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Foto: Olaf-Wull Nickel
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Abschied von "Et hätt noch immer jot jejange"

IHK-Hauptgeschäftsführer Ulf Reichardt kommentiert die Situation in Köln nach den Übergriffen beim Jahreswechsel 2016.

Text: Ulf Reichardt

Köln mit Negativ-Schlagzeilen in der internationalen Presse zu sehen, tut in der Seele weh. Wer Köln mit Chaos gleichsetzt, wird nicht als Tourist in diese Stadt kommen, wird keinen entspannten Einkaufsbummel planen, wird sich als Unternehmer dreimal überlegen, sich hier anzusiedeln.

Das sind die Folgen, die unserer Stadt und der gesamten Wirtschaftsregion nachhaltig schaden können. Und das tut nicht nur in der Seele weh, das geht an die Substanz.

Wir haben jetzt nur eine Chance: den Aktionismus und politisches Gerangel um Ämter und Köpfe einstellen. Dafür gnadenlos transparent analysieren, was die Ursachen für die Missstände sind. Diese benennen, Lösungen finden und konsequent handeln.

Das fordern wir jetzt und unverzüglich von Politik und Verwaltung. Der Staat ist unser Garant für Freiheit und Sicherheit. Es muss gewährleistet sein, dass diese Aufgaben professionell und ohne Zweifel erledigt werden. Punkt.

Wenn diese Basis vorhanden ist, schaffen wir den Rest gemeinsam, in einem übergreifenden Bündnis aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft.  Zahlreiche Anrufe in den letzten Tagen haben mir gezeigt, dass die Kölner Unternehmerschaft dazu bereit ist. Mit ihrem Expertenwissen und einem unvoreingenommenen Blick von außen.

Wir haben jetzt nur eine Chance: den Aktionismus und politisches Gerangel um Ämter und Köpfe einstellen.

Ulf Reichardt

Ein breites Bündnis von Unternehmerinnen und Unternehmern hat sich unter der Devise „Zukunft Köln“ zusammengefunden und möchte dringend an der Situation in Köln etwas ändern. Schon vor dem Silvesterabend. Ehrenamtlich, für die Zukunft unserer Stadt.

Wir möchten, dass Köln nicht mit Chaos gleichgesetzt wird. Köln soll ein Beispiel dafür werden, wie aus einer schlimmen Lage etwas Gutes entstehen kann.

Wenn wir das gemeinsam hinbekommen, haben wir etwas, auf das wir richtig stolz sein können: Köln ist die Stadt, die eine Lösung hat! „Et hätt noch immer jot jejange“ ist jetzt falsch.

Von diesem Leitspruch verabschieden wir uns schleunigst. Viel mehr brauchen wir Besonnenheit und Konsequenz, auch wenn das nicht gemütlich kölsch klingt.

Es ist unsere einzige Chance. Das kann und muss ein breites Bündnis aus Bürgerschaft, Wirtschaft, Politik und Stadtverwaltung gemeinsam umsetzen. Und zwar jetzt.

Dieser Text erschien zuerst im Kölner Express am 13. Januar 2016.