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Kein einziger Ausbildungsabbruch – und sechs Mal ein „Sehr Gut“ bei den Abschlussprüfungen: Die vorläufige Bilanz von Ausbilderin Gabriele Ley (im Foto mit Jugendlichen aus dem aktuellen Ausbildungsjahrgang) kann sich sehen lassen. Foto: Ulrich Kaifer
Porträt

Immer besser werden

Text: Lothar Schmitz

Gabriele Ley lockt junge Menschen aus ihrer Komfortzone. Sie fordert und fördert sie – und führt sie regelmäßig zu sehr guten Prüfungsergebnissen. Dafür wurde die Ausbilderin des großen Industrieunternehmens BPW Bergische Achsen KG in Wiehl jetzt von der IHK Köln zur "Ausbilderin des Jahres" gekürt.

Auch am Tag danach liegen Überraschung und Staunen in ihrer Stimme. „Ich bin immer noch geflasht“, sagt Gabriele Ley, die am Abend zuvor in der IHK Köln zur Ausbilderin des Jahres 2016 gekürt wurde. Außerdem zeigt sie sich bescheiden: „Jeder andere der Nominierten hätte die Auszeichnung genauso verdient.“

Das stimmt: Alle fünf für die jährliche IHK-Auszeichnung nominierten Ausbilderinnen und Ausbilder leisten Überdurchschnittliches. Doch von der Jury gekürt wurde Gabriele Ley. Da hilft es auch nichts, dass sie betont, die Auszeichnung gelte dem kompletten Ausbildungsteam bei der BPW Bergische Achsen KG – was ihr Chef im Übrigen genauso sieht.

Das Rampenlicht behagt der 48-jährigen Waldbrölerin nicht so recht. Aber: „Sie hat es verdient“, betont ihr Chef, Ausbildungsleiter Rainer Butting, „sie soll es ruhig genießen.“

Das tut sie. Doch was ihr viel mehr liegt als im Mittelpunkt zu stehen, ist ihre tägliche Arbeit. „Zwischen der Bewerbung und der Abschlussprüfung passiert so viel mit den jungen Menschen, es ist toll zu sehen, wie sie sich entwickeln, ihr Potenzial entdecken und immer besser werden – und sie dabei zu begleiten, erfüllt mich“, erzählt Gabriele Ley.

Kein einziger Ausbildungsabbruch – und sechs Mal „sehr gut“

In den vergangenen acht Jahren hat sie mehr als 40 angehende Industriekaufleute und Kaufleute für Büromanagement im Unternehmen betreut und keinen einzigen Ausbildungsabbruch zu verzeichnen gehabt. Sechs Auszubildende haben sogar mit einem „Sehr gut“ bei der Prüfung in der IHK Köln abschließen können. Rainer Butting und einige Azubis haben sie aber nicht nur deshalb bei der IHK für die diesjährige Auszeichnung vorgeschlagen. „Natürlich spricht dieser zahlenmäßige Erfolg für Gabriele Ley“, bekundet Butting, „aber es ist ihr darüber hinausgehendes Engagement, das wir so schätzen. Es macht sehr viel Spaß, mit ihr zusammenzuarbeiten!“

Die Noten seien wichtig, findet auch Ley. „Doch vor allem geht es uns bei BPW darum, dass die jungen Leute ihre Persönlichkeit entwickeln und zu Menschen heranreifen, die sich engagieren und Verantwortung übernehmen.“ Dazu bietet das große Unternehmen mit 5.000 Beschäftigten weltweit seinen über 100 Auszubildenden jede Menge Möglichkeiten. Am 8. Dezember erwartet BPW zum Beispiel 1.500 Besucher beim jährlichen Weihnachtsmarkt auf dem Firmengelände für Mitarbeiter und deren Familien. Die trinken Glühwein, essen Lebkuchen und kaufen Feuerkörbe, Windlichter und Wollsocken. Organisiert, gefertigt, aufgebaut wird alles von den BPW-Azubis – in Eigenregie.

Fremdsprachenförderung und Auslandsaufenthalt

Auch Fremdsprachen werden in der Ausbildung groß geschrieben. Azubis von BPW nehmen regelmäßig am Bundeswettbewerb Fremdsprachen teil. Und dürfen mehrere Wochen ihrer Ausbildung in einer BPW-Niederlassung in Großbritannien, Frankreich, Spanien oder Schweden verbringen. Nicht jeder junge Mensch möchte dafür gerne die vertraute oberbergische Umgebung verlassen. Doch: „Wir ermuntern sie, ihre Komfortzone zu verlassen und es auszuprobieren“, betont Ley, „denn mit dieser Erfahrung können sie nur wachsen“.

