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Die zweimal pro Woche angebotenen Yoga-Kurse helfen den PFERD-Beschäftigten, gesund zu bleiben. Genauso wie der Lauftreff, das Mountainbike-Training oder die persönliche Beratung in Gesundheitsfragen. Foto: Aliki Monika Panousi
Service

Gesunde Mitarbeiter, gesundes Unternehmen

Text: Werner Grosch

Ein betriebliches Gesundheitsmanagement bringt Unternehmen wie Mitarbeitern Vorteile. Mit einer Rückenschule und ein paar neuen Stühlen ist es aber nicht getan: Es muss alle mitnehmen und alle Bereiche erfassen.

Dienstagnachmittag kurz nach vier bei der August Rüggeberg GmbH & Co. KG in Marienheide. Ein Betrieb der Metallbranche, der handfeste Dinge wie Winkelschleifer und Frässtifte der Marke „PFERD“ herstellt. Männer in blauer Arbeitskleidung erwartet man hier, Menschen in weiten Trainingshosen und mit Yoga-Matte unterm Arm wirken da etwas fremd. Und doch sind sie längst Alltag. Und ein wichtiger Teil des Alltags, denn die vom Arbeitgeber zweimal pro Woche angebotenen Yoga-Kurse helfen den Teilnehmern, gesund zu bleiben. Oder Rückenprobleme zu beheben. Oder die Beweglichkeit zu verbessern. Oder Stress abzubauen.

Schöne Sache? Natürlich freuen sich die Mitarbeiter über diese Angebote, genauso wie über den Lauftreff, das Mountainbike-Training, die persönliche Beratung in Gesundheitsfragen oder das helle und freundliche Bistro mit seinem gesunden Essen. Aber all das ist nicht bloß ein nettes Extra für die Mitarbeiter, sondern Teil des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM). Und das ist bei PFERD seit 2012 systematisch aufgebaut worden.

In diesem Jahr gab es dafür den „Gesundheitspreis 2016“, der von der AOK und dem Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung verliehen wird. Die Jury würdigte vor allem den ganzheitlichen Ansatz und die Vielfalt der Maßnahmen, zu denen auch die betriebseigene Kita und der externe Gesundheitscoach gehören, der alle zwei Wochen zum persönlichen Gespräch zur Verfügung steht.

Maike Löwen ist BGM-Beauftragte beim Unternehmen Rüggeberg ("PFERD") im oberbergischen Marienheide.
Foto: Aliki Monika Panousi

Seit das Unternehmen das BGM so breit aufgestellt hat und mit Maike Löwen eine eigene Beauftragte für das Thema hat, ist der Erfolg sichtbar: Beim Krankenstand stehe man im Branchenvergleich sehr gut da, die Zufriedenheit der Mitarbeiter sei gewachsen. „Wir würden es jederzeit wieder machen“, ist das schlichte Fazit von Unternehmenssprecher Florian Pottrick, der selbst jeden Mittwoch beim Lauftreff dabei ist.

Was die Wettbewerbsjury beeindruckte, ist genau das, was der BGM-Experte Michael Bode dringend empfiehlt: Ein strukturierter Ansatz, der alle Unternehmensbereiche erfasst. Ein paar Maßnahmen ohne Konzept wie eine einzelne Rückenschule brächten wenig, sagt Bode, der mit seinem Unternehmen VisionGesund von Köln aus Betriebe beim Aufbau eines BGM berät und unterstützt.

Die ersten beiden Schritte klingen erstmal trocken: Einen Steuerkreis bilden und eine Analysemethode festlegen. Aber sie sind entscheidend, sagt Bode. In dem Steuerkreis müssten auf jeden Fall Geschäftsleitung und Mitarbeiter vertreten sein. Denn wer die Mitarbeiter nicht mitnimmt, oder wer als Chef einfach nur sagt: 'Macht mal', der komme nicht weit.

Anschließend müsse ermittelt werden, welche Bedürfnisse die Mitarbeiter haben: Klagen sie über einseitige körperliche Belastungen? Ist der psychische Druck zu hoch? Macht veraltete Technik das Leben schwer? Solche und viele weitere Beschwerden lassen sich am besten mittels Workshops oder direkten Befragungen herausfinden. Und erst dann geht es darum, welche Dinge umgesetzt werden. Organisatorische, technisch-bauliche oder personenbezogene. „Wer nachhaltigen Erfolg will, der darf nicht gleich ziellos mit Maßnahmen starten“, sagt Bode. Und wenn die dann eingerichtet werden, gehe es um mehr als „mal einen Korb mit Obst aufstellen“.

