areal derzeit zum Wohlfühl-Campus mit Kräutergärten und einem Fitnessstudio um. 2011 entstand der 135 Quadratmeter große Speisesaal mit 80 Sitzplätzen.

Von Weinrot über Orange bis hin zu hellen Ahorntönen – warme Farben wechseln einander ab. Eine 14 Meter lange Leder-Bank lädt zum Plausch ein, genauso wie die Steh-Esstische an der Fensterfront, von der aus die Kantinengäste in den lichtdurchfluteten Innenhof gelangen können. Wo jetzt schon ein Brunnen für entspannte Atmosphäre sorgt, soll bald ein Firmengarten entstehen. All die Heilpflanzen, die die Klosterfrau in ihren Produkten verwendet, werden hier zu bewundern sein.

Adient – Atrium mit offener Küche

Eine Küche im Front Cooking-Style ist das Markenzeichen der 2016 eröffneten Kantine im Burscheider Headquarter des Automobilzulieferers Adient (vormals Johnson Controls).
Foto: Niering & Seiffert/Lukas Palik Fotografie

In der Europazentrale des weltweit größten Herstellers von Autositzen und Fahrzeuginnenräumen Adient (vormals Johnson Controls) speisen die Mitarbeiter in einem lichtdurchfluteten rund 15 Meter hohen Atrium. Im Februar 2016 öffnete die Kantine im Burscheider Headquarter mit einer komplett umgestalteten Küche im Front-Cooking-Style und einer neuen Essensausgabe, die den täglich rund 400 Kantinengästen heute zeitaufwändiges Schlangestehen erspart.

Statt warten zu müssen, bis jeder auf dem einen, vorgegebenen Weg mit seinem Tablett bis zur Kasse gelangt ist, können die Gäste an verschiedenen Countern ihr komplettes Menü zusammenstellen und mit Hilfe ihrer Mitarbeiterkarte auch gleich an dem von ihnen gewählten Counter bargeldlos bezahlen. „Selbst beim Ansturm zu Stoßzeiten verteilen sich die Mitarbeiter so gut auf der Fläche“, erklärt Michael Urmetzer vom Kölner Architekturbüro Urmetzer und Schiefer.

Moderne, ästhetisch gestaltete Abluftdecken sorgen dafür, dass kein lästiger Küchengeruch in den Speisesaal vordringt – und dass obwohl die Küche komplett offen gestaltet ist, damit die Mitarbeiter der Küchenmannschaft bei der Zubereitung der Speisen zusehen können. Jeden Tag können die rund 1.500 Mitarbeiter von Adient in Burscheid zwischen mehreren frisch zubereiteten Essensangeboten wählen. Die Palette reicht vom Asia-Gericht über die Pizza bis hin zum Steak.


PFERD: Bistro zum Wohlfühlen

Farben und Materialien sorgen für Wärme in der Kantine des Werkzeugherstellers PFERD in Marienheide. Bodentiefe Fenster an zwei Seiten öffnen den Blick nach draußen in die Natur.
Foto: PFERD-Werkzeuge - August Rüggeberg GmbH & Co. KG

Edel und großzügig ist die Kantine des Werkzeugherstellers PFERD in Marienheide. Das Mobiliar kommt in schneeweißen, schwarzen und hellholzigen Tönen daher, auf dem Boden Vinyl, das echten Holzdielen zum Verwechseln ähnlich sieht. Ein Ambiente, das Wärme ausstrahlt.

Der 440 Quadratmeter große Saal ist gleich an zwei Seiten vom Boden bis zur Decke verglast. Wer sich hier aufhält, tankt Tageslicht pur und erlebt übers Jahr hinweg, wie sich die Natur draußen von Saison zu Saison verändert. Kein funktionaler Raum der Essensaufnahme, sondern ein Ort der Begegnung.Das Bistro hat sogar internationales Flair: Jedes Jahr kommen 800 Kollegen
und Kunden aus aller Welt in die Firmenzentrale zur Weiterbildung. Nur die beachtliche Raumgröße lässt erkennen, dass es sich hier um kein klassisches Restaurant handelt. Optisch ansprechende Raumteiler dienen als Schallschlucker.

Die täglich 300 Gäste haben die Wahl zwischen klassisch rechteckigen Tischen oder Hochtischen. 1799 von Johan Caspar Rüggeberg als Schmiede für Feilen und Raspeln gegründet, beschäftigt das Familienunternehmen heute weltweit rund 1.850 Mitarbeiter. Der Hidden Champion produziert Werkzeuge für die Oberflächenbearbeitung und zum Trennen von Werkstoffen.

EASA: Bistro mit Baristabar

Von 8 bis 17 Uhr geöffnet, wird das EASA-Bistro den ganzen Tag über genutzt. An der Essensausgabe schauen die Gäste den Köchen live bei der Zubereitung der Speisen zu.
Foto: Aliki Monika Panousi

Der Blick auf den Rhein und den gegenüber liegenden Messebau ist erhaben.Die neugestaltete frühere Bahndirektion am Kölner Konrad-Adenauer-Ufer ist ein klassizistischer Verwaltungsbau, den das Architekturbüro Kadawittfeld ganz auf die Bedürfnisse seines neuen Mieters zugeschnitten hat. Im Sommer 2016 zogen hier die 800 Mitarbeiter der Europäischen Behörde für Flugsicherheit (EASA) ein.

Als kommunikativer Dreh- und Angelpunkt des täglichen Lebens entpuppte sich das EASA-Bistro. Mit 100 Sitzplätzen hat der skandinavisch anmutende Speisesaal klaren Café-Charakter. Von 8 bis 17 Uhr geöffnet, strömen hier nicht nur am Mittag die Gäste, sondern den ganzen Tag über. Wer Lust hat, klappt seinen Laptop auf oder verabredet sich mit den Kollegen zum Meeting.


An der sechs Meter langen Barista-Theke stehen sieben verschiedene Croissant-Varianten und zig Kaffeespezialitäten zur Wahl. An der Essenausgabe schauen die Gäste den Köchen live beim Zubereiten der Speisen zu. „Das schafft Vertrauen“, so Rolf Henke vom Großküchenplaner Niering und Seifert.

Currywurst und Pommes? Fehlanzeige. Die Flugsicherheitsexperten der EASA kommen aus 28 Ländern – so bunt gemischt wie die Belegschaft, so international ist auch die Speisekarte. Viel frischer Fisch, viel Mediterranes, von klassisch über vegetarisch bis hin zu vegan, gesunde und leichte Kost eben, die obendrein noch – wo immer es geht – mit Zutaten aus regionalen Quellen zubereitet ist.

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