Drittes Beispiel: Bei BPW werden Azubis eigens geschult, um ihrerseits Tipps und Erfahrungen an Jüngere weiterzugeben. Ein gemeinsames Tutorenteam aus BPW-Azubis und Oberstufenschülern des örtlichen Gymnasiums geht regelmäßig in Kindertagesstätten und führt dort einfache Experimente durch, um die Kleinen spielerisch über die Berufswelt zu informieren.

Perspektivwechsel bereichern den Lebenslauf

Der berühmte Blick über den Tellerrand ist dem neunköpfigen Ausbildungsteam bei BPW ein zentrales Anliegen. Und auch Gabriele Leys eigener Berufsweg ist geprägt davon. In ihrem „ersten Leben“, wie sie das nennt, war sie nämlich medizinische Fachangestellte. Doch sie wollte sich weiterentwickeln, von der Medizin in die Industrie wechseln, neue Perspektiven gewinnen. Also absolvierte sie die staatliche Prüfung zur Sekretärin. 1992 kam sie zu BPW in Wiehl, zunächst als Sekretärin. Es folgten mehrere Positionen als Sachbearbeiterin, dann wurde sie Assistentin der Geschäftsleitung.

Und wechselte erneut die Perspektive: 2007 wechselte sie in die Personalabteilung – und sattelte erneut eine Qualifizierungsmaßnahme drauf. Seit 2009 ist sie IHK-geprüfte Personalfachkauffrau – und Ausbilderin.

Für die jüngste „Beförderung“ hat nun die IHK-Jury gesorgt: Ausbildern des Jahres 2016. „Ich empfinde das als große Wertschätzung“, hebt Gabriele Ley hervor. Und ergänzt einen Satz, der ihr wirklich wichtig ist: „Für mich, für das gesamte Ausbildungsteam – und für das Unternehmen!“

BPW-Ausbildungsleiter Rainer Butting freut sich mit Gabriele Ley über die Auszeichnung.
Foto: BPW Bergische Achsen

Die besten Ausbilderinnen und Ausbilder im IHK-Bezirk Köln

Mit dem Preis „Ausbilder/-in des Jahres" zeichnet die Industrie- und Handelskammer zu Köln seit acht Jahren Menschen für ihr vorbildliches Engagement bei der Ausbildung des Fachkräftenachwuchses aus. Die Auszeichnung bildet traditionell den Abschluss des „Tages der Ausbildung" in der IHK Köln.

„Wir danken heute den rund 8.300 Ausbilderinnen und Ausbildern, die im vergangenen Jahr 27.000 Auszubildende betreut haben. Die Leistungen von Gabriele Ley und der vier weiteren Finalisten beweisen, auf welch hohem Niveau die fachliche und persönliche Ausbildung heute stattfindet. Hierzu gratulieren wir herzlich“, sagte Dr. Dieter Steinkamp, Vorstandsvorsitzender der RheinEnergie AG und Vizepräsident der IHK Köln, bei der diesjährigen Veranstaltung am 15. November in der IHK Köln.

Aus rund 50 Vorschlägen direkt von Auszubildenden und aus Betrieben wählte die Fachjury aus fünf Nominierten die Gewinnerin aus. Neben dem Hauptwettbewerb, in dem die Fachjury entscheidet, gab es in diesem Jahr auch wieder einen Publikumspreis. Die fünf Finalisten wurden in YouTube-Videos über ihr jeweiliges Arbeitsumfeld porträtiert. Bis zum 10. November konnten sich alle, die Mitglied bei Facebook sind, per Klick auf den „Gefällt mir"-Button an der Wahl beteiligen. 5.381 Internetnutzer hatten sich die Videos angesehen.