Den Mitarbeitern ein Bewusstsein für die Gesundheit vorleben

Bode hat 2013 mit seinem Geschäftspartner VisionGesund“ aufgebaut und sieht sich als Unternehmensberater mit einem Fokus auf das Thema Gesundheit. BGM dürfe nicht ein System neben anderen, sondern müsse ein integraler Teil der gesamten Firmenstruktur sein. In den wenigen Jahren hat Bode eine eindeutige Erfahrung gemacht: „Da, wo die Chefs das Bewusstsein für die Gesundheit vorleben, sehe ich auch erfolgreiche mittelständische Unternehmen.“ Natürlich ist das BGM nicht der einzige Erfolgsfaktor, aber eben ein Indiz dafür, ob der Mitarbeiter im Betrieb auch als Mensch wahr- und ernst genommen wird.

Bei PFERD weiß man das und sieht die weiteren Vorteile, die in Zeiten des Fachkräftemangels besonders wichtig sind: BGM und das Bistro hätten „das Bild unseres Unternehmens in der Öffentlichkeit weiter positiv verändert“, sagt Pottrick. Nicht von ungefähr werben inzwischen viele Unternehmen mit ihrer Gesundheitsorientierung.

Der vierte „Corporate Health Award“ für die Gothaer

So haben die Gothaer Versicherungen kürzlich schon zum vierten Mal als Branchenbeste den „Corporate Health Award“ gewonnen, der unter anderem von der TÜV Süd Akademie vergeben wird. Die Jury lobte auch hier vor allem: das durchdachte Konzept. Niedrigschwellige Angebote, die auch dank digitaler Info-Kanäle für alle Mitarbeiter an den 30 Standorten gleichermaßen gut zugänglich sind. Die Gothaer hat mit „Mediexpert“ ein eigenes Tochterunternehmen gegründet, das sich um das Gesundheitsmanagement im ganzen Konzern kümmert und entsprechende Dienstleistungen auch anderen Firmen anbietet.

Ein Unternehmen muss indes nicht groß sein, um ein stimmiges BGM einrichten zu können. „Zu unseren Kunden gehören neben großen und mittelständischen Unternehmen auch eine Zahnarztpraxis mit 15 Leuten und mehrere Kitas. Da werden die Strukturen und Maßnahmen eben entsprechend angepasst“, sagt Bode. Wie auch kleinere Mittelständler von BGM profitieren können, zeigt die Veranstaltung „Sporttreff“ Ende Januar in der IHK Köln (siehe Kasten unten).

Fitness aufbauen in der Firma - zum Beispiel beim Yoga.
Foto: Aliki Monika Panousi

Checkliste - Die wichtigsten Fragen beim Aufbau eines BGM:

  • Tragen Geschäftsleitung und Mitarbeiter das System mit?
  • Welches Konzept passt zur Unternehmensstruktur?
  • Welche Bedürfnisse haben die Mitarbeiter?
  • Welche konkreten Maßnahmen sind sinnvoll?
  • Wie wird der Erfolg gemessen?

Veranstaltungsreihe „Sporttreff“ - „Betriebliches Gesundheitsmanagement 4.0“

Bei der Veranstaltung „Betriebliches Gesundheitsmanagement 4.0“  werden am 30. Januar 2017 BGM- und Gesundheitsexperten in der IHK Köln vertreten sein, unter anderem von der Krankenversicherung DAK. Unter ihnen ist auch der frühere Radprofi Marcel Wüst. Von 17 bis ca. 20.30 Uhr werden hier viele Fragen zum Thema beantwortet. Die Veranstaltung in der Reihe „Sporttreff“ ist kostenlos, weitere Informationen finden Sie hier.

Eine Reihe von Infos zum BGM hat die IHK Köln auch auf ihrer Website zusammengestellt. Dort finden Sie auch Informationen zu den steuerlichen Vorteilen, die mit einem Betrieblichen Gesundheitsmanagement verbunden sind. Welche Vergünstigungen Unternehmen nutzen können, erklärt ausführlich auch eine Infoseite der AOK.

Kreissparkasse Köln für Gesundheitsmanagement ausgezeichnet

Bereits zum achten Mal in Folge wurde die Kreissparkasse Köln im Januar 2017 für ihr betriebliches Gesundheitsmanagement mit dem Corporate Health Award ausgezeichnet. Darüber hinaus erhielt sie zum siebten Mal das „Exzellenz-Gütesiegel“. Das Spektrum der Maßnahmen reicht von Angeboten zur gesunden Ernährung über Stressbewältigung bis hin zur Rückenschule. Außerdem bietet die hauseigene Sportgemeinschaft Sportarten wie Fitness, Segeln und Laufen an. Der Corporate Health Award steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

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