Foto: Olaf-Wull Nickel

Ausbilderin des Jahres 2016
Gabriele Ley, BPW Bergische Achsen KG, Wiehl (4.v.r.)
Ausbilderin in den Berufen „Industriekaufmann/-frau“ und „Kaufmann/-frau für Bürokommunikation“
siehe obiges Porträt

Publikumspreis
Frank Büscher, VOSS Automotive GmbH, Wipperfürth (3.v.r.)
Ausbilder für Metallberufe
Frank Büscher gewann mit seinem Filmporträt, das 665 Facebook-Likes erhielt, den Publikumspreis. Büscher hat als junger Mann selbst eine Ausbildung zum „Zerspanungsmechaniker“ absolviert und in den vergangenen 20 Jahren etwa 250 Auszubildende in verschiedenen metalltechnischen Berufen betreut. In dieser Zeit hatte er auch schon zehn Auszubildende mit der Note „Sehr gut“ in der Bestenehrung der IHK Köln.
Während der Ausbildung wird Wert auf Realitätsnähe gelegt und bereits direkt für Kundenaufträge gefertigt. Im wöchentlichen Werksunterricht sorgt Büscher dafür, dass schulische Lerninhalte aufgefrischt werden. Eine intensive Prüfungsvorbereitung zum Ende der Ausbildung ist obligatorisch.
Um Nachwuchs zu gewinnen, nimmt er für sein Unternehmen an Messen teil und gibt Schülerinnen und Schülern im Rahmen von Berufsfelderkundungen die Möglichkeit, einen Blick in die Berufswelt zu werfen. Büscher bringt sich auch ehrenamtlich in die Ausbildung junger Menschen seiner Branche ein. Er ist Vorsitzender eines Prüfungsausschusses der IHK Köln.

Die weiteren Finalisten
Svenja Becker, HEW-KABEL GmbH, Wipperfürth (2.v.l.)
Ausbilderin im Beruf „Industriekaufmann/-frau“
Svenja Becker bildet seit fünf Jahren Industriekaufleute aus. In dieser Zeit hat sie bereits über zwanzig Azubis erfolgreich durch die Prüfung bei der IHK gebracht. Vier Azubis waren sogar bei der Bestenehrung der IHK Köln. Auslandsaufenthalte gehören ebenso zur Berufsausbildung wie die Übertragung von hausinternen Projekten und die Einbindung ins Tagesgeschäft. Becker kooperiert mit verschiedenen Schulen und führt Bewerbungstrainings und Betriebsführungen für Schüler durch. Patenschaften sorgen bei HEW-KABEL dafür, dass neue Azubis nach dem „Welcome Day“ gut ins Unternehmen eingebunden werden.

Marion Elbert-Seiler, Autohaus Jacob Fleischhauer GmbH & Co. KG, Köln (3.v.l.)
Ausbilderin im Beruf „Automobilkaufmann/-frau“
Marion Elbert-Seiler betreut die Auszubildenden bei Fleischhauer seit über 35 Jahren. Sie absolvierte selbst eine Ausbildung bei Fleischhauer und hat mittlerweile mehr als 200 Azubis in verschiedenen kaufmännischen und IT-Berufen erfolgreich durch die IHK-Prüfung gebracht. Die Ausbilderin sorgt durch Kooperationen mit Umschulungsträgern und der Bundeswehr dafür, dass der Nachwuchs gefördert wird. Auch Schülerinnen und Schüler haben die Chance, durch ein Praktikum einen Einblick ins Unternehmen zu gewinnen. Das ehrenamtliche Engagement als Prüferin in verschiedenen Prüfungsausschüssen der IHK wie auch der Handwerkskammer ist für Elbert-Seiler ebenso selbstverständlich wie der enge Kontakt zum Berufskolleg.

Sabina Wassmuth, Pflitsch GmbH & Co. KG, Hückeswagen  (4.v.l.)
Ausbilderin im Beruf „Industriekaufmann/-frau“
Bowling, Drachenbootfahren, Outdoor-Teamtraining und Segeln klingen nicht gerade nach einer 08/15-Berufsausbildung. Bei der Pflitsch GmbH & Co. KG bildet Sabina Wassmuth junge Leute zu Industriekaufleuten aus und setzt einen starken Fokus auf die Arbeit im Team. In den vergangenen fünf Jahren hat Wassmuth bei Pflitsch rund 20 Azubis erfolgreich ausgebildet. Ein Auszubildender wurde bereits bei der Bestenehrung der IHK Köln geehrt. Für den Nachwuchs sorgt Wassmuth durch engen Kontakt mit Schulen, an denen sie Bewerbungstrainings und Vorträge anbietet. Daneben informiert sie Bewerberinnen und Bewerber auf Ausbildungsmessen und Informationstagen über die Vorzüge der Ausbildung im Unternehmen.


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